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Patienten behandeln, nicht Röntgenbilder

Doctor and patient, isolated on white background

Dr. Christopher Zurschmiede erklärt, weshalb so viele Schmerzpatienten nicht korrekt abgeklärt und ungenügend behandelt werden.

Akute und chronische Schmerzen sind der häufigste Grund für Arztbesuche. Viele Ärzte tun sich aber immer noch schwer mit der korrekten Abklärung und Behandlung. Dabei wird immer nach dem gleichen stereotypen Schema vorgegangen; Schmerzmittel – häufig Kortison – oral oder ungezielt in die Muskulatur injiziert, wiederholte Physiotherapiesitzungen und jede Menge Röntgenuntersuchungen. Findet sich dann zufälligerweise zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall, wird als nächster Schritt nicht selten die Operation empfohlen. Glücklich darüber, den vermeintlichen Grund gefunden zu haben, bleiben alle anderen potenziellen Schmerzursachen unberücksichtigt. Oft geht vergessen, dass eine bildgebende Untersuchung der Wirbelsäule nur ein Hilfsmittel mit begrenzter Aussagekraft ist. Abnutzungserscheinungen verursachen nicht zwingend Schmerzen, umgekehrt kann der Betroffene trotz scheinbar einwandfreier Wirbelsäule unter starken Schmerzen leiden.

Experte Schmerz Polymedes_ArztDie Schwierigkeit der Schmerzdiagnostik liegt darin, dass eine schmerzverursachende Veränderung unterschiedliche Symptome hervorrufen kann, anderseits verschiedene Schmerzursachen das gleiche Schmerzbild imitieren können. Um dem «Chamäleon» Schmerz auf die Schliche zu kommen, braucht es mehr als nur Röntgenbilder oder Laboruntersuchungen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist ein diagnostisch korrektes Vorgehen. Am Anfang jeder Schmerzbeurteilung steht immer die ausführliche Befragung und manuelle Untersuchung des Patienten. Allfällig notwendige weitere Abklärungen wie Röntgenuntersuchungen, Labor oder eine Überweisung an andere Spezialisten ergeben sich dann aus der Beurteilung der Gesamtsituation.

Leider ist es immer noch üblich, Schmerzpatienten ohne eindeutig nachweisbare Veränderung als Simulanten abzustempeln oder in die Psychoecke zu stellen. Findet sich jedoch eine mögliche Schmerzursache, erfolgt der Griff zum Skalpell oft vorschnell. Eine Rückenoperation ist aber nur dringlich, wenn eine Nervenschädigung zu Taubheit, Lähmung oder gar Blasen- und Darmentleerungsstörungen führt. Meistens bleibt jedoch ausreichend Zeit für die eingehende Schmerzabklärung. Auch sind gezielte konservative und minimalinvasive Behandlungsverfahren oft erfolgreich, so dass eine Operation vermieden werden kann. In komplexen Fällen und erst recht vor einer nicht dringlichen Operation ist eine Zweitmeinung sinnvoll.

Die Erfahrung in unserer Schmerzpraxis zeigt, dass das «Chamäleon» Schmerz selbst Fachpersonen immer wieder in die Irre führen kann, und dass es wichtig ist, die Schmerzproblematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Unkritisch interpretierte Röntgenbilder können zu Fehldiagnosen und damit zu falschen Behandlungen führen. Die detaillierte, manchmal zeitraubende Befragung des Patienten, die problemorientierte körperliche Untersuchung sowie gezielte diagnostische Blocka­den mit der entsprechenden Verlaufsdoku­mentation sind wichtige Bausteine in der Schmerzanalyse. Nicht Bilder müssen behandelt werden, sondern Patienten.

Weitere Informationen: www.polymedes.ch

 

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