Abnehmen ohne Hunger
Kann man das Hungerzentrum überlisten, ohne zu hungern? Ja, man kann!
Dr. David Infanger, Leitender Arzt an der Adipositas-Sprechstunde am StoffwechselZentrum Hirslanden in Zürich, verrät, wie es funktioniert.
Gibt es im Gehirn fürs Essen eine Kontrollinstanz?
Im Hypothalamus gibt es ein Sättigungs- und ein Hungerzentrum. Sie stehen eng miteinander in Verbindung und werden durch eine Vielzahl von Informationen aus dem Körper aktiviert oder gehemmt. Im Hungerzentrum regeln Neurohormone, allen voran das Serotonin, den Hunger. Im Sättigungszentrum verschiedene Sättigungshormone.
Ist es möglich, dass diese Zentren ausser Kontrolle geraten?
Leider ja. Typisch sind während einer Schwangerschaft auftretende Gelüste, die zu Essattacken führen können. Solche Gelüste werden hauptsächlich durch hormonelle Veränderungen verursacht. Es gibt noch viele andere Ursachen. So kann ein Serotoninmangel im Gehirn dazu führen, dass man mehr Appetit und Lust auf Kohlenhydrate und speziell auf Süsses verspürt. Auch gibt es viele Medikamente, die den Hunger steigern oder den Energieverbrauch senken können. All dies führt zu einem Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch. Überschüssige Nahrung, die weder durch Muskelarbeit, Wachstum, Wärmeabgabe oder Umbauvorgänge verbraucht wird, führt unweigerlich zur Anlage von Fettdepots.
Kann man die Kontrollinstanz im Gehirn überlisten um abzunehmen?
Nur bedingt. Indem man versucht, durch voluminöse aber energiearme Nahrungsmittel dem Hunger- und Sättigungszentrum eine reichhaltige Mahlzeit vorzutäuschen. Nahrungsmittel wie Fisch, Fleisch, Geflügel, Gemüse und Salat eignen sich dazu besonders. Kalorienreiche Getränke wie Alkohol, Fruchtsäfte und Süssgetränke sollten gemieden werden, weil alles Flüssige von unserem für die Steinzeit konstruierten Gehirn für Wasser gehalten wird, so dass diese Form der Kalorienzufuhr vom Gehirn kaum wahrgenommen wird und zu keiner Sättigung führt.
Gibt es Medikamente, welche diese Kontrollinstanz beeinflussen?
Das Einzige für die Übergewichtsbehandlung zugelassene Medikament, das auf diese Kontrollinstanz im Gehirn wirkt, ist Reductil. Es hemmt die Serotoninwiederaufnahme zwischen den Nervenendigungen im Gehirn, was zu vermehrtem Sättigungsgefühl führt. Auch scheint es einen günstigen Einfluss auf die Wärmeproduktion und damit auf den Energieverbrauch des Körpers zu haben. Auch Reductil ist jedoch kein Wundermittel, das eine Gewichtsreduktion von alleine macht. Nur mit einer gleichzeitigen Optimierung der Ess-, Trink und Bewegungsgewohnheiten lässt sich eine signifikante und vor allem auch dauerhafte Gewichtsreduktion erreichen.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Übergewicht?
Ja. Schlafmangel führt zu mehr Hunger und zu einer geringeren Sättigung. Bei Schlafmangel verspürt man mehr Lust, energiereiche, kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel zu essen. Zudem wird man unter Schlafmangel träger, was einen ungünstigen Effekt auf den Energieverbrauch hat. Eine Studie konnte zeigen, dass bei einer Schlafdauer von weniger als 4 Stunden die Gefahr übergewichtig zu werden um etwa 73% ansteigt, bei einer Schlafdauer von weniger als 6 Stunden beträgt diese Gefahr nur noch 23%.







