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Prostatakrebs-Test taugt nichts

Jeder Mann kennt den PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs. Das grosse Problem ist: Er schadet mehr als er nützt, wie eine grosse US-Studie nun endgültig beweist.

Male anatomy of human organs in x-ray view

In den 80er-Jahren wurde der Bluttest auf das Prostata-spezifische Antigen PSA als grosser Durchbruch bei der Diagnostik und Früherkennung von Prostata-Krebs gefeiert. Zweifel an der Zuverlässigkeit und am Sinn eines breiten Früherkennungs-Programmes wurden damals in den Wind geschlagen. Erstens ist der Test nicht spezifisch genug, zweitens produziert er viele falsche positive Ergebnisse, das heisst Fehlalarme. Und drittens bleiben gerade viele aggressiv verlaufende Krebserkrankungen mit dem PSA-Bluttest unentdeckt.

Untersuchungen und Häufigkeit ging in den letzten Jahren deutlich zurück

In letzter Zeit kam der Test massiv unter Beschuss. Führende Fachgremien in den USA und in Europa sprachen sich dezidiert gegen einen routinemässigen Einsatz des PSA-Tests zur Früherkennung aus, darunter auch das Swiss Medical Board. Die Wirkung dieser Abkehr von den bisherigen Empfehlungen blieb nicht aus, wie eine grosse US-Studie nun zeigt, die im renommierten Fachmagazin JAMA veröffentlicht wurde. Man staune: Nicht nur die Zahl der PSA-Untersuchungen ging in den letzten Jahren deutlich zurück, sondern parallel dazu auch die Häufigkeit von Prostatakrebs.

Am deutlichsten sank die Prostatakrebs-Inzidenz im Oktober 2011 nach dem Votum eines einflussreichen Expertengremiums gegen den Test. Dieses Votum löste damals ein breites Echo in den Medien und in der wissenschaftlichen Literatur aus. Andere Ursachen für den erstaunlichen Rückgang von Prostatakrebs schliessen die Studienleiter aus.

Krebsdiagnose bringt keinen Vorteil

Inzwischen macht sich in den meisten Ländern grosse Ernüchterung über den Einsatz des PSA-Tests breit. Nur noch die wenigsten Ärzte empfehlen ihn von sich aus, sondern führen ihn nur noch dann durch, wenn ein Mann unbedingt darauf besteht. Dabei ist aber eine genaue Aufklärung Pflicht. Denn die Fakten sind klar und sprechen alles andere als für den Test: Damit ein einziger Mann vor dem Tod durch Prostatakrebs bewahrt werden kann, müssen 37 Krebsfälle entdeckt werden. 36 der 37 Männer bringt die Krebsdiagnose keinen Vorteil. Im Gegenteil. Viele von ihnen werden durch die anschliessende Therapie inkontinent oder impotent. Fazit: Wer sich einem PSA-Test unterzieht, riskiert eine niederschmetternde Diagnose über einen Krebs, der ihm unter Umständen zeitlebens nichts hätte anhaben können und eine entsprechend unnötige Behandlung.