VorsorgeSchlaf

Er gibts den Seinen im Schlaf

Die meisten Diabetiker leiden an unerkannter Schlafapnoe.

Das Schlafapnoe-Syndrom. Bis vor ein paar Jahren war diese Krankheit noch kaum ein Begriff. Jetzt zeigen neuste Studien übereinstimmend, wie dramatisch die Situation wirklich ist: Zwischen fünfzig und sechzig Prozent der übergewichtigen Diabetiker – und das sind die grosse Mehrheit – leiden an einer ernsthaften nächtlichen Atmungsstörung, ohne dass sie es wissen. Je grösser der Bauchumfang, desto häufiger und desto ernster ist die Erkrankung.

Schlafapnoe und Diabetes sind für die Gesundheit eine gefährliche Mischung. Meistens kommen noch Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte dazu. Kritischer Punkt ist die Insulinresistenz, also das verminderte Ansprechen des Organismus auf das körpereigene Insulin. Das erstaunt nicht, wenn man bedenkt, dass Menschen mit einer Schlafapnoe dutzende, oft sogar hunderte Male pro Nacht in Alarmsituationen geraten, in denen unablässig Stresshormone freigesetzt werden, welche den Stoffwechsel auf den Kopf stellen und zu Insulinresistenz und damit zu mangelnder Verwertung des Blutzuckers führen können. Resultat ist ein massiv erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Weil der Anteil der Diabetiker mit nicht diagnostizierter Schlafapnoe so extrem hoch ist, muss von jetzt an bei allen Diabetikern nach einer nächtlichen Atmungsstörung gefahndet werden, auch wenn keine ersichtlichen Symptome vorliegen. Eine schnelle Risikoerkennung ist heute mit einer einfachen, ambulanten Untersuchung möglich. Dem Patienten wird eine Nacht lang ein kleines Gerät zur Verfügung gestellt. Es zeichnet alle relevanten Daten über die Atmung auf. Schon am nächsten Morgen wird die Aufzeichnung am praxiseigenen PC vollautomatisch analysiert und interpretiert.

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Die nasale Überdruckbeatmung ist die wirksamste und anerkannteste Therapie der Schlafapnoe. Ein Gerät auf dem Nachttisch leitet über eine Atemmaske behutsam Luft in die Atemwege. Diese Luftsäule hält die oberen Atemwege offen und verhindert so den Atemstillstand. Sehr rasch kommt es zu einer spürbaren Verbesserung der Lebensqualität, oft schon nach der ersten Nacht. Und innerhalb kurzer Zeit vermindern sich Insulinresistenz und Bluthochdruck.

Wie rasch und effektiv die nasale Überdruckbeatmung ist, zeigen die neusten Studien nun zum ersten Mal. Innert weniger Tage kommt es zu einer deutlichen Reduktion der nächtlichen Blutzuckerschwankungen und damit zu einer besseren nächtlichen Blutzuckerkontrolle. Die Schwankungen sind eine direkte Folge des nächtlichen Sauerstoffabfalls im Gewebe, welche die ständigen Atemaussetzer nach sich ziehen. Über kurz oder lang sind die Blutzuckerschwankungen für die Blutgefässe der Ruin – sprich Arteriosklerose – mit Folgen wie Herzinfarkt und Hirnschlag.

Die Forderung für die medizinische Praxis ist klar: Die Abklärung und anschliessende Behandlung der Schlafapnoe müssen zu einem festen Bestandteil der Diabetestherapie werden. Die Untersuchung sämtlicher Diabetiker auf Schlafapnoe und die kontinuierliche nächtliche Beatmung gehören zu den effektivsten und sichersten Behandlungen, um Blutzucker und – das ist ganz wichtig – auch den Blutdruck zu senken.

Schlafapnoe und Diabetes

  • Die Zahl der Diabetiker wird sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln.
  • Schlafapnoe ist stark assoziiert mit Übergewicht, schwer einstellbarem Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.
  • Zwischen 5 und 15% der Bevölkerung leiden an Schlafapnoe.
  • Die meisten übergewichtigen Patienten mit Diabetes haben Schlafapnoe.
  • Die meisten Betroffenen wissen nichts von ihrer gefährlichen Krankheit.
  • Bei der obstruktiven Schlafapnoe kollabieren die oberen Atemwege, und es kommt zur Behinderung des Luftstroms oder sogar zu einem Totalverschluss.
  • Lautes Schnarchen und Atemstillstände von mehr als 10 Sekunden Dauer weisen auf diese folgenschwere Erkrankung hin.
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Drucken23.12.2009