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So oft wie möglich barfuss

Legs walking

40 Prozent der Erwachsenen haben Fussbeschwerden. Doch nur die wenigsten tun etwas. Die Rheumaliga Schweiz klärt auf.

98 Prozent der Kinder kommen mit gesunden Füssen zur Welt. Aber vier von zehn Erwachsenen leiden an Fussbeschwerden. Viele Betroffene ignorieren jedoch wiederkehrende Symptome oder nehmen sie zu wenig wichtig. Was hat es mit den Füssen auf sich? Die Evolution formte den Menschen zum langbeinigen Dauerläufer. Die kräftige Achillessehne und die ausgeklügelte Gewölbekonstruktion des Fusses speichern viel Bewegungsenergie. Die massiven Fersenbeine dämpfen Stösse. Und die kurzen Zehen vereinfachen das Abrollen. Mehr noch als im aufrechten Gang lag in der Fähigkeit zum Dauerlaufen der entscheidende evolutionäre Vorteil des Menschen. Des barfüssigen Menschen, wohlgemerkt. Denn beim Barfussgehen empfangen die Füsse stimulierende Reize. Bodenunebenheiten gleichen sie aktiv aus. Das fördert die Sensibilität und kräftigt die Muskeln. Stecken die Füsse hingegen den ganzen Tag in Schuhen, beginnen die Muskeln und die Nervenendigungen im Fuss zu verkümmern.

Ein Blick auf die Anatomie des menschlichen Fusses offenbart ein längs und quer gewölbtes Wunderwerk aus 26 Knochen, 32 Gelenken, 31 Muskelgruppen sowie 107 Sehnen und Bändern. Die sich vom Grosszehengrundgelenk zur Ferse spannende Längswölbung empfängt ihre Stabilität massgeblich von den drei Keilbeinen. Diese keilförmigen Knochen ähneln nicht zufällig den Abschlusssteinen eines stabilen römischen Torbogens. Ein gesunder Fuss hat nur drei Auflagepunkte, dazwischen ist er gewölbt. Eine Wölbung läuft vom Grosszehenballen zur Ferse, eine weitere Wölbung erstreckt sich vom Kleinzehenballen zur Ferse. Schliesslich liegt noch zwischen dem Grosszehenballen und dem Kleinzehenballen eine dritte Wölbung.

Die meisten Fussschmerzen haben banale Ursachen. Sie gehen auf Über- und Fehlbelastungen zurück. Bei Sportlern, die dem Körper durch Sprünge, Schnelligkeit oder lange Trainings viel abfordern, kommen noch Abnützungserscheinungen hinzu. Zudem werden Erkrankungen der Füsse durch Fehlstellungen wie Spreizfuss, Knickfuss und Senkfuss begünstigt. Solche Fehlstellungen können Beschwerden in den Knien, den Hüften oder in der Wirbelsäule verursachen.

Entzündungen der Füsse – vor allem der Zehengelenke – sind meistens auf rheumatische Erkrankungen zurückzuführen, allen voran Gicht, rheumatoide Arthritis oder Psoriasis-Arthritis. Bei der Gicht führen Ablagerungen von Harnsäurekristallen zu starken Schmerzen, Schwellungen und Rötung vor allem des Grundgelenks der grossen Zehe. Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündliche Gelenkserkrankung. Ohne frühzeitige Behandlung kommt es häufig zu einem Spreiz-Senk-Fuss mit Zehenfehlstellungen. Die Psoriasis-Arthritis kann im Prinzip jedes Gelenk befallen. Am Fuss sind meistens einzelne Zehengelenke betroffen. Anzeichen sind gerötete und geschwollene Zehen, Veränderungen der Nägel sowie schuppende Hautflecken.

Die Achillessehne ist die dickste und stärkste Sehne im menschlichen Körper. Eine Erkrankung ist meistens auf eine Schädigung zurückzuführen. Über- und Fehlbelastungen können kleine Risse verursachen, die Schwellungen und Entzündungen zur Folge haben. Bei abgenützten Achillessehnen treten häufig Schleimbeutelentzündungen auf. Gefürchtet bei Sportlern ist das Ein- oder Durchreissen der Achillessehne, weil es das vorzeitige Ende einer Saison bedeutet. Ausserhalb des Profisports gilt der Achillessehnenriss als typische Grümpelturnier-Verletzung. Der Riss kann einen hörbaren Knall von sich geben und eine sichtbare Delle hinterlassen.

Über zehn Prozent der Bevölkerung haben einen Fersensporn, sind aber häufig beschwerdefrei. Dabei handelt es sich um einen dornförmigen Knochenauswuchs am Fersenbein, verbunden mit einer chronischen Entzündung des Ansatzes der Achillessehne oder der Sehnenplatte der Fusssohle. Ausgelöst wird die Bildung eines Fersensporns durch kleine Weichteilrisse, welche der Körper durch eine Verkalkung zu heilen versucht.

Vorfussschmerzen können ganz unterschiedliche Ursachen haben: Über- und Fehlbelastung, Spreizfuss, das heisst ein Einsinken des vorderen Quergewölbes, Übergewicht, Schuhe mit hohen Absätzen oder solche, die vorne zu eng sind. Eine übermäs­sige Verhornung des Vorfusses weist immer auf eine Druckfehlverteilung hin.

Der Hallux valgus ist eine degenerative Fehlstellung der grossen Zehe im Grundgelenk. Sie führt zwangsläufig zu einer chronischen Überbelastung der benachbarten Mittelfussknochen. Bei Schmerzen ist eine operative Begradigung der Schiefstellung möglich.

