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Gehörschäden

Besonders vor Lärm schützen müssen sich Menschen mit einem empfindlichen Gehör.

Es mag Sie überraschen. Aber ein «normales Gehör» existiert gar nicht. Die im Audiogramm, der sogenannten Hörkurve, angegebene Nulllinie entspricht lediglich einem mittleren Gehör eines 20-Jährigen, wobei die eine Hälfte besser hört und die andere Hälfte dieser 20-Jährigen tendenziell weniger gut. Auch die lärmbedingten Hörschäden betreffen nie alle Personen, sondern vor allem Menschen mit einem besonders verletzlichen Gehör. Kommt dazu, dass die Empfi ndlichkeit des Innenohres gegenüber Lärm nicht nur von einem Individuum zum anderen, sondern bei der gleichen Person sich im Verlauf des Lebens ändern kann.

Lärmbedingte Gehörschäden entwickeln sich am Anfang am schnellsten und nehmen nach Jahren der Lärmexposition zwar immer noch leicht zu, jedoch nicht mehr im gleichen Ausmass wie zu Beginn. Später kommt dann noch die altersbedingte Abnahme des Gehörs hinzu und addiert sich zu einem allfällig bereits bestehenden, lärmbedingten Gehörverlust. Das heisst: Die durch Lärm verursachten Gehörschäden machen sich meistens erst mit zunehmendem Alter bemerkbar, wenn die Lärmbelastung schon längst vorbei ist. Man merkt das daran, dass die altersbedingten Hörprobleme früher und stärker auftreten als gewöhnlich.

Um lärmbedingte Gehörschäden zu verhindern, ist es wichtig, die besonders verletzlichen Innenohren früh, das heisst in jungen Jahren und zu Beginn der «Lärmkarriere», zu erfassen. Das geht nur mit engmaschigen audiometrischen Untersuchungen. Die Suva hat fünf Audiomobile im Einsatz, um lärmexponierte Arbeitnehmer regelmässig zu untersuchen. Zurzeit sind das rund 40 000 Untersuchungen pro Jahr. Allerdings handelt es sich dabei nicht um blosse Reihenuntersuchungen, sondern um eine aufwändige klinische Audiometrie, bei der die Gehörschwelle genau ausgemessen wird. Das ist auch der Grund, weshalb von anderer Seite durchgeführte Screeninguntersuchungen das Gehörschadenprophylaxeprogramm der Suva nicht ersetzen können.

Den Hörverlust junger lärmexponierter Menschen verfolgen wir besonders streng. Personen, die aufgrund einer ersten Messung Hinweise auf ein empfi ndliches Gehör haben, untersuchen wir viel engmaschiger als die anderen. Wir konnten mit wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass dieses gezielte Vorgehen die Wirksamkeit von Prophylaxeprogrammen für das Gehör deutlich steigert und Gehörschäden vermieden werden können.

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Wie viel Musik erträgt das Gehör?

Interview mit Dr. med. Laszlo Matéfi, Suva, Abteilung Arbeitsmedizin.

Jeder Jugendliche läuft heute fast permanent mit einem Knopf im Ohr herum und hört Musik. Wie gut ist das für das Gehör?

Ob Musik aus einem MP3-Player dem Gehör schadet, hängt von der Lautstärke, der Dauer und der Musik ab. Voll aufgedreht darf man aktuelle Musik nur eine Stunde pro Woche hören. Bei 80 Prozent der Lautstärke dagegen schon zehn Stunden pro Woche. Oldies oder Jazz sind gehörverträglicher und dürfen vier Mal länger laufen.

Was ist mit Openair- oder generell mit Konzerten?

In der Schweiz ist die Lautstärke von Konzerten und Festivals begrenzt. Man soll sich aber nicht mutwillig vor die Lautsprecher stellen, dem Gehör auch einmal eine Pause gönnen und einen guten Gehörschutz bereithalten.

Spielt es eine Rolle, wenn man tagsüber schon Lärm ausgesetzt ist und abends noch ein lautes Konzert besucht?

Auf jeden Fall! Für das Gehör addieren sich diese Belastungen. Wer schon am Arbeitsplatz Lärm ertragen muss, kann durch einen Discobesuch am Abend schnell eine gehörschädigende Dosis erhalten.

Wie merkt man, wenn es für das Gehör zu viel wird?

Bei einer Überlastung des Innenohrs setzen die Hörzellen vorübergehend aus. Sie können sich wieder erholen, wenn die Belastung nicht übermässig und langandauernd ist. Subjektiv nimmt man das als dumpfes Hören wahr, wie wenn man durch Watte hören würde, häufig begleitet von einem Ohrgeräusch wie Pfeifen. Das sind klare Alarmzeichen. In einem solchen Fall braucht das Ohr unbedingt eine lärmfreie Zeit zur Erholung. Wiederholen sich solche Episoden, ohne dass sich das Gehör regenerieren kann, kommt es zu bleibenden Schäden am Innenohr. Deshalb ist es so wichtig, Lärmschäden von vorneherein zu verhindern.

Drucken03.04.2010