LebenWechseljahre

Testosteron

Frauen kennen Wechseljahre. Nur Männer glauben, sie bleiben ewig jung. Ab 40 fällt das Testosteron.

Wann wird der Mann alt?

Jeder Mensch – ob Mann oder Frau – altert. Gedächtnis, Muskelkraft, Augen und Gehör, Beweglichkeit, Ausdauer – alles nimmt mit dem Älterwerden ab. Wie wir alle wissen, beginnt das Alter eigentlich schon mit der Geburt. Auffallend ist aber, dass es Männer gibt, die selbst in fortgeschrittenerem Alter noch fit und leistungsfähig sind, während die meisten anderen viel früher alt werden.

Gibt es beim Mann auch so etwas wie Wechseljahre?

Hormone bestimmen unser Leben. Beim Mann ist es das Testosteron. Im Gegensatz zu Frauen zeigen Männer nicht einen rapiden Abfall des Testosterons. Vielmehr kommt es ab dem 40. Lebensjahr zu einer steten Abnahme der Hormonwerte um etwa 1 Prozent pro Jahr. Damit steht fest: Männer haben keine eigentlichen Wechseljahre, aber der Hormonabfall ist programmiert und führt sanft, aber unweigerlich zu Ausfallserscheinungen.

Warum gibt es von Mann zu Mann so grosse Unterschiede?

Der bei jedem Mann ab 40 einsetzende Hormonabfall hat sehr individuelle Auswirkungen, weil die Ausgangslage sehr unterschiedlich sein kann: Männer mit von Natur her hohen Ausgangswerten von Testosteron werden erst spät Symptome bekommen, andere viel früher. Weil aber mindestens jeder dritte Mann über 60 bereits zu tiefe Werte hat, ist eine Hormonbestimmung ab 50 sehr zu empfehlen, auch wenn noch keine Zeichen für einen Mangel vorhanden sind. Leider werden nur gerade zwei Prozent von den Männern behandelt, die eine Testosteron- Ersatztherapie haben sollten.

Wie zeigt sich ein zu tiefes Testosteron?

Die Anzeichen eines Testosteronmangels sind vielfältig und machen sich nicht schlagartig bemerkbar. Besonders typisch ist die Abnahme der Libido, zunehmende Erektionsstörungen, abnehmende Muskelkraft, rascher Knochenschwund und schlechter werdendes Gedächtnis. Aber auch vermehrte traurige Verstimmungen, Gewichtszunahme und geringere Belastbarkeit sind diesem Mangel zuzuschreiben. Testosteron ist aber nicht nur für die Sexualität und den «Schwung» im Leben verantwortlich. Weil es eine zentrale Rolle im Hormongefüge hat, führt die Testosteron- Abnahme zu verstärkter Anfälligkeit für Diabetes und Depressionen und zu einem erhöhten Risiko für Alzheimer und Herzinfarkt. Es ist deshalb wichtig, bei Symptomen den Arzt aufzusuchen. Wichtigste Hinweise, die einen Mann zum Arzt führen sollten, sind Libidoabnahme und verminderte Leistungsfähigkeit.

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Für die Frau gibt es den Frauenarzt. Wer ist für den Mann zuständig?

Männer haben ein deutlich geringeres Gesundheitswissen, besuchen dreimal weniger den Arzt, betreiben kaum gesundheitliche Vorsorge, erkranken häufiger an Herz-Kreislauf-Leiden, betreiben Risikosportarten, rauchen und trinken mehr und leben im Durchschnitt sieben Jahre weniger lang als Frauen – wenn das keine Existenzberechtigung für eine Männerheilkunde ist. Und es gibt sie tatsächlich: die Andrologie – das Gegenstück zur Gynäkologie – beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Störungen der Fortpflanzung, der Hormone und dem Altern beim Mann.

Wie funktioniert eine Hormonersatzbehandlung beim Mann?

Eine Hormonersatzbehandlung sollte mit reinem Testosteron erfolgen, sie sollte den natürlichen Tagesrhythmus – morgens hoch/abends tief – berücksichtigen und sollte steuerbar sein. Alle diese Anforderungen erfüllen Testosteron-Gels am besten. Eine Anwendungsform der Zukunft wird ein Nasenspray sein oder auch Testosteronabkömmlinge, die gezielt einzelne Funktionen wie Muskelkraft oder Gedächtnis verbessern können.

Wie gross ist der Nutzen einer Testosteron- Behandlung?

Männer mit einer wirksamen Hormonersatzbehandlung leben nicht länger, sie leben besser. Lebensfreude, Unternehmenslust, Belastbarkeit, Muskelkraft und Freude an der gelebten Sexualität kehren zurück, wenn die Behandlung korrekt durchgeführt und überwacht wird. Dass das Herzinfarktrisiko sowie die Gefahr von Diabetes und Alzheimer kleiner werden, sind sehr wichtige Zusatzargumente für eine Hormonersatztherapie. Mehr als die Hälfte aller Männer ab 70 benötigen eigentlich eine solche Behandlung. Das muss hier nochmals betont werden. Doch diese Frage wird aus welchen Gründen auch immer weitgehend tabuisiert.

Hat das mit den Risiken einer Testosteron- Therapie zu tun?

Eine korrekt durchgeführte und überwachte Hormonersatzbehandlung geht mit keinerlei erhöhten Gesundheitsrisiken einher. Die alte Behauptung, eine Testosteron-Therapie erhöhe das Risiko für Prostatakrebs, konnte bisher mit keiner einzigen Studie belegt werden. Im Gegenteil: Männer mit tiefen Testosteron- Werten haben ein erhöhtes Risiko für eine sehr aggressive Form von Prostatakrebs. Der Nutzen einer Hormonersatzbehandlung für die Gesundheit der Männer, für deren Lebensfreude und sogar für die Volkswirtschaft ist sehr gross.

Drucken30.06.2009