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Wenn 15 000 Hühner aus voller Kehle singen

Haben Schweizer Freilandhühner wirklich genügend Auslauf? Und sind sie glücklich? Ein Augenschein bei Familie Charrière in Blessens im Kanton Freiburg.

Ei_Huehner aufmacher

Sie haben einen Wintergarten. Sie haben ein riesiges Stück Land von 4 Hektaren im Freien. Sie essen sechs Mal am Tag und bekommen regelmässig Besuch. Sie hören gerne Diskussionen am Radio und singen aus voller Kehle. Um fünf Uhr am Abend ist Lichterlöschen. Dann gehen sie alle zusammen schlafen. Die ganze Nacht ist es mucksmäuschenstill. Bis zur Tagwache um halb vier. Dann legen sie in aller Musse ihre Eier.

Tierschutz wird ernst genommen

Die 15 000 Hühner von Joël und Liska Charrière in Blessens im Kanton Freiburg haben es gut. Es sind Freilandhühner. 2,5 Quadratmeter Auslauf pro Huhn im Minimum sind vorgeschrieben. Alle 20 Meter muss etwas da sein, sei es ein Baum, ein Stein, ein alter Leiterwagen etc. Auch das ist Pflicht. Kontrolliert wird das im Auftrag der Mi­gros – sie ist der wichtigste Abnehmer der Eier – vom Schweizer Tierschutz. Vor einem Monat fand die letzte Kontrolle statt, unangemeldet. Die Prüfprotokolle zeigen es: Hier nimmt man Tierschutz ernst.

Auch auf die Gesundheit der Tiere achten die Charrières peinlichst genau. Wer den Betrieb betreten will, muss einen Mantel und eine Schutzhülle für die Schuhe überziehen sowie seine Hände desinfizieren, damit keine Keime eingeschleppt werden. Regelmässig werden bakteriologische Proben entnommen von den Eiern sowie vom Staub am Boden.

Nicht nur das Areal im Freien, auch der Hühnerstall sowie der angrenzende Wintergarten haben riesige Dimensionen. Ebenso riesig ist das Gegacker aus 15 000 Kehlen. Ein einziges, gigantisches Konzert. Eine Musik wie von einer anderen Welt. Zu Hunderten, ja zu Tausenden kommen sie aus allen Himmelsrichtungen dahergerannt, wenn man sich ihnen nähert. «Hühner sind intelligente, sensible und sehr gesellige Tiere», sagt Joël Charrières, 33. «Sie erkennen uns an der Stimme und sind an allem interessiert, was um sie herum geschieht. Sie bemerken die kleinste Veränderung im Tagesablauf und suchen Schutz im Stall, wenn etwas Ungewohntes passiert, zum Beispiel, wenn sich ein Flugzeug nähert.»

Freilandhaltung aus ethischen Gründen

Um alle Tiere am Abend aus dem Freilauf in den Stall zu begleiten, braucht es drei bis vier Personen. Neben einer Angestellten hilft auch Joëls Frau, eine gelernte Krankenschwester, seine Mutter und ab und zu sogar der Nachwuchs, der vierjährige Hugo und der zweijährige Mathieu. Die ganze Familie liebt die Tiere. «Wir könnten uns nie vorstellen, unsere Hühner den ganzen Tag einzusperren. Als wir vor zehn Jahren begonnen haben, war die Freilandhaltung erst im Kommen. Für uns war der Entscheid von Anfang an klar, und zwar aus ethischen Gründen, auch wenn die Investitionen und der Aufwand enorm sind.» Die Charrières nehmen es in Kauf, dass sie ihre Hühner keinen Tag allein lassen können. Allerhöchstens liegt ein Wochenende drin, Ferien über mehrere Tage am Stück nicht, obwohl die Mutter einspringt. «In der Schweiz haben wir zum Glück Familienbetriebe und keine Eierlegefabriken oder Käfighaltung wie im Ausland noch immer üblich, wo oft bis zu 200 000 Hühner auf engstem Raum zusammengepfercht werden. Wenn man einen solchen Betrieb hat wie wir, dann wird man gebraucht. Die Tiere verlassen sich auf uns. Wenn der Alarm auf meinem Handy klingelt, sei es, weil etwas mit der Futterabgabe oder der Ventilation nicht stimmt, dann müssen wir ran, egal, ob wir beim Nachtessen, an einem Konzert oder im Bett sind.»

95 Prozent Legequote

Die Hühner in Blessens belohnen diesen Einsatz. Stolze 95 Prozent beträgt ihre Quote. Das heisst, von 100 Hühnern legen 95 jeden Tag ein Ei. «Es ist das kompletteste Nahrungsmittel, das es gibt», sagt Joël Charrière. «Eier sind wunderbare Lieferanten von wertvollstem Eiweiss, essentiellen ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen.» Je zwei Eier essen die beiden pro Tag, meistens als Spiegelei am Abend. «Das Ei ist ein ganz natürliches, unverarbeitetes Nahrungsmittel. Es kommt genau so, wie es das Huhn gelegt hat, zum Konsumenten.»

Bleibt nur noch die Frage zu klären, weshalb die Hühner so gerne Diskussionen am Radio hören. «Unsere Hühner lieben menschliche Stimmen. Wenn wir an einem Ende in den Stall gehen, dann stellen wir ihnen am anderen Eingang einen Radio hin. So laufen sie an zwei Orte und verteilen sich.» 15 000 Hühner auf einmal um sich herum – das wäre sogar den Charrières zu viel.

Glückliche Hühner legen die besten Eier

In der Schweiz gibt es um die 2,5 Millionen Legehennen auf rund 500 Familienbetrieben. Die Schweizer Eierproduzenten legen grossen Wert auf artgerechte Tierhaltung und gentechfreies Futter. Die Schweizer Hühner bekommen viel Platz und bewegen sich frei im Stall. Sie sind das ganze Jahr an der frischen Luft, sei es im Wintergarten – in einem gedeckten, wettergeschützten Frischluftbereich mit Einstreue und Sandbad – oder auf der Weide.

Weitere Informationen: www.gallosuisse.ch

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