LebenKommunikation

Das letzte Wort

Compliance im Sinne von Folgsamkeit ist out. Heute spricht von man von Adherence.

Gemeint ist die gemeinsame Entscheidungsfindung von Arzt und Patient. Schlechte Compliance oder mangelnde Therapietreue beruht auf der veralteten Vorstellung, der Arzt sei hierarchisch höher gestellt als sein Patient. Das Verb „Verordnen“ kommt daher nicht von ungefähr. Nur sind die Patienten oft nicht so folgsam, wie es der Arzt erwartet. Doch wer über schlechte Compliance klagt, was in der medizinischen Literatur und unzähligen Fortbildungsveranstaltungen ständig der all ist, zielt am Kern des Problems vorbei. Der Patient von heute ist gleichberechtigter Partner. Der moderne Arzt überlässt seinem Patienten die Verantwortung für sein Tun und Handeln. Sowohl die Krankheitsursachen als auch die Behandlungsmöglichkeiten werden gemeinsam erörtert. Das letzte Wort hat dabei immer der Patient. Nur so wird er seine selbst gewählte Therapie auch durchhalten. Dabei nimmt der Arzt in Kauf, dass ein Patient eine Therapie wählt, die er nicht empfohlen hat.

Zwei Fragen durch den Arzt sind für dieses neue Arzt-Patienten-Verhältnis bezeichnend: Was glauben Sie, was ist das? Was erwarten Sie, was wir jetzt tun? Mit solchen Fragen wird der Patient von allem Anfang einbezogen. Der Arzt vermittelt nicht nur sein Wissen über eine Krankheit und eine Therapie, sondern interessiert sich auch für die Perspektive des Patienten, seine Sicht der Dinge, seine Ängste. Welche Therapie passt zu einem bestimmten Menschen und seinem Alltag? Auf Grund dieser Fragen werden dann die Behandlungsziele gemeinsam definiert. Adherence ist also keine besonders geschickte Form des Überredens. Der Arzt akzeptiert die Entscheidung des Patienten. Kommt dazu, dass die meisten Ärzte die Bedeutung ihrer Behandlung überschätzen und die Wirkung einer nachhaltigen Verhaltensänderung unterschätzen, die jedoch kein Arzt verordnen, sondern die nur der Patient selber wählen kann.

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Drucken30.06.2009