Die Wahrheit über Hormone
Der Ausweg aus dem «Hormon-Dilemma» der Frau.
Dieses Buch bringt jede Leserin und jeden Leser in Wallungen. Was der renommierte Münchner Gynäkologe und Privatdozent Dr. med. Alexander Römmler über die gängige Hormonersatzbehandlung schreibt, ist Medizin- und Kollegenschelte in Reinkultur: «Eine Hormonersatztherapie in Tablettenform ist eine überdosierte Medikamententherapie, welche die natürlichen Östrogenverhältnisse keineswegs wiederherstellt. Sie ist medizinisch unnötig und risikobehaftet.»
Wie bitte? Genau das wird doch mit Hunderttausenden von Frauen nach der Menopause gemacht, in der Meinung, man würde ihnen etwas Gutes tun. Auch wenn in jüngster Vergangenheit gross angelegte Studien die Hormonersatzbehandlung in Zweifel gezogen haben, sind die meisten Gynäkologen wieder zur Tagesordnung übergegangen und verordnen ihren Patientinnen munter Hormonpillen, wie wenn nichts geschehen wäre.
Für Römmler ist die wissenschaftliche Datenlage klar: Die klassische Hormonersatztherapie in Tablettenform geht mit inakzeptablen Risiken wie Thrombosen und Brustkrebs einher und ist ein unstatthafter Menschenversuch, der schleunigst eingestellt werden muss. Zwei wesentliche Argumente führt der ausgewiesene Hormonspezialist auf. Erstens seien die verwendeten Östrogene und Gestagene, das heisst Gelbkörperhormone, nicht natürlich, das heisst körperidentisch, sondern synthetisch. Und zweitens müssten sie wegen der Passage durch die Leber so hoch dosiert werden, dass sie und ihre Abbauprodukte den weiblichen Organismus überschwemmen und ihm dadurch langfristigen Schaden zufügen, sei es am Brustgewebe oder an den Blutgefässen. Allein das Thromboserisiko sei unter der oralen Hormonersatzbehandlung schon im ersten Anwendungsjahr um 300 bis 400 Prozent erhöht.
Wer nun glaubt, Römmler warne grundsätzlich vor einer Hormontherapie und plädiere für eine neue Natürlichkeit, täuscht sich. «Keine Angst vor den richtigen Hormonen!», lautet sein Credo. Richtig sei, nur noch natürliche beziehungsweise körperidentische Östrogene und Gestagene zu verwenden und die Östrogene über die Haut entweder als Pflaster oder Gel zuzuführen. Dazu genügten kleinste Mengen Östrogene, weil mit diesem Anwendungsprinzip die Leber umgangen, das heisst geschont wird. Im Vergleich zur oralen Gabe könnten bei der transdermalen Darreichung 20- bis 80-fach niedrigere Tagesdosierungen verwendet werden. Nebenwirkungen und Risiken wie bei der Einnahme von Hormontabletten seien nicht zu befürchten, was durch zahlreiche Vergleichsstudien bewiesen sei. Römmler im O-Ton: «Bei Frauen, die Östrogene über die Haut zuführen, ist das Thromboserisiko nachgewiesenermassen nicht höher als ohne Östrogenersatz. Ein erhöhtes Brustkrebsrisiko besteht nur, wenn die Östrogene alleine oder mit synthetischen, das heisst künstlichen Gestagenen oral eingenommen werden.»
Weil die Hormonersatzbehandlung eine der meistdiskutierten Fragen der modernen Medizin ist, bringen wir die Kernaussage des Buches nochmals auf den Punkt: Transdermal angewendetes körperidentisches Östrogen in Kombination mit natürlichem Progesteron in einer Tageskapsel führt zu keiner Erhöhung des Brustkrebs- und des Thromboserisikos. Dieses Behandlungskonzept ist nicht neu, sondern schon seit geraumer Zeit auch der Geheimtipp von erfahrenen Schweizer Gynäkologen. Wer sich in den einschlägigen Fachkreisen regelmässig umhört, merkte schon seit geraumer Zeit, dass die führenden Frauenärzte zwar immer noch öffentlich die orale Hormonersatzbehandlung gegen alle neu aufgetauchten wissenschaftlichen Zweifel verteidigten, hinter vorgehaltener Hand ihren eigenen Frauen aber nur noch transdermale Präparate verabreichten.
Weshalb nicht den Wechseljahren ihren normalen Lauf lassen und abwarten, bis die störenden Symptome von alleine verschwinden? Auch hier tischt Privatdozent Dr. Römmler stichhaltige Argumente auf: «Wenn die Östrogene in den Wechseljahren unter normale Schwellenwerte sinken, treten als Erstes akute Entzugssymptome auf, erst später entwickeln sich degenerative Folgeerkrankungen. Ein asymptomatischer Zustand stellt eine trügerische Ruhe dar. Der Östrogenmangel besteht ja fort, er ist chronisch geworden, was fatale Auswirkungen auf den ganzen Organismus hat. Denn damit fehlt dem Körper ein wichtiger natürlicher Faktor zum Erhalt und zur Regeneration der Gewebe und ihrer Funktionen. Der altersbedingte Verfall kann sich verschlimmern, degenerative Beschwerden und Alterserkrankungen treten verstärkt auf. Dazu zählen äusserlich das Erschlaffen der Haut und ein geringeres Haarwachstum, innerlich die Trockenheit der Schleimhäute, der Abbau an Knorpel, Knochen und Bändern, das Schrumpfen von Organen, das Ansetzen von Fett, die Zunahme von Bluthochdruck, die Entwicklung einer Arteriosklerose mit Risikozunahme eines Herzinfarktes und Schlaganfalls, aber auch die Abnahme vieler emotionaler und geistiger Funktionen bis hin zur dramatischen Entwicklung einer Altersdemenz.»
