Pneumokokkenimpfung
Sie heissen Pneumokokken, und fast niemand kennt sie, obwohl sie sehr gefährlich sind.
Stellen Sie sich vor, ein Bakterium zwingt in der Schweiz Jahr für Jahr mehr als Tausend Menschen ins Bett oder, noch schlimmer, ins Krankenhaus, und rund 100 sterben an den Folgen. Dann kommt endlich eine Impfung. Aber praktisch keiner geht hin, um sich impfen zu lassen. Kaum zu glauben, aber leider wahr. Pneumokokken heissen die Erreger, die vor lauter Schweinegrippe kaum je Schlagzeilen machen. Dabei gäbe es allen Grund dazu. Pneumokokken gehören zu den gefährlichsten Bakterien für den Menschen weltweit. Sie verursachen rund die Hälfte aller Lungenentzündungen, wobei ältere Menschen, chronisch Kranke und Kinder besonders gefährdet sind. Für sie kann eine Lungenentzündung lebensbedrohlich werden. Aber auch ein Grossteil der bakteriellen Hirnhautund Mittelohrenentzündungen gehen auf das Konto der Pneumokokken.
In der Schweiz müssen jedes Jahr über 16 000 Patienten mit einer Pneumonie, rund 70 mit einer Hirnhautentzündung und über 6400 wegen einer Blutvergiftung ins Spital. Die Ursache vieler dieser Hospitalisationen sind Pneumokokkeninfektionen. Die Sterblichkeit bei einer Blutvergiftung ist trotz Antibiotika hoch, vor allem bei älteren Menschen und Patienten mit einem chronischen Grundleiden. Bei über 65jährigen und bei Kleinkindern unter zwei Jahren beträgt sie bis 30 Prozent. Überhaupt nimmt in der Schweiz die Zahl schwerwiegender Pneumokokkenerkrankungen ständig zu.
Ein grosses Problem ist nicht nur die hohe Sterblichkeit, sondern auch die auf der ganzen Welt rasch zunehmende Häufi gkeit und Verbreitung von Pneumokokken mit AntibiotikaResistenz. Angesichts dieser beträchtlichen Gefahr käme der Prävention von PneumokokkenInfektionen ein hoher Stellenwert zu. Die Ärzte warnen, dass schwer verlaufende PneumokokkenInfektionen in Zukunft noch viel häufi ger werden. Das wären alles gute Gründe, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen, zumal es einen wirksamen und sehr gut verträglichen Impfstoff gibt, der über 90 Prozent der Bakterientypen erfasst. Obwohl die Impfung vom Bundesamt für Gesundheit und der WHO seit Jahren dringend empfohlen wird, um Spitaleinweisungen und Todesfälle zu reduzieren, lassen sich nur gerade zwei Prozent der über 65jährigen Bevölkerung impfen. Eine PneumokokkenImpfung hingegen speziell bei Kindern unter zwei Jahren hat sich inzwischen durchgesetzt, nicht aber bei Personen über 65 Jahren, obwohl diese Gruppe auch einen Impfschutz benötigt.
Andere Länder nehmen das Problem der Pneumokokkenerkrankungen mit ihrer zunehmenden AntibiotikaResistenz viel ernster und führen die Impfung im Herbst gemeinsam mit der Grippeimpfung durch. Der Impfschutz setzt schon nach zwei Wochen ein und hält mindestens fünf Jahre an.
Es ist dringend notwendig, dass die Pneumokokkenimpfung stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung rückt und vor allem auch von den Ärzten aktiv empfohlen wird. Es ist unverständlich, dass nicht viel mehr getan wird, um die gefährdeten Personen aktiv zu schützen. Immerhin waren es Pneumokokken, die während der spanischen Grippe im letzten Jahrhundert für die Mehrheit der Todesfälle verantwortlich waren. Auch die tödlichen Krankheitsverläufe während der Schweinegrippeepidemie wurden zu einem grossen Teil durch Pneumokokken verursacht.
Sprechen Sie Ihren Arzt auf die Pneumokokkenimpfung an, wenn er es nicht von sich aus tut. Sie können sich das ganze Jahr impfen lassen.
Das Bundesamt für Gesundheit empfi ehlt die Pneumokokkenimpfung für Personen jeden Alters mit erhöhtem Risiko für eine Pneumokokkenerkrankung:
- Patienten mit chronischen Herz-Lungen- Krankheiten
- Diabetes mellitus des Erwachsenen
- Niereninsuffi zienz
- HIV-Infektion
- Fehlende oder funktionsuntüchtige Milz
- Immunsuppression
- Bestehendem oder geplantem Innenohr- Implantat
- Missbildungen der Schädelbasis
- Alle Kleinkinder bis zwei Jahre sowie Personen ab 65
Pneumokokken sind Bakterien, die schwere Infektionen verursachen. Bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Menschen und Personen mit chronischen Grundleiden können sie besonders gefährlich werden. Weltweit sterben pro Jahr etwa zwei Millionen Menschen an einer durch Pneumokokken verursachten Infektion. Trotz Antibiotika tritt die Hälfte dieser Todesfälle bereits innerhalb der ersten 48 Stunden ein.
Pneumokokken können zu ganz verschiedenen Krankheiten führen: Lungenentzündungen, Hirnhautentzündung, Mittelohrenentzündungen, Nasennebenhöhlen-Infektionen.








