Therapie nach Mass
Darmkrebs: Ein Biomarker hilft, für die Patienten die richtige Therapie zu finden.
Der personalisierten Medizin gehört die Zukunft. In der Krebsbehandlung ist sie bereits Alltag. Grosser Vorteil für den Patienten ist eine massgeschneiderte Therapie. Deshalb werden immer mehr Tests eingesetzt, um abzuklären, ob ein Patient die genetische Voraussetzung hat, um von einem Medikament profitieren zu können. Eindrücklich ist diese Entwicklung beim Dickdarmkrebs. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass bei etwa 40 Prozent aller Patienten, die an Dickdarmkrebs leiden, ein bestimmtes Gen verändert ist. Man spricht vom Gen KRAS. 60 Prozent haben das unveränderte Gen. Nur sie können von einem Antikörper profitieren, der gezielt Signalwege blockiert, die für das Krebswachstum wichtig sind.
Weshalb sprechen einige Tumoren auf bestimmte Therapie beziehungsweise Krebsmedikamente an und andere nicht?
Tumor oder Krebs heisst lediglich, dass Gewebe zu schnell wächst und nicht aufhört, wenn keine Therapie eingesetzt wird. Die Gründe sind vielfältig. Dutzende von Eiweissen steuern das Wachstum in den Körperzellen. Wenn einzelne defekt sind, kann ein Tumor entstehen. Bei einem Autounfall ist es ähnlich: Die Bremse fällt aus, oder man gibt zu viel Gas usw. Dazu kommt, dass die Steuerung in Organen wie der weiblichen Brust oder der Prostata sehr unterschiedlich ist, da neben Wachstumsfaktoren auch Hormone eine Rolle spielen.
Tumor ist demnach nicht gleich Tumor?
Die Unterschiede bezüglich Verhalten, Prognose und Therapie sind sehr gross. Heute wissen wir, dass nicht einmal die Herkunftsbezeichnung gut genug ist. Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs. Das molekulare Muster, die Auslöser – Raucher oder Nichtraucher – und vieles mehr spielen eine Rolle.
Was sind Biomarker?
Mit Biomarker bezeichnet man die biologischen Eigenschaften eines Tumors. Sie erlauben ähnlich wie bei der Wetterprognose eine Voraussage, wie sich ein Tumor mit und wie ohne Behandlung verhalten wird.
Beim Dickdarmkrebs hört man immer mehr von einem Biomarker namens KRAS. Was ist das genau?
KRAS ist ein Eiweiss, welches das Wachstum ankurbelt. Es ist in allen Zellen vorhanden und Teil einer Signalübermittlungskette, die dafür sorgt, dass ein an der Zelloberfläche eintreffendes Signal – zum Beispiel ein stimulierender Wachstumsfaktor – zum Zellkern weitergeleitet wird. Im Zellkern werden als Reaktion auf dieses Signal Gene ein- oder ausgeschaltet, die für das Wachstum des Gewebes wichtig sind. Ein solcher Signalübermittlungsweg bringt das Signal EGFR – die Abkürzung für Epidermal-Growth-Factor-Rezeptor – über verschiedene Zwischenstufen in den Zellkern. Eine dieser Zwischenstufen ist KRAS. Wenn KRAS aus irgendeinem Grund mutiert, das heisst verändert ist, wird es überaktiv und hat zur Folge, dass die Signalübermittlungskette, unabhängig vom übergeordneten Wachstumsfaktorrezeptor, stimuliert wird und den Zellkern ständig zu vermehrtem Wachstum anstachelt. Die Tumorzellen vermehren sich dann unkontrolliert und machen Ableger in anderen Organen, das heisst Metastasen. Viele neuartige Krebstherapien zielen darauf ab, die tumorankurbelnden Signale von EGFF zu blockieren und so das Tumorwachstum zu unterbinden. Ein erfolgreich gestesteter Wirkstoff für eine solch gezielte Krebstherapie ist beispielsweise der Antikörper Cetuximab gegen Dickdarmkrebs.
Was heisst bedeutet dieser Biomarker nun für die Therapie?
Wenn KRAS verändert ist, sind Hemmer von EGFR gegen Dickdarmkrebs nicht wirksam. In einem solchen Fall kommen andere Krebsmedikamente in Frage. Doch wer weiss, vielleicht lernen wir, KRAS wieder abzuschalten.
Haben wir in ein paar Jahren die personalisierte Krebsmedizin?
Sie ist bereits Realität, so bei Krebs der Lunge, des Dickdarms, der Brust und des Hirns. Um das Problem generalstabsmässig anzugehen, müssten alle Tumorerfahrungen mit Tumorbanken korreliert werden können. Datenschutz- und Haftpflichtprobleme beim Austesten von Medikamentenkombinationen von verschiedenen Firmen, Kosten für Forschung usw. sind leider fast unüberwindbare Hürden.