Die am weitesten verbreitete Deformation der Zehen ist die Hammerzehe. Diese Beugefehlstellung des Endgelenks einer Zehe kann ganz verschiedene Ursachen haben: Spreizfuss, rheumatoide Arthritis sowie ungeeignete Schuhe. Barfussgehen und Bewegungsübungen wirken präventiv oder können eine Verschlimmerung verhindern. Hammerzehen können operativ korrigiert werden.

Arthrosen der Sprunggelenke sind meistens Folge einer Arthritis oder gehen auf Unfälle zurück. Wenn herkömmliche Behandlungen wie Übungen, Tape-Verbände oder orthopädische Spezialschuhe keine Wirkung zeigen, kommt eine Operation in Frage, sei es ein Gelenkersatz oder eine Versteifung.

 

Tipps für gesunde Füsse

Der Fuss hat gleich viele Schweissdrüsen wie die Hand. Aber wie viel Mal häufiger pro Tag waschen Sie die Hände als die Füsse? Eine einfache Methode, die Füsse gleichzeitig zu reinigen und zu pflegen ist das Fussbad. Sie benötigen dazu nur einen Stuhl oder Hocker, ein sauberes Becken und Wasser. Fussbäder haben eine wohltuende Reizwirkung auf die Haut und auf den Kreislauf.

1. Temperatur

Warme Fussbäder wirken gefässerweiternd. Sie helfen bei kalten, schlecht durchbluteten Füssen. Geniessen Sie ein warmes Fussbad während 5 bis 20 Minuten. Empfohlene Temperatur: max. 37 ° Celsius.

Kalte Fussbäder verengen die Blutgefässe. Sie lindern Schmerzen, bremsen die Ausbreitung von Entzündungen und kühlen an einem heissen Sommertag den ganzen Körper. Weitere Formen sind Wechselbäder sowie temperaturansteigende Bäder.

2. Badezusätze

Geben Sie dem Fussbadewasser keine Seife zu. Deren alkalische Wirkung greift den Säureschutzmantel der Haut an. Achten Sie bei der Wahl des Badezusatzes auf die gewünschte Wirkung:

  • Gegen übermässigen Fussschweiss helfen Auszüge aus Salbei oder Eichenrinde.
  • Bei geschwollenen Füssen soll der Extrakt der Rosskastanie Linderung bringen.
  • Ein warmes Fussbad mit Rosmarinöl wirkt anregend bei kalten Füssen.
  • Gegen Stress und Stimmungstiefs soll Zitronenöl wirken.

3. Nach dem Bad

Trocken Sie die Füsse nach dem Bad sorgfältig ab, besonders gründlich zwischen den Zehen. Dabei können Sie die Füsse nach kleinen Rissen und Verletzungen absuchen. Sie steigern das körperliche Wohlbefinden, wenn Sie die Füsse nach dem Bad eincremen oder massieren.

4. Fussmassagen

Weitere Möglichkeiten, die Füsse zu verwöhnen, sind Fussmassagen. Das Spektrum reicht von der einfachen, kurzen Massage mit dem Igelball bis zur umfassenden Fussreflexzonenmassage.

5. Raus aus dem Schuh

Gehen Sie so oft wie möglich barfuss. Beim Barfussgehen wird der Fuss mit jedem Schritt stimuliert und muss Bodenunebenheiten aktiv ausgleichen. Das fördert die Eigenwahrnehmung und trainiert die Muskeln.

Verzichten Sie daheim auf Hausschuhe wann immer möglich. Gehen Sie barfuss oder in rutschfesten Socken. Gehen Sie auch draussen immer wieder barfuss, über eine Wiese, Sand, Kies, Steine. Achten Sie dabei auf Verletzungsgefahren wie Scherben.

Bei Kindern und Jugendlichen fördert das Barfussgehen die gesunde Entwicklung des Fusses; es entstehen weniger Spreiz- und Knick-Senk-Füsse. Aber auch ältere Menschen profitieren vom Barfussgehen. Einzig bei einer Schädigung der peripheren Nerven in den Beinen, zum Beispiel bei Diabetikern, ist vom Barfussgehen abzuraten.

6. Fitness für die Füsse

Mit spezifischen Übungen können Sie Ihre Füsse kräftigen, stabilisieren und Verletzungen vorbeugen. Einen praktischen Übungsplan bietet die neue, kostenlose Broschüre «Auf gesunden Füssen» der Rheumaliga Schweiz, Tel. 044 487 40 10, www.rheumaliga-shop.ch.

 

Tipps zum Schuhkauf

  • Gehen Sie nachmittags oder abends Schuhe kaufen, denn unsere Füsse dehnen sich im Laufe des Tages aus.
  • Achten Sie im Zehenraum auf eine Platzreserve von 1 Zentimeter.
  • Achten Sie auf eine stabile Sohle und auf eine stabile, hohe Fersenkappe.
  • Meiden Sie High Heels. Schauen Sie bei Pumps oder Stöckelschuhen auf eine Absatzhöhe von maximal 7 Zentimeter.
  • Orientieren Sie sich bei Laufschuhen nicht an Ihrer normalen Schuhgrösse, sondern kaufen Sie ein bis zwei Nummern grösser.
  • Bevorzugen Sie Schuhe aus natürlichen Materialien. Echtes Leder absorbiert die Feuchtigkeit und ist luftdurchlässig.
  • Meiden Sie Billigschuhe aus synthetischen Materialien. Sie führen zu einem sauerstoffarmen Fussklima, dem Nährboden für Fusspilz.