KrankheitenMultiple Sklerose

Eine Krankheit im Wandel

MS ist weder eine genetische noch eine ansteckende Krankheit.

Man ist verschiedenen Faktoren auf der Spur, auch wenn die genaue Ursache noch immer unbekannt ist. Oft werden die Symptome lange verkannt, obwohl frühe Diagnose und Therapie entscheidend sind. Wichtigstes Instrument zur Früherkennung ist die Magnet-Resonanz-Tomographie.

Therapie der ersten Wahl ist Interferon, und zwar mehrmals pro Woche und hoch dosiert. Unbedingt zu vermeiden sind halbherzige Therapieversuche. Ein verzögerter Therapiebeginn kann später nicht mehr aufgeholt werden. Zehn Jahre Erfahrung bestätigen, dass der Krankheitsverlauf entscheidend verzögert wird und dass vier von fünf Patienten dank Interferon nicht in eine Situation kommen, in der die Krankheit kaum mehr auf Medikamente anspricht. Ohne Therapie ist das nur bei einem von zwei Patienten der Fall. Beim Versagen von Interferon gibt es Alternativen, die aber mit Risiken verbunden sind.

Keine Angst vor Spritzen: Heute gibt es eine verbesserte und viel verträglichere Formulierung von Interferon, die weniger Schmerzen bei der Injektion und weniger lokale Hautreaktionen verursacht. Sehr hilfreich sind Schulungen zur Anwendung der Medikamente und Therapiebegleitung sowie Physiotherapie. Schübe sind nur die Spitze des Eisbergs. Auch ohne sichtbare Symptome schreitet die Krankheit fort. Deshalb darf man die Therapie auch nicht einfach absetzen, wenn man nach aussen schubfrei ist.

MS ist nach wie vor nicht heilbar. Dennoch ist heute für viele Patienten ein fast normales Leben möglich. MS hat keinen Einfluss auf Schwangerschaft und Familienplanung. Sport ist nicht nur möglich, sondern sehr förderlich. Auch Reisen sind kein Problem, selbst unter Therapie. Niemand ist allein mit dieser Krankheit. Spezialisierte MS-Kliniken, engagierte Neurologen, die MS-Gesellschaft mit ihren regionalen MS-Gruppen bieten die notwendige Unterstützung.

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Neue Ära

Bis Anfang der 90er-Jahre galt Multiple Sklerose als unbehandelbar. Grund dafür sind die komplexen Krankheitsprozesse im Immunsystem. Die ersten MS-Therapien, welche die Aktivität und das Fortschreiten der Erkrankung reduzieren konnten, sind durch Zufall entdeckt worden – übrigens in der Schweiz. Der erste Wirkstoff war ein so genanntes Beta-Interferon, eine Substanz, mit der man Viruserkrankungen behandelte. So fand man als «Nebenprodukt» eine Wirksamkeit auch gegen MS. Damit begann vor 20 Jahren eine neue Ära.

Während man früher die Diagnose MS gar nicht aktiv verfolgte oder gelegentlich sogar verschwieg – «man kann ja eh nichts machen» – hat sich die Einstellung komplett gewandelt. Frühe Diagnose und Therapie sind heute Voraussetzung, um den Betroffenen wirksam zu helfen. Dennoch gibt es noch viel zu tun. Trotz aller Therapien ist noch keine Heilung möglich. Es gibt Formen und Stadien von MS, wo weiterhin keine Therapie hilft. Auf kaum einem anderen Gebiet der Neurologie wird so viel geforscht. Weltweit werden rund 100 000 Patienten in klinischen Studien behandelt.

Drucken01.07.2009