Der Kluge sorgt vor
Immer mehr Menschen leiden an einer Allergie. Daran sollte man schon bei der Berufswahl denken.
Rund 30 Prozent der Bevölkerung, Jugendliche eingeschlossen, haben eine atopische Veranlagung, das heisst, eine angeborene Eigenschaft, auf tierische und pfl anzliche Stoffe aus der Umwelt früher und häufi ger mit Überempfi ndlichkeiten, das heisst Sensibilisierungen und allergischen Erkrankungen zu reagieren als andere. Zu diesen Stoffen, den sogenannten Allergenen, zählen vor allem Pollen wie Blütenstaub und Hausstaubmilbenkot sowie Tierbestandteile und verschiedene Nahrungsmittel. Wiederholter Kontakt zu diesen Stoffen kann bei Atopikern nach verhältnis mässig kurzer Zeit zu Sensibilisierungen und später zu Erkrankungen wie allergischem Schnupfen, allergischer Bindehautentzündung sowie Asthma bronchiale führen. Zudem haben Atopiker oft eine empfi ndlichere Haut als Nichtatopiker, so dass sie auch ohne Einwirkung von Allergenen gehäuft an Ekzemen leiden. Der Fachausdruck dafür heisst atopisches Ekzem oder Neurodermitis.
Rund zwei Drittel der atopisch veranlagten Jugendlichen leiden beim Einstieg ins Berufsleben unter einer oder sogar mehreren allergischen Erkrankungen. Wählen AtopikerInnen einen Beruf, der zusätzliche Kontakte zu vorwiegend natürlichen Allergenen mit sich bringt, besteht ein erhöhtes Risiko für allergische Erkrankungen und Ekzeme. Bestehen derartige Krankheiten schon bei Lehrbeginn, ist die Chance gross, dass sie sich während der Berufsausbildung erheblich verschlimmern, so dass die Lehre aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen werden muss.
Am häufigsten ist Heuschnupfen. Betroffene Jugendliche sollten Berufe wählen, die möglichst trocken und frei von Belastungen mit allergisierenden Stäuben und Dämpfen sind. Solche Berufe sind vorwiegend im Elektronik-, Verwaltungs-, Handels- und Lehrbereich zu fi nden. Mit einem erheblichen Risiko verbunden sind dagegen Tätigkeiten wie BäckerIn, FloristIn, GärtnerIn, Tierpfl egerIn, LandwirtIn oder BiologielaborantIn. Die entsprechenden Allergenkontakte können allergischen Schnupfen mit Bindehautentzündung sowie Asthma bronchiale auslösen oder sie erheblich verschlimmern. Heuschnupfen- und Asthma-gefährdete Personen können dagegen ohne grösseres Risiko Autolackierer oder Schreiner werden, weil die verwendeten Stoffe nicht auf dieselbe Weise allergieauslösend wirken wie die pflanzlichen und tierischen Allergene, denen ein Bäcker oder Tierpfl eger ausgesetzt ist. Das gilt nicht, wenn schon bei Lehrbeginn ein manifestes Asthma vorhanden ist. Dann sollte auch von einer Lehre als Autolackierer oder Schreiner abgeraten werden. Ein Schulabgänger, eine Schulabgängerin mit Pollenasthma sollte darauf verzichten, den Bäckerberuf zu ergreifen. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass sich sonst die Erkrankung
wesentlich verschlechtert und ein Berufswechsel nötig wird. Asthmatiker sollten generell auf Berufe verzichten, bei denen Stäube, Gase und Dämpfe eingeatmet werden.
Auch sogenannte Feuchtberufe wie Coiffeuse, Koch, Käser, Metzger, gewisse Pfl egeberufe, Tätigkeiten im Hausdienst sind für Atopiker mit ihrer empfi ndlichen Haut weniger geeignet. Eine Schulabgängerin mit Neurodermitis sollte daher von einer Lehre als Coiffeuse oder Pfl egefachfrau absehen. Auch Berufe mit regelmässigen Kontakten zu Mineralölen, Schmierstoffen sowie Schmutz, die häufi ges Händereinigen erfordern, sind nicht zu empfehlen, besonders, wenn schon bei Lehrbeginn atopische Ekzeme bestehen.
Ist ein junger Mensch mit atopischer Veranlagung trotz allem entschlossen, an seinem Berufsziel festzuhalten, oder hat er bereits eine entsprechende Lehre begonnen, gibt es Möglichkeiten, Belastungen durch sensibilisierende Stoffe und Feuchtkontakte zu reduzieren. Präventives Verhalten trägt entscheidend dazu bei, das Risiko für eine solche Erkrankung zu vermindern oder den Ausbruch zu verzögern.
Wichtig ist, dass sich Jugendliche mit Heuschnupfen, allergischen Augenbindehautentzündungen, Asthma bronchiale und atopischen Ekzemen über ihren Wunschberuf Gedanken machen und nach Alternativen Ausschau halten. Informationen bieten Ärzte, andere Fachpersonen oder ein Flyer, den die Suva auf ihrer Homepage publiziert hat.








