1 Minute für die Lunge
Husten, Auswurf und Konditionseinbusse? Ein Check schafft Klarheit.
Eine halbe Million Patienten – und kaum einer schaut hin. Oder viel zu spät, wenn er oder sie schon aus dem letzten Loch pfeift. Das ist, auf den Punkt gebracht, die Art und Weise, wie heutzutage immer noch mit der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit COPD umgegangen wird. Wer von gesundheitlichen Schäden der Zigaretten spricht, denkt unweigerlich an Lungenkrebs. Dass es eine Krankheit gibt, die weitaus häufiger und mindestens so gefährlich ist und auch die Lungen betrifft, ist der Öffentlichkeit kaum bewusst. Bei der COPD kommt es zu einer fortschreitenden Zerstörung des Lungengewebes. Mit Abstand wichtigste Ursache ist Zigarettenrauchen. Aber auch immer mehr Landwirte sind betroffen. Hauptsymptome sind Husten, Auswurf und Atemnot. Die chronische Entzündung zieht den ganzen Körper in Mitleidenschaft, führt zu einem massiv erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko, Untergewicht und muskulärer Schwäche. Die Lebensqualität leidet, der Aktionsradius wird enger, viele Betroffene werden depressiv. Durch den Trainingsmangel reduziert sich die körperliche Belastbarkeit weiter, schliesslich kommt es zu einem verhängnisvollen Muskelund Knochenabbau.
Jeder zweite Raucher bekommt eine COPD, wenn er nicht vorher an einer anderen Krankheit stirbt. Nur etwa 15 Prozent der Patienten haben nie geraucht. Die Raucher verdrängen die Symptome und banalisieren den Raucherhusten, weil sie Angst haben, mit den Zigaretten aufhören zu müssen, oder weil sie denken, es werde von alleine besser, sobald sie später einmal aufhören, was nicht stimmt. Körperliche Leistungseinbussen werden als Altersbeschwerden oder als schlechte Kondition fehlinterpretiert. Typisch ist das Vermeidungsverhalten vieler Raucher mit beginnender COPD. Anstatt die Treppe wird der Lift benutzt, körperliche Anstrengungen, die Atemnot verursachen könnten, werden unterlassen.
Die jahrelange Verdrängung hat schwerwiegende Folgen: Eine rechtzeitige Diagnose und Therapie wird verunmöglicht, für den Gasaustausch dringend benötigtes Lungengewebe geht unwiderruflich verloren. Dabei gibt es wirksame Medikamente, die den Verlauf der Krankheit entscheidend beeinflussen können. Wichtigste Medikamentengruppe sind langwirksame bronchienerweiternde Mittel, die möglichst früh eingesetzt werden sollen. Sie verzögern die Verschlimmerung der Krankheit und senken das Sterblichkeitsrisiko sowie die Anzahl Spitalaufenthalte.
Heute weiss man, dass es vor allem von den Angehörigen oder Freunden abhängt, ob ein Raucher oder eine Raucherin rechtzeitig zum Arzt geht oder ob er oder sie Symptome wie Konditionsverlust, Husten oder Auswurf als Bagatelle oder Alterserscheinung abtut. Aus diesem Grund haben wir einen Check für Angehörige und Freunde von Rauchern oder Raucherinnen entwickelt. Tragen Sie all Ihre Beobachtungen über die letzten zehn Jahre ein. Sie werden auf den ersten Blick sehen, ob sich etwas verändert hat und somit Anlass besteht, zum Arzt zu gehen. Wenn eine der drei Kurven nach unten zeigt, zögern Sie nicht, den Ihnen nahestehenden Raucher oder Raucherin sanft, aber nachdrücklich für einen Arztbesuch zu motivieren. Es lohnt sich.
So gelingt der Rauchstopp
Auch der Arzt traut sich oft nicht, das heikle Thema anzusprechen, weil die Motivation zum Rauchstopp viel Engagement und Geduld erfordert. Dabei ist Aufhören unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie der COPD. Je früher er gemacht wird, desto erfolgreicher ist er. Spontan gelingt er allerdings pro Jahr nur einem bis zwei Prozent der Raucher. Mit einem ärztlichen Programm und medikamentöser Unterstützung erhöhen sich die Erfolgsraten nach einem Jahr auf 30 bis 40 Prozent. Es gibt Tabletten, die speziell für die Raucherentwöhnung entwickelt wurden. Sie sind heute anerkannte Erstlinien Therapie der Nikotinsucht. Machen Sie an der Schwelle zum neuen Jahrzehnt mit Ihrem Arzt einen Versuch, mit Rauchen aufzuhören. Gönnen Sie sich damit eine riesige Portion Gesundheit! Sie schenken sich – so die neusten Studien – zehn Jahre Leben. Jetzt ist zum Aufhören der richtige Zeitpunkt.
1 Minute für die Lunge – der Check
Kennen Sie einen Raucher, um dessen Gesundheit Sie sich Sorgen machen? Oder leben Sie sogar mit ihm zusammen? Dann machen Sie mit ihm den Kurztest.
Hatten Sie immer wieder mal das ungute Gefühl, dass das ewige Rauchen Ihrem Partner oder Partnerin, Ihrem Kind, Ihrem Vater oder Mutter oder Ihrem Arbeitskollegen oder Arbeitskollegin nicht guttut, besonders, was die Lunge anbelangt? Der morgendliche Auswurf, das ständige Räuspern oder sogar Husten und die nachlassende Fitness sind Ihnen schon lange aufgefallen. Vielleicht haben Sie sich noch nie getraut, das anzusprechen. Jeder und jede weiss, dass das vom Rauchen kommt. Dass es sich dabei aber um ernstzunehmende Vorboten einer chronischen Entzündung handelt, welche die Lunge dauerhaft schädigen kann, wissen nur die wenigsten. Ihr ungutes Gefühl täuscht Sie also nicht.
Machen Sie nicht viel Federlesens. Füllen Sie mit «Ihrem» Raucher oder «Ihrer» Raucherin den Test aus. Tragen Sie Ihre Beobachtungen über die letzten zehn Jahre so gut es geht ein, und zeigen Sie das Resultat dieser Person. Sie wird überrascht und bereit sein, das Thema Rauchen und seine gesundheitlichen Folgen offensiv anzugehen. Der zweite Schritt ist der Besuch beim Arzt. Schneiden Sie den Check aus, und nehmen Sie ihn zum Arzttermin mit.
Wie haben sich körperliche Leistungsfähigkeit, Husten und Auswurf in den letzten zehn Jahren bei «Ihrem» Raucher oder «Ihrer» Raucherin verändert? Tragen Sie Ihre Beobachtungen möglichst genau ein. In der Horizontalen ist der zeitliche Verlauf dargestellt, in der Vertikalen die Stärke der Symptome.








