LebenWechseljahre

Mit 60 noch Hormone?

Darf man im Alter noch Hormone nehmen? Prof. Martin Birkhäuser erklärt die Richtlinien.

Wie zeigt sich ein Östrogenmangel nach dem 60. Lebensjahr, wenn die Wechseljahre vorbei sind?

Typisch sind Veränderung von Haut- und Bindegewebe, der Knochen, also Osteoporose, des Knorpels und der Zwischenwirbelscheiben. Auch die Gefässalterung beschleunigt sich und die Leistungsfähigkeit des Gehirns kann abnehmen. Diese Beschwerden werden von der Lebensführung und den Genen massgeblich mitbestimmt und sind nicht nur Folge von Hormonveränderungen.

Wie verändert sich die Haut?

Das Hautbindegewebe wird nach der Abänderung weniger straff und dünner. Zudem wird weniger Gewebeflüssigkeit eingelagert, wobei die Hautalterung sehr stark von der Lebensführung abhängig ist. Am stärksten setzen der Haut Rauchen und die UV-Strahlen der Sonne zu.

Und was geschieht mit den Haaren?

Als Folge der Hormonveränderungen geht das typisch weibliche Behaarungsmustermit der Zeit verloren, was zuerst bei der Scham- und Achselbehaarung auffällt. Da sich mit den Wechseljahren das Gleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Hormonen zugunsten der männlichen verschiebt, kann es je nach Veranlagung zum Verlust der Kopfhaare und verstärkter Gesichtsbehaarung kommen.

Was passiert mit den Schleimhäuten von Mund, Augen und Scheide?

Bekannt ist, dass die Schleimhaut der Scheide dünner und unelastisch werden kann und dass sie weniger Sekret produziert. Das führt zum Gefühl der trockenen Scheide und zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Oft wird zu wenig beachtet, dass aber auch die Schleimhäute von Mund, Nase und Augen ähnliche Veränderungen durchmachen, was zu trockenen Augen und dem typischen Sandgefühl führen kann.

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Welche Probleme verursacht der Östrogenmangel in der Intimregion?

Auch die Blase und die Harnröhre reagieren wie die Scheide auf den Abfall der Östrogene. Die Folge ist eine vermehrte Anfälligkeit für Blasenentzündungen, vermehrter Harndrang und unfreiwilliges Wasserlassen.

Was kann eine über 60-jährige Frau dagegen tun?

Für die medizinisch begründete, niedrig dosierte Fortführung einer früh begonnenen Hormongabe gibt es keine Altersgrenze, wenn bei den regelmässigen ärztlichen Kontrollen keine Kontraindikationen zutage treten. Keine Altersgrenze gibt es auch bei der lokalen Gabe von Östrogenen. Anders ist das bei einem späten Beginn einer systemischen Hormongabe nach dem 60. Lebensjahr: Hier wird der Arzt oder die Ärztin sehr vorsichtig vorgehen und in jedem Einzelfall Nutzen und Risiko abwägen.Infrage kommt für solche Fälle eigentlich nur eine Östrogengabe via Haut in der niedrigst wirksamen Dosierung. Wenn die Gebärmutter noch vorhanden ist, muss auch nach 60 und bei niedriger Dosis dem Östrogen ein Gelbkörperhormon beigegeben werden. Die Risiken bei einer niedrig dosierten Östrogengabe durch die Haut sind deutlich geringer, als dies bei einer höher dosierten Tabletteneinnahme der Fall ist. Der Nutzen auf Knochen, Haut, Haare, Urogenitaltrakt, Psyche, Sexualität und Lebensqualität wird bei korrekter Indikation und massgeschneidertem Vorgehen mögliche Risiken für Brust, Gefässsystem und Gehirn übersteigen.

Drucken21.09.2009