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Mit anderen Augen

Sehen konnte er nicht, operieren wollte er nicht. Christoph Geigers unglaubliche Fehltritte und das späte Happy End.

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Er lief gegen Bäume und Glastüren. Er verpasste beim Marathon den Sieg, weil er neben dem Ziel über die Absperrgitter stürzte. Er musste im Wald übernachten, weil er den Heimweg nicht mehr fand. Und eigentlich hätte Christoph Geiger, 75, aus dem Berner Seeland, gar nicht mehr alleine aus dem Haus gehen dürfen: So weit fortgeschritten war sein Grauer Star, so verschleiert war sein Blick.

Der begnadete Mathematiker arbeitete als Computerspezialist. Er schrieb komplizierteste Programme, die so perfekt waren, dass sie auf Anhieb funktionierten. «Wir hatten wahnsinnigen Stress in unserer Abteilung, ich arbeitete Tag und Nacht. Jahrelang. Bis ich zusammenklappte und unter dem Schreibtisch wieder zu mir kam. Ich war erst 39, als mir der Arzt sagte, ich solle zum Ausgleich etwas für meine Herzgesundheit tun. So begann ich mit Velofahren und Bergwandern, bis mich ein Kollege zum Laufen motivierte. Ich hatte solchen Spass daran und es fiel mir so leicht, dass ich abends bis tief in die Nacht trainierte.

Den ersten Marathon bestritt ich mit 52. Doch ich hatte ein Handicap: Meine Augen wurden nach und nach schlechter. Wie mein Vater litt auch ich an Grauem Star. Irgendjemand hatte mir damals gesagt, dass die Wirkung einer Operation nur zehn Jahre anhalte. Danach würde man sein Augenlicht komplett verlieren. Ich versuchte, das Schicksal ein wenig zu überlisten und einen Eingriff so lange wie möglich hinauszuzögern. Vorsorglich prägte ich mir schon mal alle Strassenverläufe meines Wohnortes ein und versuchte, mich mehr und mehr auch über das Gehör zu orientieren. Die Telefonnummern meiner Bekannten lernte ich auswendig, denn die Zifferntasten auf dem Handy würde ich auch dann noch bedienen können, wenn ich die Namen im Adressbuch längst nicht mehr sah.»

Ich dachte, Rüebli essen würde helfen

Die Zwischenfälle und Fehltritte häuften sich. Christoph Geiger wurde immer unsicherer. Zum Schluss konnte er kaum noch die Steuererklärung ausfüllen. «Ich dachte, mit Rüebli essen könne ich den Verlust des Augenlichtes bremsen. Zeitweise gab ich mich der Illusion hin, dass meine Sehfähigkeit sogar wieder ein wenig besser geworden sei. Aber das stimmte nicht: Nur die Displays und Monitore in den öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen waren besser geworden. Ich wusste: Jetzt war Matthäi am Letzten. Einen Alpenlauf wollte ich noch machen, doch auch hier liessen mich meine Augen im Stich. Trotz guter Kondition wurde ich Zweitletzter, weil ich mich verlief.»

Durch den Tipp eines Bekannten kam Christoph Geiger in die Pallas Klinik. Die Ärzte staunten, wie er überhaupt den Weg zu ihnen gefunden hatte, denn bei den nachfolgenden Messungen durch die trüben Linsen zeigten fast alle Geräte «Error» an. Nur mit Ultraschall gab es ein Resultat. Der Nebel im Auge hatte die Sehkraft auf ein einziges Prozent reduziert.

Über 100 Prozent nach fünf Wochen

Im Abstand von einer Woche wurden beide Augen behandelt. Trübe Linsen raus, glasklare Kunstlinsen rein. Die Eingriffe waren kurz. «Nach der ersten Operation hatte ich etwas Angst. Wird es ganz schlecht oder ganz gut sein? Ich war alleine und nahm den Verband nur zögerlich ab. Aufatmen, als es heller wurde. Immer mehr Licht schimmerte durch den Stoff. Die Ärzte hatten mich darauf hingewiesen, dass es ein paar Wochen brauche, bis die volle Sehkraft zurück sei. Aber selbst 60 Prozent nach wenigen Tagen waren für mich schon eine grosse Erlösung. Bei der Kontrolle fünf Wochen später hatte ich über 100 Prozent. Auf der Tafel zur Messung der Augenschärfe konnte ich jedes noch so kleine Element erkennen, vor der Operation nicht einmal die Tafel selber.»

Nach der Katarakt-Operation sieht Christoph Geiger die Welt mit anderen Augen. «Ich sehe das Sternenmeer am Nachthimmel, sehe die Wellen auf dem See, wenn sich das Wasser kräuselt. Ich sehe die kleinsten Blätter in den Bäumen, wie sie im Wind hin- und herschaukeln. Die Hausdächer sind keine graubraunen Flächen mehr, sondern bestehen aus Ziegeln. Wahnsinn! Und sogar die Ameisen am Boden wurden zu neuem Leben erweckt. Jetzt mache ich auch wieder voller Enthusiasmus bei jedem Lauf mit. Ich bin zwar nicht mehr der Schnellste, aber mit 75 Jahren oft der Älteste, der überhaupt ins Ziel kommt.»

Wie lange hält die Operation?

Patient Christoph Geiger war völlig verunsichert. Er glaubte, eine Katarakt-Operation liefere nur für zehn Jahre ein gutes Resultat. Prof. Heinrich Gerding vom Chefarztgremium der Pallas Kliniken klärt auf.

 «Eine Katarakt-Operation muss man in der Regel pro Auge nur einmal im Leben machen. Die implantierten Kunstlinsen bleiben normalerweise klar, und zwar für einen Zeitraum von 100 Jahren. Das heisst, dass auch eine bei einem Säugling implantierte Linse ein Leben lang hält. Früher hat es hingegen Linsen gegeben, die nach einigen Jahren wieder eingetrübt sind. Die Materialforscher haben aber herausfinden können, wie man solche sekundären Trübungen bei Linsenimplantationen vermeiden kann. Von sekundären Linsentrübungen ist aber ein sogenannter Nachstar zu unterscheiden. Der Nachstar ist ein häufiges Problem nach einer Katarakt-Operation. Dabei trübt nicht etwa die neue Linse ein, sondern die Linsenkapsel, was zu einer Sehverschlechterung führt. Ein Nachstar wird durch einen simplen, kleinen Eingriff mit dem Laser behoben. Danach sieht der Patient wieder vollkommen scharf und klar.»

GerdingKontakt und Information

Prof. Dr. med. Heinrich Gerding
Chefarzt, Facharzt FMH für Ophthalmologie, spez. Ophthalmochirurgie
Pallas Klinik Olten
Telefon 058 335 00 00
olten@pallas-kliniken.ch
www.pallas-kliniken.ch