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Übers Sterben reden und doch lachen können

In der Familie Sauter Wäckerlig spricht man ganz offen über das ­Lebensende. Fragen zu Patientenverfügung und Vorsorgeauftrag geht man zusammen an, sogar mit einer gesunden Portion Humor.

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Seit einem Jahr liegt die Patientenverfügung, welche Dora Sauter vom Arzt erhalten hat in der Schublade. Schon lange will sie es machen. Den Anstoss, die Sache anzupacken, hat ihre Tochter Patricia gegeben. «Es ist wichtig, dass jemand Bescheid weiss, wenn etwas passiert», findet die Mutter. Für die Tochter war die Hüftoperation ihres Vaters Anlass, sich als Familie mit dem Thema auseinanderzusetzen. Vor sechs Wochen bestellte sie für sich und ihre Familie fünf Vorsorgemappen bei der Caritas. Ihr Mann hatte übers Internet recherchiert. Die Patien­tenverfügung der Caritas überzeugt ihn. «Es ist eine gute Variante. Bei den Fragen zu den medizinischen Massnahmen und zur Organspende kann ich ankreuzen, ob ich selber entscheide oder meine Angehörigen», sagt Urs Wäckerlig. Zum Glück sei die Operation des Vaters gut verlaufen und die Patientenverfügung habe er dann doch nicht benötigt, sagt die Tochter Patricia.

Patientenverfügung mit Angehörigen verhandeln

Die Angehörigen, so wird schnell klar, spielen eine zentrale Rolle. Sie sollen am Entscheidungsprozess teilnehmen. Was aber, wenn die Angehörigen und der Betroffene nicht gleicher Meinung sind? Das sei ganz schwierig, findet Nadia Sauter, die andere Tochter. Ihr Mann zum Beispiel wolle keine Organspende erhalten. Müsste sie in einem Notfall an seiner Stelle entscheiden, geriete sie in ein Dilemma. Denn einerseits wisse sie um seinen Willen und andererseits denke sie an ihre Kinder, die keinen Vater mehr haben würden. Urs Wäckerlig hat sich dazu schon viele Gedanken gemacht. Die Entlastung von Angehörigen ist für ihn ein wichtiges Thema.

Eine der grossen Fragen lautet, ob die Patientenverfügung mit den Angehörigen verhandelt werden soll oder nicht. Für ihn ist klar: Der Mensch sei ein soziales Wesen und müsse berücksichtigen, dass sich seine Entscheidungen auf andere auswirken. Es gehe nicht darum, sein Ego über alles andere zu stellen. Hingegen müssten auch nicht alle Wünsche der Angehörigen erfüllt werden. Aber man sollte darüber verhandeln können, welche Zugeständnisse man bereit sei einzugehen. Urs Wäckerlig weiss, wie er vorgehen will. «Zuerst möchte ich mir meine eigene Meinung bilden. Danach halte ich mit den Angehörigen Rücksprache. Ich will sicher sein, dass sie nicht total gegen meine Entscheidungen sind. Zuletzt schreibe ich alles in der Patientenverfügung nieder.» Seine Frau Patricia wirft lachend ein: «Wir werden eine lange Wanderung machen müssen, um all das zu besprechen!» Auch sie sucht den Austausch mit anderen und weiss, dass die Meinungsbildung ein Prozess ist, der Zeit braucht.

Familie Sauter Wäckerlig scheut sich nicht, über den Tod zu reden. Patricia Sauter Wäckerlig fragt: «Brauchen die Hinterbliebenen einen Grabstein, wo sie hingehen können, oder darf ich mir wünschen, in den Rhein gestreut zu werden?» Ihr Vater sagt, dass er nicht auf dem Friedhof liegen möchte. Und ihre Mutter fügt hinzu: «Auf dem Friedhof ist mir nicht wohl, mit all diesen schweren Steinen.»

Miteinander sprechen, wie man die letzten Dinge regeln möchte

Alle lachen für einen Augenblick bis Nadia Sauter sagt: «Für mich hat ein Friedhof etwas Feierliches. Es ist ein Ort, der auch von anderen Menschen aufgesucht wird. Dort ist man nicht alleine in seiner Trauer.» Und so wird diskutiert und gelacht bei Familie Sauter Wäckerlig. Sie haben viel miteinander darüber gesprochen, wie sie die letzten Dinge regeln möchten. Den richtigen Zeitpunkt, um für den Ernstfall vorzusorgen, kann man nicht auf ein bestimmtes Alter festsetzen, sind sie sich einig. Wenn der Ernstfall eintritt, ist es oft zu spät, weil in einem solchen Moment alle unter einer enormen Belastung stehen und es schwierig ist, Entscheidungen zu treffen. «Es jetzt zu tun, ist sehr erleichternd und zwischendurch auch heiter», meint Patri­cia Sauter Wäckerlig und alle pflichten bei. All jenen, die ihre Patientenverfügung in der Schublade verstaut haben, geben sie einen Tipp: «Habt den Mut, euch mit dem Sterben auseinanderzusetzen und lacht zwischendurch darüber, damit es leichter wird.» |

Die Caritas-Vorsorgemappe enthält

  • 1 Patientenverfügung
  • 1 Vorsorgeauftrag
  • 1 Wegleitung «Die letzten Dinge regeln»
  • 1 Leitfaden zum Testament

Sie kostet Fr. 28.– zzgl. Porto und Versand

Die Dokumente sind auch einzeln sowie auf ­Französisch und Italienisch erhältlich unter
www.caritas.ch

Gratis-Hotline bei Fragen: 0848 419 419