Fakt ist: In den Wechseljahren steigt die Häufigkeit von Arztbesuchen und Selbstmedikation sowie der verordnete Medikamentenkonsum drastisch an. Rund ein Fünftel der Frauen benötigt- Beruhigungs- oder Schlafmittel sowie Psychopharmaka. Im weiteren Verlauf kommen noch viele Medikamente zur Bekämpfung von diversen Altersbeschwerden hinzu. Was heisst hier also «natürlich»?
«‹Natürliche› Wechseljahre sind behandlungsbedürftig», stellt Dr. Römmler klipp und klar fest. «Der altersbedingte Verfall durch Hormonmangel muss nicht mehr als unvermeidlich hingenommen werden. Die Beschwerden und Abbauvorgänge sind alles andere als gesund. Natürlich gilt auch in den Wechseljahren: Wer gesund lebt, sich vernünftig ernährt, viel Sport treibt und auf sein Gewicht achtet, tut schon sehr viel, um altersbedingten Beschwerden vorzubeugen. Das reicht aber nicht aus. Wer klug ist, wartet nicht, bis sich die Verschleisserscheinungen bemerkbar machen, sondern beugt rechtzeitig vor.»
«‹Endlich über den Wechsel hinweg› ist eine trügerische Ruhe. Deshalb ist es vernünftig, gleich zu Beginn der ersten Wechseljahrsymptome den Hormonmangel behandeln zu lassen und nicht zu warten, bis die daraus resultierenden Probleme therapiert werden müssen. Wenn die lästigen Entzugserscheinungen der Wechseljahre verschwunden sind, heisst das lediglich, dass der Körper sich dem Mangel angepasst hat und keinen Alarm mehr meldet – das Östrogendefizit besteht jedoch weiterhin. Viele Frauen begeben sich erst in ärztliche Betreuung, wenn organbezogene und meist schmerzhafte Symptome in Erscheinung treten. Damit wurden kostbare Jahre zur Prävention der Beschwerden vertan.» Der Münchner Gynäkologe warnt eindringlich vor jeglicher Ideologie: «Ein Östrogenmangel ist nicht mit den oft flüchtigen klimakterischen Beschwerden abgetan, die sich meist von alleine zurückbilden. Viel bedeutsamer sind die degenerativen Folgeerkrankungen. Diese gesundheitlich wichtigen Konsequenzen werden leider auch heute noch vielen Frauen nicht genannt. Die Wechseljahre und ihre Folgen sind weder erstrebenswert noch gesund.»
Die Liste der Vorteile einer richtig angewendeten und dosierten Hormonersatzbehandlung ist lang. Urogenitale Beschwerden wie trockene Schleimhäute oder Schmerzen beim Verkehr werden gebessert. Dasselbe gilt für trockene Augen, Mund und Rachen sowie arthrotische und arthritische Beschwerden. So ist nachgewiesen, dass durch eine Östrogengabe das Risiko für Hüftarthrose um fast 40 Prozent und am Knie um fast 60 Prozent gesenkt werden kann. Weitere Argumente sind eine Osteoporoseprävention mit massiver Senkung des Frakturrisikos, Schutz von Herz und Kreislauf, Verlangsamung von Hautalterung und Haarausfall, Risikoreduktion für Insulinresistenz, Diabetes, Schlafstörungen, Depressionen, Hörverlust und Altersdemenz. Kurz: Überall im Körper wird das altersbedingte Schrumpfen der Gewebe gebremst. Das gilt übrigens auch für die Abnahme der Muskelmasse und die Zunahme des Fettgewebes vor allem in den Problemzonen der Frau. Gemäss Dr. Römmler falle es den meisten Frauen mit einer transdermalen Hormonersatztherapie viel leichter, abzunehmen.
Zum Schluss kommt noch der Warnfinger. Dr. Römmler: «Nur mit einer exakten Hormonbestimmung kann festgestellt werden, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt und eine Substitution erforderlich ist. Hormone sollen nur dann verschrieben werden, wenn tatsächlich ein Mangel vorliegt. Die Dosierung muss individuell angepasst und immer wieder überprüft werden. Der behandelnde Arzt sollte viel Erfahrung haben und den aktuellen Stand der Hormonforschung kennen. Ohne Verlaufskontrollen sind Hormongaben gefährlich. Steigen zum Beispiel die Östrogenspiegel zu stark an, können Wassereinlagerungen erfolgen, so dass beispielsweise die Ringe nicht mehr an die Finger passen oder die Augenlider geschwollen sind. Häufig nimmt auch das Körpergewicht zu. Die Schilderung solcher Nebenwirkungen durch zu hohe Östrogenspiegel unter oraler Einnahme tragen dazu bei, dass viele betroffene Frauen eine Behandlung durch Hormone nicht in Betracht ziehen oder bald wieder absetzen.»








