VorsorgeSchlaf

Frühjahrsmüdigkeit

Gibt es sie, oder gibt es sie nicht? Die Forscher sind sich uneinig.

Wenn gegen Ende des Winters die Tage wieder länger werden, stellt sich ein merkwürdiges Phänomen ein, die Frühjahrsmüdigkeit. Während die Hälfte der Menschen durch das Licht, die Wärme und die erwachende Natur geradezu elektrisiert wird, fühlt sich die andere Hälfte schlapp und energielos oder klagt womöglich noch über Wetterfühligkeit, Kopfschmerzen und Schwindel.

Ob die Frühjahrsmüdigkeit tatsächlich existiert oder ob sie nur kollektive Einbildung ist, hat die Wissenschaft noch nicht abschließend geklärt. Das Phänomen gibt es ohnehin nur in höheren Breitengraden, wo sich Sommer und Winter hinsichtlich Temperatur und Tageslänge deutlich unterscheiden. Verdächtig ist auch, dass „spring fatigue“ im englischen Sprachraum kaum bekannt ist, der Frühling wird hier eher mit dem Gegenteil – „spring fever“ – in Verbindung gebracht. Auch in Frankreich und Spanien sind „fatigue de printemps“ und „astenia primaveral“ nicht gerade Volkskrankheiten: Höchstens fünf Prozent der Menschen leiden hier darunter, während es bei uns angeblich 50 Prozent sein sollen.

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Wenig erhärtet sind auch die Erklärungsversuche. Die einen machen Schwankungen der Hormone Melatonin und Serotonin für die Frühjahrsmüdigkeit verantwortlich. So richtig schlüssig ist diese Theorie jedoch nicht. Andere Wissenschaftler sprechen von einem verkappten Winterschlaf, einem sinnlosen Überbleibsel der Evolution. Neuere Forschungsergebnisse deuten in eine andere Richtung. Wissenschaftler der Universität Pittsburgh fanden heraus, dass Schlafmangel die Anfälligkeit für Erkältungen erhöht. Offenbar ist Schlaf wichtig, um die Immunabwehr zu regenerieren.

Ob auch die Frühjahrsmüdigkeit einen tieferen Sinn hat, bleibt allerdings weiter offen. Möglicherweise ist sie ja doch nur ein ziemlich deutschsprachiges Phänomen. Behandeln muss man sie ohnehin nur in den seltensten Fällen. Sie „heilt“ von selber, vorausgesetzt, wir stemmen uns nicht gegen die Signale unserer Körpers, sondern nehmen die Gefühle und Stimmungen, wie sie kommen.

Drucken10.03.2010