KrankheitenMagen, Darm

Das Feuer löschen

Magenbrennen verdirbt das Leben am Tag und raubt den Schlaf in der Nacht.

Dr. Andreas Müller über alles, was Sie zum Magen wissen sollten, und einen Feuerlöscher, der richtig löscht.

Saures Aufstossen kennt fast jeder. Passiert manchmal, ist aber völlig ungefährlich. Wer hingegen immer wieder unter Magenbrennen und saurem Aufstossen leidet, ist ein geplagter Mensch. Wie ein Feuer, das bis in die Speiseröhre flammt, fühlt es sich an. Ein Schmerz, der das Leben zur Hölle macht. Und auch gefährlich werden kann, weil die empfindlichen Schleimhäute durch die Magensäure angegriffen werden. Bisher bekämpfte man das Brennen mit Medikamenten, die den Brand einigermassen in Schach hielten, das Feuer aber nicht löschten. Seit einiger Zeit gibt es rezeptfrei in der Apotheke sogenannte Protonenpumpenblocker, die dem Feuer den Sauerstoff entziehen und es so vollends zum Verschwinden bringen.

Hat jeder Mensch Magenbrennen?

Dr. Andreas Müller: Ja, viele Menschen haben Magenbrennen, das ist normal. Aber die Intensität ist von Mensch zu Mensch verschieden. Es gibt nach meiner Erfahrung drei Typen: Typ 1 steht unter massivem Stress und erzeugt dadurch mehr Säure im Magen. Dadurch kommt es auch zu mehr Magenbrennen. Typ 2 ist eher übergewichtig und das Fett drückt auf den Bauch. Dadurch entsteht ebenfalls mehr Magenbrennen. Schliesslich Typ 3, der normalgewichtig sein kann, aber zu Ess- und Trinkexzessen neigt. Es gibt auch Menschen, bei denen der untere Speiseröhrenmuskel nicht mehr richtig schliesst und so die Säure immer wieder nach oben in die Speiseröhre gelangt und saures Aufstossen auslöst.

Schadet scharfes Essen dem Magen?

Es gibt keine scharfen Lebensmittel oder Gewürze, die dem Magen Schaden zuführen bzw. das Magenbrennen verstärken. Mit einer einzigen Ausnahme: Chili führt zu vermehrtem saurem Aufstossen.

Wie ist es mit Kohlensäure in den Getränken?

Eigentlich ist Kohlensäure günstig, da sie die Verdauung anregt und möglicherweise auch die Passagezeit der Speisen verkürzt wird. Kohlensäure begünstigt allerdings auch die Übersäuerung des Magens.

Hilft ein Aperitif dem Magen beim Verdauen?

Dem Aperitif wird eine appetitsteigernde Wirkung zugesprochen. Es gibt dazu aber keine wissenschaftlichen Daten. Es ist eher wahrscheinlich, dass der Alkohol des Aperitifs den Menschen entspannt, so dass er mehr Freude am Essen hat. Und womöglich auch mehr isst.

Welche Rolle spielt Alkohol für die Magensäure?

Der Magen ist sehr tolerant gegenüber den meisten Nahrungsmitteln inklusive des Alkohols. Der Alkohol hat wahrscheinlich früher den Menschen geholfen, um die sehr stark verunreinigte Nahrung zu desinfi zieren. Leider bewirken Wein und Bier eine Entspannung des unteren Speiseröhrenmuskels. Genau das kann zu mehr Magenbrennen führen.

Hilft Milch bei Magenbrennen?

Milch kann unterstützend helfen, vor allem bei nächtlichem Magenbrennen als Notfallmassnahme. Viel effektvoller sind aber die seit Jahrzehnten bekannten Protonenpumpenblocker, die erst seit kurzem rezeptfrei in der Apotheke zu haben sind. Sie haben eine langanhaltende Wirkung.

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Also doch besser Medikamente nehmen.

Bisher konnten in Apotheken nur Antazida wie zum Beispiel Riopan Gel rezeptfrei gekauft werden. Sie helfen vor allem in der Akutphase von Magenbrennen oder saurem Aufstossen und binden die überschüssige Säure. Das Gel bildet ausserdem einen Schutzfi lm im Magen, und das Brennen lässt rasch spürbar nach. Besser – und in einer zweiten Phase wirksamer – sind aber die Protonenpumpenblocker wie Pantozol Control. Sie setzen therapeutisch an der eigentlichen Ursache an und hemmen die Säureproduktion im Magen.

Wann nehme ich das eine und wann das andere Medikament?

Antazida wirken vor allem in der Akutphase sehr gut und schnell, das heisst in den kritischen Stunden. Protonenpumpenblocker sind aber eigentlich das bessere Medikament, weil sie bei der Ursache, also der Magensäureproduktion ansetzen. Es dauert zwar etwas, bis die Wirkung spürbar ist, denn der Magen ist ja noch voll Säure. Der Protonenpumpenblocker lässt sich aber mit dem Antazidum gut kombinieren. Das Antazidum kann die Säure, die noch im Magen ist, rasch neutralisieren. Einen Protonenpumpenblocker sollte man idealerweise mindestens ein paar Tage lang einnehmen, damit sich der Magen erholt und die nächste Magenbrennen-Attacke hinausgezögert wird. Beiden Wirkstoffgruppen ist gleich: Wenn sich nach zwei Wochen ununterbrochener Einnahme keine Besserung einstellt, sollte in jedem Fall der Arzt aufgesucht werden. Und wenn nach mehrfacher erfolgreicher Behandlung erneut Symptome auftreten, ist ebenfalls ein Arztbesuch angezeigt.

Ist es aus medizinischer Sicht ein Problem, dass ein rezeptpfl ichtiges Medikament auf einmal rezeptfrei erhältlich ist?

Nein, die Anwendungsvorschriften haben sich dadurch ja nicht verändert. Und aus meiner Erfahrung sind die Nebenwirkungen der Protonenpumpenblocker gering. Wir kennen diese Produkteklasse seit über 20 Jahren. Besonders Pantozol Control hat den Vorteil, dass keine wesentlichen Interaktionen mit anderen Medikamenten bekannt sind. Gerade diejenigen Menschen, die nachts wegen Magenbrennens erwachen und das Gefühl haben, ein Feuer verbrenne ihre Speiseröhre, haben Freude am Protonenpumpenblocker, weil er langanhaltend wirkt und 1 Tablette pro Tag reicht.

So wirkt der Blocker

Über Millionen winziger Säurepumpen fliesst die Magensäure in den Magen. Mit ihrer Hilfe wird die Nahrung in ihre Bestandteile aufgespalten. Magensäure hat einen pH-Wert von 1,5 bei nüchternem Magen und 2 bis 4 bei vollem Magen, ist also stark ätzend. Wird zu viel Magensäure produziert, können Magenbrennen und saures Aufstossen die Folge sein. Gefahr droht auch für die Speiseröhre, denn sie ist dem Säureangriff schutzlos ausgeliefert. Abhilfe schafft der Protonenpumpenblocker. Er hemmt jenes Enzym, das für die Freisetzung der Säure im Magen verantwortlich ist. Die Säureproduktion wird reduziert, und die Beschwerden lassen nach. Zur Nahrungsverdauung bleiben noch genügend Magensaft und Enzyme vorhanden.

Drucken12.11.2010