Darmspiegelung
Fünf von 100 Schweizerinnen und Schweizern bekommen Dickdarmkrebs. Jeder zweite stirbt daran.
In Deutschland kämpft eine ganze Nation gegen Dickdarmkrebs. Hunderttausende von Menschen lassen sich ab dem fünfundfünfzigsten Lebensjahr freiwillig den Darm spiegeln. Schauspieler und Politiker machen gleichermassen mit. Sie rufen die Öffentlichkeit auf, beim von den Krankenkassen finanzierten Screening-Programm mitzumachen, wie die Untersuchung gesunder Personen im Fachjargon genannt wird.
In der Schweiz ist ein solches Programm noch in weiter Ferne. Man begnügt sich lieber mit der Propagierung von wenig aussagekräftigen Stuhltests. Einzig der Kanton Waadt hat vor, das Koloskopie-Screening einzuführen. In allen anderen Kantonen ist es jedem Einzelnen überlassen, ob er ab dem fünfzigsten Lebensjahr eine Darmspiegelung machen lassen will oder nicht. Dabei eignet sich Dickdarmkrebs wie kein anderer für Vorsorgeuntersuchungen. Die meisten bösartigen Dickdarmtumoren entstehen nämlich über einen Zeitraum von zehn Jahren. Werden die Krebsvorstufen, die sogenannten Polypen, in dieser Zeit entfernt, kann der Krebs gar nicht erst entstehen.
Die Fachwelt ist sich einig, dass der Nutzen systematischer Darmspiegelungen enorm ist. Durch die endoskopische Entfernung der Krebsvorstufen kann die Häufigkeit von Dickdarmkrebs in der Grössenordnung von achtzig bis neunzig Prozent reduziert werden, weiss Prof. Peter Bauerfeind von der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsspital Zürich.
Im Klartext: Neun von zehn Dickdarmkrebserkrankungen liessen sich mit der Darmspiegelung von vorneherein verhindern. Weil diese Untersuchung heute völlig schmerzfrei und sicher ist, ruft Prof. Bauerfeind Menschen ab 50 dazu auf, den Darm spiegeln zu lassen: Wenn kein krankhafter Befund da ist, reicht eine Kontrolle alle fünf bis zehn Jahre. Wenn bei Verwandten ersten Grades schon einmal Dickdarmkrebs aufgetreten ist, sollte man die Koloskopie schon ab dem fünfundvierzigsten Lebensjahr respektive fünf Jahre vor dem Beginn der Erkrankung machen.
Klagt ein Patient über Symptome wie verändertes Stuhlverhalten, Gewichtsverlust oder Blutabgang oder liegt eine ungeklärte Blutarmut vor, muss weiter abgeklärt werden, am besten wiederum mit einer Dickdarmspiegelung. Patienten mit einer langjährigen Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko und müssen regelmässig koloskopiert werden.
Als Argumente gegen ein Screening auf Dickdarmkrebs werden immer wieder die Kosten und mögliche Komplikationen eingebracht. Dazu hat Prof. Bauerfeind, Präsident GastroMed Suisse, eine klare Antwort: Dass die Koloskopie kosteneffektiv ist, konnte man hieb- und stichfest beweisen. Die Untersuchung ist sicher. Und sie ist dank moderner Untersuchungsinstrumente und neuen Technologien völlig schmerzfrei und wird von der Bevölkerung auch problemlos akzeptiert.








