Der Tanz mit dem Morbus Crohn
Diana Dambone tanzt fürs Leben gern. Sie erzählt von ihrer Darmerkrankung.
«Cut & Color» heisst das Coiffeurgeschäft in Winterthur, wo sie arbeitet und sogar Lehrlinge ausbildet. «Cut» oder «Schnitt» trifft auch auf ihre Krankengeschichte zu. «Ich erlebte ganz schlimme Zeiten», erzählt Diana Dambone, 23. «Mein Morbus Crohn machte mich fertig, körperlich und seelisch. Ich hatte nur noch Schmerzen und brauchte deswegen Morphin. Der ständige blutige Durchfall, die Bauchkrämpfe und das Fieber waren für eine 17-Jährige die totale Katastrophe. Unzählige Arztbesuche, lange Spitalaufenthalte, vollständige Arbeitsunfähigkeit und vor allem eine folgenschwere Cortisonbehandlung. Das war der Tribut, welche die chronisch entzündliche Darmerkrankung forderte. «Am Anfang wirkte zwar das Cortison, der Preis war jedoch hoch, den ich bezahlen musste. Ich war so aufgedunsen, dass ich mich im Spiegel kaum noch erkannte und mich nirgendwo mehr zeigen konnte.»
Als dann das Cortison auch mehr und mehr seine Wirkung verlor, war ein Wechsel auf eines der neuen biologisch wirksamen Medikamente unausweichlich. Die Antikörper brachten den erhofften Schnitt mit der Vergangenheit und setzten dem Leiden ein Ende. Diana Dambone spritzt sich das Mittel immer selber. «Alles ist anders geworden. Ich habe keine Schmerzen mehr. Der Durchfall ist praktisch weg. Ich bin wieder aufgestellt, habe Kraft und Energie und bin wieder hundertprozentig arbeitsfähig. Und am Wochenende kann ich sogar wieder bis in den frühen Morgen tanzen. Natürlich gibt es auch kurze Phasen, wo es nicht ganz so gut geht. Aber da mache ich mir nichts draus, sondern versuche Ruhe und Gelassenheit zu bewahren.»
Diana Domabone hat keine Mühe, offen über ihre Krankheit zu erzählen, auch nicht im Geschäft. «Ich stosse auf ganz viel Verständnis und bekomme Zuspruch von allen Seiten.» Patienten, die zum ersten Mal mit Morbus Crohn konfrontiert werden, rät sie, sich ja nicht im Internet zu informieren. «Da wird einem so viel Angst gemacht, dass man schier verzweifelt. Viel besser geht man gerade von Anfang an zu einem erfahrenen Magen-Darm-Spezialisten, damit man die richtige Behandlung bekommt.
Was es heisst, auf eine wirksame Behandlung verzichten zu müssen, erlebe ich hautnah an meiner Cousine in Neapel, der es ganz schlecht geht und wegen ihrem Morbus Crohn operiert werden muss. Dort gibt man keine solchen Medikamente, wie ich sie bekomme.»
PD Dr. med. Stephan Vavricka, Oberarzt Gastroenterologie, Universitätsspital Zürich, über Morbus Crohn
Was ist Morbus Crohn?
Eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, die überall im Verdauungstrakt auftreten kann, vom Mund bis zum After. Die meisten Patienten haben Durchfall und Bauchschmerzen, Fieber, Gewichtsverlust, Anämie und oft auch Gelenkschmerzen.
Was weiss man über die Ursachen?
Die Ursache ist nach wie vor unklar. Man nimmt an, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, sei das eine Veranlagung, aber auch Umwelteinflüsse wie Infekte, Ernährung und Rauchen. Auch der Einfluss des Immunsystems und der Darmbakterien wird diskutiert.
Wie verläuft Morbus Crohn ohne Behandlung?
Die Krankheit verläuft schubartig und ist von symptomfreien Intervallen unterbrochen. Teilweise sind die Schübe sehr schwer und erfordern dringend eine Therapie.
Was bringen die neuen biologisch wirksamen Medikamente?
Die neuen Biologika, die TNF-Blocker, hemmen wichtige Entzündungsbotenstoffe. Sie führen zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität. Es konnte sogar gezeigt werden, dass sie die Operationsraten senken und Cortison eingespart werden kann. Wie alle anderen Medikamente erfordern sie eine Nutzen-Risiko-Abwägung. Nicht jeder Patient kann mit demselben Medikament behandelt werden.
Wo lassen sich Morbus-Crohn-Patienten am besten behandeln?
Bei leichten Verläufen kann ein Patient mit Morbus Crohn gut vom Hausarzt betreut werden. Regelmässiger Austausch mit einem spezialisierten Gastroenterologen ist jedoch wichtig. Schwere Fälle sollten von einem spezialisierten Gastroenterologen oder einem Zentrum behandelt werden.
Hat ein Morbus-Crohn-Patient heute Aussicht auf ein normales Leben?
Eine Heilung ist bis heute zwar nicht möglich, Morbus Crohn lässt sich aber so weit behandeln, dass die Betroffenen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Die neuen Medikamente ermöglichen eine akzeptable Lebensqualität, ohne dass wie früher der Dickdarm entfernt und ein künstlicher Darmausgang angelegt werden muss.








