Achtung vor dem Montagmorgen
Rezepte gegen den Ablöscher zum Wochenstart.
Am meisten Unfälle passieren am Montagmorgen. Das zeigt eine Untersuchung der Suva. Man halte sich einmal folgende Zahlen vor Augen: 700 Berufsunfälle verzeichnet die Suva an einem Werktag. Die Spitze liegt am Vormittag zwischen 9 und 10 Uhr und am Nachmittag zwischen 14 und 15 Uhr. Die Unfallhäufi gkeit hängt aber nicht nur von der Tageszeit, sondern auch vom Wochentag ab. Besonders hoch ist das Unfallrisiko am Montagmorgen. Zwischen 6 und 10 Uhr geschehen im Vergleich zu den übrigen Werktagen deutlich mehr Berufsunfälle, zwischen 7 und 8 Uhr sogar um 40 Prozent mehr. Nicht nur bei der Arbeit, sondern auch zu Hause und auf dem Arbeitsweg ereignen sich am Montagmorgen besonders viele Unfälle.
Sind die ersten Arbeitsstunden am Montag noch überdurchschnittlich gefährlich, kommt es nach der Znünipause zu einer Erholung. Eine Erklärung für diesen Effekt hat der
deutsche Schlafforscher Prof. Jürgen Zulley vom Schlafmedizinischen Zentrum Regensburg. Er sieht den Grund in der Verschiebung der inneren Uhr, weil viele Menschen am Wochenende den Tag-Nacht-Rhythmus verändern. Somit stehen sie für ihre Verhältnisse am Montag zu früh auf. Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit sind noch nicht auf dem gewohnten Stand. Am besten könnte man diesen Montagseffekt vermeiden, indem man am Wochenende ungefähr zur gleichen Zeit schlafen geht und aufsteht wie unter der Woche. Weil sich dies wahrscheinlich nur schwer realisieren lässt, heisst das Rezept erhöhtes Risikobewusstsein zum Wochenstart.
Was ist zu tun? Die Montagmorgenstimmung beginnt im Kopf. Allein Sie entscheiden, wie Sie eine Situation in Ihrem Leben bewerten. Was wir erwarten, aber auch was wir befürchten, ziehen wir mit der Macht unserer Gedanken an. Das bringt der Volksmund treffend zum Ausdruck, wenn es heisst: «Mal den Teufel nicht an die Wand, sonst kommt er». Heute kann die Gehirnforschung die Kraft von Visionen nachweisen. Denken Sie nur an das, was Sie erleben wollen.
Jeder Tag ist ein wertvoller Teil Ihres Lebens. Verschwenden Sie deshalb keinen einzigen davon an schlechte Laune. Oft geht es schon am Sonntagabend los: eine unterschwellige Unruhe, vielleicht sogar eine leise Sorge, was die neue Woche bringen mag. Viele Menschen schlafen in der Nacht auf Montag schlechter. Und dann ist er da, der Montagmorgen, verbunden mit Müdigkeit, schlechter Laune und Hektik. Nicht umsonst werden Produkte, die Fehler haben, in der Umgangssprache als «Montagsware» bezeichnet.
Es gibt verschiedene, sehr wirksame Strategien gegen den Ablöscher zum Wochenstart. Leben Sie ganz bewusst den Augenblick, nicht mehr und nicht weniger. Leben Sie den Sonntagabend, ohne an den Montag zu denken. Und leben Sie genauso den Montagmorgen. Planen Sie bewusst etwas mehr
Zeit für den Montagmorgen ein, damit Sie ihn in Ruhe beginnen können. So, wie Sie einen Tag beginnen, so läuft er meistens ab. Kommt Hektik auf, kommen Sie später nur schwer in einen ruhigen, gleichmässigen Rhythmus.
Denken Sie sich ein Montagsritual aus. Ein kurzes Gedicht, ein Musikstück, ein schönes Bild, das zum Träumen einlädt, ein Gewürztee, ein exotisches Birchermüesli zum Zmorge. Denke Sie an etwas Positives: Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit? Sind Sie gerne mit Menschen zusammen, können Sie gut organisieren, sind kreativ? Lässt man Sie selbständig arbeiten? Kommen Sie viel rum oder arbeiten sogar an der frischen Luft? Jeder Job hat seine guten Seiten und gibt Bestätigung, Anerkennung und Selbstwertgefühl.
Wenn Sie diese Gedanken nicht positiv stimmen, sollten Sie prüfen, ob es Ihnen mit einer anderen Arbeit bessergehen würde. Suchen Sie einen Weg, der Sie dorthin führt. Wenn Sie zur Einsicht gelangen, dass es für einen Wechsel noch nicht der richtige Zeitpunkt ist oder der Weg dorthin zu mühsam ist, dann sagen Sie mit ganzem Herzen «Ja» zu dem, was Sie momentan tun. Wir können alles verändern, wenn wir nur wollen. Wir können einen neuen Beruf lernen, in eine andere Stadt ziehen oder in ein anderes Land gehen. Es gibt sicher viele Gründe, dies nicht anzupacken. Einer der wichtigsten Gründe ist die Angst vor Veränderungen, vor dem Verlassen der Komfortzone. Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann können Sie erst recht für Ihren Montagmorgen dankbar sein und dürfen alles so lassen, wie es ist.
Es gibt viele schöne und gute Dinge, die der Montagmorgen für Sie bereithält. Sie müssen nur die Augen offenhalten. Ein interessanter Auftrag, ein Mittagessen mit einem lieben Arbeitskollegen und so weiter. Planen Sie den Montagmorgen bewusst, und zwar schon am Freitag vor dem Wochenende? Klingt bünzlig, ist es aber nicht, sondern im Gegenteil. Ein paar Minuten am Freitag vor Arbeitsschluss genügen, um die kommende Woche zu planen. Den Effekt dieser vorausschauenden Haltung werden Sie sofort spüren. Keine bangen Gefühle am Wochenende, und vor allem kein Loch am Montagmorgen.








