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Vorsicht, wenn die Finger kribbeln

Gerade aufgewacht, doch die Hand schläft weiter? Facharzt Dr. med. Peter Kurzen aus Langenthal sagt, warum man mit ­kribbelnden Fingern rasch zum Arzt sollte.

Man with pain in his hand

Wenn Sandra Müller am Morgen kurz nach dem Aufwachen auf dem Bettrand sitzt, schüttelt sie zuerst die linke Hand. Taub und dick fühlt sie sich an. Seit ein paar Monaten hat sie dieses komische Gefühl in den Fingern. Letzthin auch tagsüber, als sie am Nähen war und die Spitzen von Daumen und Zeigefinger den Faden einfach nicht durchs Nadelöhr brachten.

Dreieinhalb Finger betroffen

Dr. med. Peter Kurzen, Facharzt für Handchirurgie und Belegarzt bei der Pallas Klinik in Olten, ahnt, woran die Patientin leidet. «Wahrscheinlich ist es ein Karpaltunnelsyndrom. Man merkt es am Morgen gleich nach dem Aufwachen, und es betrifft ganz genau dreieinhalb Finger, nämlich den Daumen, den Zeigefinger, den Mittelfinger und die dem Mittelfinger zugewandte Hälfte des Ringfingers. Patienten berichten zwar häufig, dass die ganze Hand schläft, doch wenn man es genau anschaut, sind der kleine Finger und die untere Hälfte des Ringfingers nicht tangiert. Einige Betroffene können ihr Hemd oder ihre Bluse nicht mehr zuknöpfen, weil ihnen das Feingefühl fehlt. Andere spüren nicht mehr, wenn sie im Portemonnaie mit dem Finger die Münzen berühren.»

Bänder und Sehnen drücken auf Nerv

Wie kommt es zu derartigen Gefühlsstörungen? Dr. Kurzen: «Sehnen, Bänder und Nerven der Hand liegen auf der Höhe der Handwurzel gemeinsam in einem u-förmigen Kanal. Damit sie beim Bewegen nicht herausspringen, wird das U von einem Band aus Bindegewebe überdacht. Es entsteht ein röhrenartiger Durchgang, der sich Karpaltunnel nennt. Ist er zu eng, drücken Bänder und Sehnen auf den empfindlichen Nerv. Der Druck löst Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den besagten drei Fingern aus. Mehr noch: Wird der Nerv über lange Zeit gequetscht, erholt er sich nicht mehr und geht kaputt. Dann bleiben die Finger für immer gefühllos.»

Hormonsituation hat Einfluss

Ein Prozent der Bevölkerung pro Altersjahr bekommt irgendwann ein Karpaltunnelsyndrom. Je älter man wird, desto grösser ist das Risiko, denn Sehnen und Sehnenscheiden werden mit den Jahren dicker. Frauen sind häufiger betroffen, besonders während Schwangerschaften und nach den Wechseljahren. «Die Hormonsituation hat grossen Einfluss. Aber auch die Genetik. Junge, muskulöse Männer können schon Symptome haben. Sogar Kleinkinder. Mein jüngster Patient war dreieinhalb Jahre alt. Die Eltern hatten bemerkt, dass das Kind beim Spielen immer eine Hand vernachlässigte.»

Taubheit vor allem morgens

Warum tritt das Taubheitsgefühl vor allem morgens auf? Dr. Kurzen: «Im Tiefschlaf halten alle Menschen die Handgelenke gebeugt. Eine sehr ungünstige Position für den Nerv, wenn nicht genügend Platz ist. Manche Leute wachen sogar vor Schmerz auf. Je früher sie zum Arzt gehen, desto besser. Heilung bringt nur die Operation. Angst haben muss aber niemand. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten und ist völlig unblutig.» Wie wird genau operiert? «Ich durchtrenne das Band aus Bindegewebe und vergrössere so die Tunneldecke. Sehnen und Nerven bekommen den Platz, den sie brauchen. Die Beschwerden sind schlagartig behoben. Nach zwei Wochen ziehe ich die Fäden, nach vier bis fünf Wochen ist das Handgelenk wieder komplett stabil.»

Um sicher zu sein, dass die Gefühlsstörungen nicht Folge einer Engstelle im Halswirbel- bzw. im Schulterbereich sind, schickt Dr. Kurzen seine Patienten zuerst zum Neurologen. Nur wenn die Leitfähigkeit der Nerven an der Handwurzel eingeschränkt ist, handelt es sich um ein Karpaltunnelsyndrom.»

 

Dr. med. Peter Kurzen

Weitere Informationen

Haben auch Sie den Verdacht, unter einem Karpaltunnelsyndrom zu leiden? Dann sprechen Sie Ihren Arzt darauf an oder melden Sie sich bei Dr. med. Peter Kurzen. Er ist Facharzt für Handchirurgie.

Telefon 062 922 78 89
diehandpraxis@hin.ch
Talstrasse 6
4900 Langenthal

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