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Macht Analsex inkontinent?

Ein 25-jähriger Leser aus Köln D fragt, ob man wegen regelmässigem Analverkehr inkontinent wird. Wir fragten einen Experten.

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Ist es tatsächlich so, dass jeder Mensch im Bereich des Anus unterschiedlich eng ist? Ich habe gehört, dass man mit der Zeit ausleiert, aber eine „Jungfrau“ noch sehr eng sei. Ist dem wirklich so oder hat die Häufigkeit von Analsex in keiner Weise etwas mit der Enge des Schliessmuskels zu tun? Ebenfalls würde mich interessieren, ob bei Analsex die Gefahr einer Inkontinenz oder Schlimmerem besteht, wenn man ihn einmal monatlich praktiziert – ohne irgendwelche Gegenstände.

Wir haben die Frage Dr. med. Dominik Mestel, Proktologe bei den Pallas Kliniken in Winterthur, weitergeleitet. Hier seine Antwort: Der Schliessmuskel ist ein sehr dehnbarer Muskel und kann – wie jeder andere Muskel auch – durch Dehnung und durch Training erweitert werden. Man kann also mit der Zeit erreichen, ihn ohne Schmerzen leichter zu penetrieren. Es ist ebenfalls richtig, dass jeder Mensch einen unterschiedlich engen Anus hat. Das hängt vor allem von der Stuhlkonsistenz ab. Geht man von einem ganz normalen, lehrbuchtauglichen Stuhlgang aus, bei dem geformter Stuhl in „Wurstform“ von einem Durchmesser zwischen 2,5 bis 4 Zentimeter ein- bis zwei Mal täglich abgesetzt wird, dann ist der Schliessmuskel meist elastisch genug, um einen durchschnittlich grossen Penis durchzulassen.

Schliessmuskel zieht sich von allein zusammen

Leidet jemand dauerhaft unter weichem Stuhl, der nur zwischen 0,5 bis 1,5 Zentimeter durchmisst, wird der Anus nicht täglich gedehnt und ist natürlich enger. Das Eindringen beim Geschlechtsverkehr ist dann häufig mit starken Schmerzen verbunden. Die Enge des Afters hat daher weniger etwas mit einer „Jungfrau“ zu tun als mit der täglichen Verdauung. Da der Schliessmuskel sich nach dem Stuhlgang und nach dem Analverkehr wieder ganz von allein zusammenzieht, ist auch von keiner Gefahr eines Ausleierns auszugehen. Ausleiern kann der Schliessmuskel, wenn er durch traumatischen Verkehr oder eindeutig zu grosse Gegenstände einreisst, was aber bei normalem Analverkehr eher nicht vorkommt. Während des Analverkehrs entspannt sich der Schliessmuskel zunehmend. Manche Menschen haben darum das Gefühl, dass er während des Aktes selbst ausleiern würde, was aber ganz normal ist – zumindest bei entspanntem Verkehr. Einige Minuten nach dem Verkehr ist der Schliessmuskel wieder genau so eng wie zuvor.

In Bezug auf den Schliessmuskel kann Analsex also ohne Sorge praktiziert werden, sofern beide Parteien diese Art von Sex einvernehmlich wollen, und man langsam und behutsam beginnt, bis der Schliessmuskel sich entspannt. Nur ein zu schnelles oder rabiates Eindringen ist mit starken Schmerzen verbunden, weil sich der Muskel reflektorisch verkrampft. Dann sind auch Verletzungen möglich. Wird Analsex hingegen mit Vorsicht, ohne Schmerzen und mit einem normal grossen Glied praktiziert, besteht im Allgemeinen keine Gefahr einer Inkontinenz.

 

Haemorrhoiden_Dr Dominik Mestel

 

 

Dr. med. Dominik Mestel

Med. Standortleiter Dermatologie Winterthur, Facharzt FMH für Dermatologie und Venerologie, Spez. Proktologie Haut + Venen

www.pallas-kliniken.ch