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Schilddrüsenknoten behandeln ohne Messer

Mit der Thermoablation können Schilddrüsenknoten jetzt effektiv, ohne operative Narben und ohne Allgemeinnarkose schonend behandelt werden.

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Sie sitzt im vorderen Halsbereich und hat die Form eines Schmetterlings, die Schilddrüse. In der Schilddrüse sind Knoten häufig. Bei einem Fünftel der Bevölkerung findet man einen oder mehrere solcher gutartigen Veränderungen. Krebs hingegen ist sehr selten und macht höchstens ein Prozent aller bösartigen Erkrankungen aus.

Je nach Grösse und Lage können sich Knoten unangenehm auswirken. Ein Gefühl wie bei einem Kloss im Hals, ein störendes Druckgefühl, Heiserkeit und Räusperzwang können die Folge sein. Oftmals sind die Knoten auch von aussen sichtbar und kosmetisch störend.

Ist eine Behandlung solcher Knoten angezeigt, werden sie meistens durch eine Operation entfernt. Wie jede Operation ist dies mit gewissen Risiken verbunden. Zudem bleiben nach einem operativen Eingriff stets mehr oder weniger auffällige Narben zurück. Und das an einer der sichtbarsten Regionen des Körpers.

Alternative zu Operation

Jetzt gibt es zur Operation eine Alternative. Die Thermoablation, das heisst die Verödung mit Hitze. Pionier in der Schweiz ist Prof. Dr. Oliver Dudeck, interventioneller Radiologe und Spezialist für bildgeführte minimal-invasive Behandlungen, der im Schilddrüsenzentrum der Klinik Hirslanden in Zürich die Thermoablation von Schilddrüsenknoten eingeführt hat.

Die Vorteile der Thermoablation sind bestechend: Keine Operation und somit praktisch keine sichtbaren Narben, keine Allgemeinnarkose und folglich keine mit der Narkose verbundenen Risiken. Der vergleichsweise kurze Eingriff ist sehr effektiv und sicher. Komplikationen wie zum Beispiel eine Stimmbandlähmung oder Infektionen sind extrem selten. Bisher gingen Schweizer Patienten, die ihre Schilddrüsenerkrankung mit Thermoablation behandeln lassen wollten, ins Ausland, vor allem nach Deutschland, wo sich diese Methode bereits etabliert hat und von den Krankenkassen anerkannt wird. Jetzt haben sie in der Schweiz erstmals eine Alternative.

Vor dem Eingriff

12 Monate später

Interview mit dem Experten, Prof. Dr. med. O. Dudeck

Weshalb haben so viele Menschen Schilddrüsenknoten?

Als Hauptursache wird immer noch Jodmangel angenommen, auch wenn die Jodversorgung mit jodiertem Speisesalz besser geworden ist. Die meisten Schilddrüsenknoten werden zufällig entdeckt, zum Beispiel bei einer Ultraschall-Untersuchung am Hals. Grössere Knoten können zu einer deutlichen Vergrösserung der Schilddrüse führen, der im Volksmund Kropf genannt wird, und ein kosmetisches Problem sein.

Wann sollte man gutartige Schilddrüsenknoten behandeln?

Eine Behandlung ist nur dann nötig, wenn die vergrösserte Schilddrüse zu Beschwerden führt, also beispielsweise die Luftröhre oder Speiseröhre einengt oder wenn der Patient unter Schluckstörungen oder einem starken Druckgefühl im Hals leidet. Auch bei einer starken Schilddrüsenüberfunktion raten Mediziner zu einem Eingriff. Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion können unter anderem Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, Ruhelosigkeit, ein beschleunigter Puls, Zittern, Durchfälle sowie übermässiges Schwitzen sein.

Wie funktioniert die Thermoablation?

Das erkrankte Gewebe wird durch Hitze zerstört, die mittels einer speziellen Nadel erzeugt wird. Vergleichbar mit einer Biopsie wird diese Nadel in örtlicher Betäubung unter Ultraschall-Kontrolle in den Schilddrüsenknoten platziert und für mehrere Minuten aktiviert. So entsteht im Bereich des Knotens Hitze, wodurch das erkrankte Gewebe zerstört und danach vom Körper abgebaut wird. In Studien konnte gezeigt werden, dass die Grösse der Schilddrüsenknoten nach der Thermoablation schon nach drei Monaten um 30 bis 50 Prozent abnimmt. Nach einem Jahr liegt die Volumenreduktion in der Regel bei 80 bis 90 Prozent.

Wie hat sich die Thermoablation bewährt?

Die Thermoablation ist eine attraktive Alternative zur Operation, die weltweit schon bei mehr als 10 000 Patienten durchgeführt wurde. Aufgrund der Vielzahl wissenschaftlicher Studien, welche die Wirksamkeit und die Sicherheit gut belegen, ist die Thermoablation in einer zunehmenden Anzahl von Ländern in die Behandlungsempfehlungen aufgenommen worden. Das ist in der Schweiz jedoch noch nicht der Fall.

Welche Untersuchungen bei Patienten mit Schilddrüsenknoten sind vor einer Thermoablation erforderlich?

Infrage kommen ausschliesslich Patienten mit Schilddrüsenknoten, bei denen kein Hinweis auf eine bösartige Erkrankung vorliegt. Dies wird per Feinnadelpunktion, Szintigrafie, Ultraschall und Doppler-Sonografie vorher ausgeschlossen.

Lassen sich auch sogenannte Rezidive behandeln, also Knoten, die trotz operativer Entfernung wieder zu wachsen beginnen?

Ja, eine vorausgegangene Operation an der Schilddrüse ist keine Limitation für eine Thermoablation. Im Gegensatz dazu geht eine Rezidiv-Operation aufgrund von Verwachsungen mit einem etwas erhöhten Risiko einer Stimmbandlähmung einher.

Mehr Informationen:

Schilddrüse 3 Dudeck ArztProf. Dr. med. O. Dudeck
Interventionelle Radiologie (zertifizierter interventioneller Radiologe der DeGIR), FMH Radiologie, Schwerpunktbezeichnung Neuroradiologie

Klinik Hirslanden, Witellikerstrasse 40, 8032 Zürich
Tel : 044 387 2935, oliver.dudeck@hirslanden.ch

www.hirslanden.ch
www.swissintervention.ch