Eile mit Weile
Kämpfen Sie schon seit längerem mit chronischen Schmerzen?
1) Schmerz ist nichts mathematisches, nichts, was sich rein objektiv messen liesse. Schmerz ist eine sehr komplexe Empfindung, welche auch die Seele nicht kalt lässt.
2) Jeder hat ein Anrecht auf eine wirksame Schmerzbehandlung. Schmerzpatienten sind weder Simulanten noch Schwächlinge. Psychische Probleme sind meistens nicht Ursache sondern Folge von lange dauernden Schmerzen.
3) Leiden Sie schon länger unter starken Schmerzen, die mit herkömmlichen Schmerzmitteln nicht gelindert werden können? Es könnten Nervenschmerzen sein, wenn
- der Schmerz brennend ist
- der Schmerz kribbelt oder prickelt wie Ameisenlaufen oder elektrischer Strom
- schon leichte Berührungen oder Druck schmerzhaft sind
- der Schmerz plötzlich einschiessend auftritt wie ein Stromschlag
- Kälte oder Wärme auf der Haut Schmerzen auslöst
- Taubheitsgefühle auftreten
Wenn einer oder mehrere Punkte auf Sie zutreffen, sprechen Sie Ihren Arzt auf Nervenschmerzen an.
4) Es gibt viele gemischte Formen von Schmerz. Besonders Menschen mit Rückenschmerzen leiden oft auch an einem Nervenschmerz. Der entzündlich-rheumatische Schmerz kann ebenfalls Anteile von Nervenschmerzen haben. Diese Nervenschmerzen brauchen eine andere Therapie als der gewöhnliche Schmerz.
5) Schmerzpatienten gehen oft von einem Arzt zum anderen, in der Hoffnung, der nächste könne Ihnen besser helfen. Dieses Doctorhopping ist nicht nur nutzlos und teuer, sondern verhindert meistens eine konsequente Abklärung und wirksame Behandlung. Wenden Sie sich früh an ein ausgewiesenes Schmerzzentrum, in dem sich ein kompetentes Team um Ihre Schmerzerkrankung kümmert.
6) Schmerz ist keine Einbahnstrasse. Es werden nicht bloss Schmerzsignale aus dem Körper zum Gehirn übermittelt. Filterprozesse bestimmen, wie Schmerzsignale verarbeitet werden. Diesen Filter können Sie selber aktiv beeinfl ussen, indem Sie bewusst die Schmerzsignale mit anderen Sinnesempfindungen in Konkurrenz setzen. Je mehr wir unser Gehirn mit anderen, positiven Signalen ablenken, desto mehr tritt die Schmerzempfindung in den Hintergrund.
7) Schmerzpatienten sollten sich nicht einfach schonen. Chronische Schmerzen haben längst die Warnfunktion akuter Schmerzen verloren. Wichtig ist daher, trotz Schmerzen körperlich aktiv zu bleiben oder sogar ein spezifisches Aufbautraining zu machen. Das gilt ganz besonders für Patienten mit Rückenschmerzen. Passive Therapien wie Fango oder Massagen eignen sich höchstens anfänglich zur Begleittherapie.
8) Lassen Sie sich in Ihrem Lebensradius ja nicht einschränken. Verzichten Sie auf keinen Fall auf Konzert- und Kinobesuche, Einladungen, Wanderungen, Spaziergänge und so weiter. Lassen Sie sich nicht isolieren, machen Sie Ihren Schmerzen das Leben schwer und nicht umgekehrt.
9) Überlassen Sie dem Schmerz nicht den Alltag. Und erlauben Sie ihm schon gar nicht, in Beziehungen einzubrechen als der unsichtbare Dritte im Bunde.
10) Haben Sie kein Selbstmitleid und erwarten Sie auch von Ihrer Umgebung keine andauernde Zuwendung nur wegen der Schmerzen. Der Schmerz darf nicht zum bestimmenden Thema werden, um das sich alles zu Hause oder im Gespräch mit Bekannten dreht. Machen Sie mal folgendes Experiment: «Verbieten» Sie Ihren Angehörigen und Bekannten einen Monat lang, mit Ihnen über Ihre Schmerzen zu reden und schauen Sie, was dann passiert.
11) Ziehen Sie sich wegen Ihrer Schmerzen nicht aus dem Berufsleben zurück. Der Schmerz darf sich in Ihrem Leben nicht breit machen.
12) Bei lang dauernden Schmerzen ist schon viel erreicht, wenn sie nicht mehr ganz so fest weh tun, obwohl sie immer noch da sind. Freuen Sie sich über jeden kleinen Fortschritt in der Behandlung, aber auch in Ihrem Leben.








