Jeder Gerüstunfall ist einer zuviel
Jedes Jahr gibt es in der Schweiz 3000 Unfälle mit Gerüsten.
Adrian Bloch, Bereichsleiter Bau bei der Suva, appelliert an die Verantwortung aller.
Weshalb passieren so viele Unfälle mit Gerüsten?
Es ist weniger die Anzahl, sondern viel mehr die Schwere der Unfälle, die uns dazu bewogen hat, vor einem Jahr die Präventionskampagne «Sichere Arbeitsgerüste» zu lancieren. In der Schweiz ereignen sich jährlich ca. 50 000 Berufsunfälle auf Baustellen, davon rund 3 000 Gerüstunfälle. Die 50 000 Berufsunfälle verursachen direkte Unfallkosten von 500 Millionen Franken. Die 3 000 Gerüstunfälle kosten 80 Millionen. Ein Gerüstunfall ist somit 2,5 bis 3-mal teurer als ein durchschnittlicher Unfall auf dem Bau.
Wie ist der typische Unfallhergang?
Der Mensch bewegt sich auf zwei Beinen und ist daher anfällig auf Stolpern und Stürzen. Beim Gerüst kommt hinzu, dass die Arbeiten in der Höhe ausgeführt werden. Wenn das Gerüst nicht korrekt aufgebaut ist, kann dies zum Absturz führen. Damit ein Gerüst über die gesamte Nutzungsdauer sicher benutzt werden kann, genügt das sichere Errichten der Gerüste alleine nicht. Während der Nutzungsdauer wird es durch verschiedene Handwerker benutzt, die das Gerüst oft auch vorschriftswidrig abändern. So kommt es schon mal vor, dass ein Geländer demontiert und anschliessend nicht mehr montiert wird. Um das zu verhindern, muss der Gerüstbenutzer das Gerüst kontrollieren, bevor er mit seiner Arbeit beginnt. Sollte er Mängel feststellen, muss er sie der Bauleitung melden, die den Gerüstersteller aufbieten muss. Deshalb lautet die Dachbotschaft unserer Kampagne: Koordination bringt Sicherheit.
Welche Rolle spielt der enorme Zeit- und Kostendruck?
Indirekt lassen sich die Unternehmungen von der Bauleitung oft unter Druck setzen. Das heisst, dass sie Arbeiten an Arbeitsplätzen aufnehmen, obwohl die Vorschriften über die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz nicht eingehalten werden. Viele Unternehmer erhalten ihre Arbeiten von ein paar wenigen Auftraggebern. Weil sie auch in Zukunft auf diese Auftraggeber nicht verzichten wollen oder können, sind sie dann zu höheren Risiken bereit.
Vor einem Jahr startete die Suva die Kampagne «Sichere Arbeitsgerüste». Was hat die Kampagne gebracht?
Alle Unfälle, die sich im Jahr 2007 im Zusammenhang mit Gerüsten ereignet haben, wurden durch uns persönlich abgeklärt. Daraus haben wir eine grosse Anzahl Informationen erhalten. Zum Beispiel, welche Mitarbeitenden am häufi gsten verunfallen. Wir haben einen Sensibilisierungsfi lm produziert. Dieser kann zu Schulungszwecken verwendet werden. Ein wichtiges Kommunikationsinstrument ist aber auch unsere Zeitung zur Kampagne «Gut gerüstet». Sie erscheint alle drei Monate in einer Aufl age von 15 000 Exemplaren. Wir haben aber auch unsere Kontrollen auf den Baustellen intensiviert. Ende Februar wurden zudem drei Gerüstbauunternehmen als «Vorbildliche Unternehmung» ausgezeichnet. Weitere Informationen zur Kampagne fi nden sich unter http://www.suva.ch/gerueste








