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Seit fünf Jahren symptomfrei

Die Diagnose ein Schock, die Therapie ein Albtraum. Rosetta Berta aus Brissago stürmte zum Neurologen wie eine Hyäne. Zum Glück, wie sich heute zeigt.

Multiple Sklerose

Ich erzähle gerne von meinen Abenteuern mit der Multiplen Sklerose. Vielleicht klingt das etwas seltsam. Doch ich fasse es so auf und versuche, das Beste aus meiner Situation zu machen. Ich kann nicht genau sagen, wann die Krankheit angefangen hat. Darum beginne ich mit den Symptomen, die im Nachhinein wahrscheinlich die ersten Zeichen dieser so heimtückischen Krankheit waren.

Im Alter von 33 Jahren, im Jahr 2002, bekam ich mein erstes Kind. In jener Zeit litt ich an nächtlichem Kribbeln in den Armen. Ich dachte, das geht sicher wieder vorbei. Dem war aber nichts so. So fragte ich meinen Arzt. Er tippte auf ein Karpaltunnelsyndrom und schickte mich zur Sicherheit zum Neurologen. Er war gleicher Meinung und riet mir zu einer Operation. Da ich grosse Angst vor Nadeln, Operationen und ähnlichen Dingen habe, entschied ich mich zu warten.

Im Jahr 2005 wurde ich zum zweiten Mal Mutter. Weil die Symptome immer noch dieselben waren, willigte ich jetzt in die Operation ein. Eine Verbesserung trat jedoch nicht ein. Man sagte mir, ich hätte mit der Operation einfach zu lange gewartet und wahrscheinlich sei nun halt einfach der Nerv beschädigt.

Starke Übelkeit und Schwindel

Es vergingen ein paar Jahre. Im November 2011 machte ich zusammen mit meiner älteren Tochter einen einwöchigen Segelbootkurs. Da kam die Überraschung. Obwohl ich bereits öfters auf Booten und Schiffen und dabei nie seekrank war, fühlte ich mich auf dem Katamaran die ganze Woche wie auf einer Achterbahn, so stark litt ich an Übelkeit und Schwindel. Zu Hause erzählte ich das meinem Arzt, der mich zum Hals-Nasen-Ohrenarzt schickte und ein MRI verordnete. Obwohl die Symptome wieder verschwanden, machte ich die Checks.

Rosetta Berta

Das Resultat war schrecklich: Multiple Sklerose! Ich dachte zuerst an meine kleinen Mädchen und meine Familie. Was wird wohl aus ihnen? Kann ich noch für sie da sein und für sie sorgen? Der Neurologe verordnete mir Cortison. Noch heute frage ich mich, ob das wirklich notwendig war. Denn für meinen Körper war das eine Bombe. Der zweite Albtraum waren die Interferon-Spritzen. Jeden Freitag eine Injektion. Danach drei bis vier Tage die Symptome einer schweren Grippe. Anschliessend drei Tage scheinbare Ruhe – und wieder ein schreckliches Wochenende. Ich konnte das nur gerade drei Monate lang ertragen.

Keinerlei Nebenwirkungen mehr

An einem Montagmorgen rief ich meinen Neurologen an und stürmte in seine Arztpraxis wie eine Hyäne und sagte ihm direkt ins Gesicht: «Lieber Doktor, so geht das nicht! Ich kann mir unmöglich leisten, drei Tage pro Woche krank zu sein. Vielleicht verstehen Sie das nicht. Aber vorher fühlte ich mich gut, und jetzt bin ich krank, und zwar nur wegen diesen Medikamenten.» Zum Glück verstand er mich sofort und wechselte von den Spritzen auf die neuen Tabletten, die damals gerade auf den Markt kamen. Er meinte, es gebe naturgemäss noch keine Langzeitdaten. Aber die ersten Ergebnisse seien gut, und wir sollten es deshalb zusammen versuchen. Mit durchschlagendem Erfolg. Ich konnte es kaum glauben: Ich hatte keinerlei Nebenwirkungen mehr.

Ich habe beschlossen, mein Leben wieder zurückzunehmen

Die Tabletten nehme ich nun seit fünf Jahren, und ich kann sagen, dass ich in all diesen Jahren nie irgendwelche Symptome hatte, die auf einen Rückfall meiner Krankheit hinweisen würden. Die Multiple Sklerose verhält sich völlig ruhig. Deshalb habe ich beschlossen, mein Leben wieder ­zurückzunehmen. Sogar wenn es trotz allem einmal wieder schlimmer würde, kann ich es schaffen. Die Tatsache, dass ich nicht mehr unter Nebenwirkungen leide, hilft mir psychologisch und erleichtert mir das Leben enorm. So kann ich auch die für die MS typische Müdigkeit und Stimmungsschwankungen besser verarbeiten und ertragen.

Der Neurologe fragt mich oft, ob ich eine neue Magnetresonanz-Untersuchung machen lassen will. Ich habe immer nein gesagt. Ich fühle mich gut und habe keine Symptome. Auch wenn man im MRI neue Herde finden würde, könnte ich nicht mehr tun, als ich jetzt mache.

Trotz Krankheit geht es mir gut

Jetzt sind fünf Jahre seit der Diagnose vergangen. Ich kann sagen, dass es mir trotz der Krankheit gut geht. Ich reise sehr viel – vielleicht benutze ich die Krankheit sogar als Vorwand, um ganz viele Sachen zu machen. Ich sage mir immer, es ist besser, das jetzt zu tun, weil ich trotz allem nicht weiss, wie es weitergehen wird.

Unterstützung und Beratung

Haben Sie Fragen zur Multiplen Sklerose oder ­wünschen Sie eine Beratung? Die Schweizerische MS-Gesellschaft ist für Sie da.

Schweiz. MS-Gesellschaft, Tel. 043 444 43 43, info@multiplesklerose.ch

Beratung per MS-Infoline 0844 674 636, Montag bis Freitag 9 bis 13 Uhr