KrankheitenMagen, Darm

Reflux

Reflux hat jeder. Aber nicht bei jedem macht er Symptome. Professor Bauerfeind erklärt.

Kennen Sie den Begriff «gastrooesophagealer Reflux»? Man kann es auch viel einfacher sagen: Säure fliesst aus dem Magen zurück in die Speiseröhre. Dieser Vorgang ist normal. Jeder Mensch hat das, besonders nach dem Essen. In den allermeisten Fällen merkt man gar nichts davon.

Das ist erst der Fall, wenn der Reflux zu Beschwerden führt oder die Schleimhaut der Speiseröhre angreift, und zur Oesophagitis führt. Die wesentlichste Ursache für den Reflux ist ein mechanisches Problem, das heisst ein unvollständiger Verschlussmechanismus zwischen Magen und Speiseröhre. Andere Faktoren wie einzelne Nahrungsmittel oder Getränke wie Weisswein oder Kaffe können die Symptome zwar verstärken, sind aber nicht ursächlich dafür verantwortlich.

Patienten mit Refluxbeschwerden lassen sich in drei Gruppen einteilen. Menschen, die der ersten Gruppe angehören, haben nur episodenweise Symptome. Häufig werden die Symptome durch spätes, schweres Abendessen, viel Alkohol und auch sonst eine ungesunde Lebensweise ausgelöst. Oft sagen die Betroffenen, dass die Symptome durch Stress verstärkt würden. In all diesen Fällen helfen die bekannten Massnahmen wie Verzicht auf Weisswein und Kaffee, Pfefferminz und spätabendliche schwere Mahlzeiten. Wenn sich die Patienten an diese Ratschläge halten, haben sie oft keine Beschwerden mehr. Genauso gut kann man aber auch vor jedem Abendessen ein Medikament einnehmen, das man in jeder Apotheke bekommt. Diese Medikamente hemmen die Produktion von Magensäure und verhindern eine Entzündung der Speiseröhre.

In die zweite Kategorie fallen Menschen, die regelmässig unter Refluxbeschwerden leiden. Auch hier verstärkt eine ungesunde Lebensführung die Beschwerden. Eine Änderung der Lebensgewohnheiten reicht aber nicht mehr. Es braucht auch Medikamente. Zur dritten Gruppe werden all jene Patienten gezählt, bei welcher der regelmässige Reflux zu Veränderungen der Oesophagusschleimhaut oder zu einem sogenannten Barrett-Oesophagus, einer Krebsvorstufe, geführt hat.

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Wicht ist, dass irgendwann einmal eine Spiegelung der Speiseröhre und des Magens gemacht wird, wenn man regelmässig Reflux hat. Dringlich ist diese Untersuchung nur dann, wenn die Refluxsymptome neu auftreten oder wenn Schluckbeschwerden dazukommen. Mit der Spiegelung will man verhindern, dass sich aus dem Barrett-Oesophagus Speiseröhrenkrebs entwickelt, was zum Glück sehr selten ist. In der Fachwelt wird intensiv über das Kosten-Nutzen-Verhältnis von solchen Untersuchungen gestritten. Ich bin der Meinung, die Spiegelung von Speiseröhre und Magen ist ein derartig billiger und ungefährlicher Eingriff, dass er sich bei allen Menschen lohnt, die regelmässig Reflux haben.

Bei der Therapie ist es ganz wichtig, Gruppe zwei und drei getrennt anzuschauen, weil es sehr darauf ankommt, ob jemand schon Folgeschäden in der Oesophagusschleimhaut hat. Ist dies nicht der Fall, kann man alles anwenden, was zur Symptomfreiheit führt: rezeptfreie bis hin zu verschreibungspflichtigen Medikamenten. Entscheidend ist, dass der Patient wirklich symptomfrei wird. Unterstützende Massnahmen wie das Hochstellen des Kopfendes beim Schlafen oder Verzicht auf bestimmte Speisen oder Getränke sind meistens nur mühsam und wenig effektiv. Ich selber biete jedem Patienten der Gruppe zwei und drei ein wirksames Medikament an und lege nicht allzu grosses Gewicht auf die Umstellung der Lebensgewohnheiten, weil diese im Alltag meistens scheitern und sich in Studien als unwirksam erwiesen haben.

Speziell ist die Situation bei all jenen Patienten, die Folgeschäden an der Speiseröhre haben. Hier ist in jedem Fall eine konsequente Behandlung notwendig, die nicht nur auf Symptomfreiheit abzielt, sondern die Säure komplett blockiert, und zwar lebenslänglich. Ein chirurgisches Vorgehen ist nur dann sinnvoll, wenn der Verschluss zwischen Magen und Speiseröhre so undicht ist, dass ständig grössere Mengen Magensaft in die Speiseröhre bis in den Mund zurückfliessen. Liegen Krebsvorstufen wie der sogenannte Barrett-Oesophagus oder frühe Stadien von Krebs vor, gibt es endoskopische Verfahren, die einen chirurgischen Eingriff überflüssig machen. Radiofrequenzablation nennt man diese neue Methode, die zuerst am Universitätsspital Zürich eingeführt wurde.

Drucken03.07.2009