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Wenn der Fuss im Rücken schmerzt

Würden Ärzte die Füsse ihrer Patienten anschauen und richtig behandeln, löste sich so mancher Knie-, Hüft- und Rückenschmerz in Luft auf.

Close view of hiker boots, travel background.

Davon ist Dr. med. Sergio Rodriguez Miralles überzeugt. Er ist Spezialarzt für Allgemeine und Unfallchirurgie am Chirurgikum und Belegarzt an den Pallas Kliniken in Olten. Zu viele Patienten hat er gesehen, die wegen fehlerhafter Diagnosen falsch behandelt wurden. «Sie wurden mit Schmerzmedikamenten vollgestopft. Ihnen wurden Dutzende von Stunden Physiotherapie verschrieben. Und man hat sie zum Teil unnötig an Knie, Hüfte und Rücken operiert. Aber hat jemals ein Arzt die Füsse dieser Menschen angeschaut? In der überwiegenden Zahl der Fälle leider nicht.»

Laut Dr. Rodriguez Miralles ein grober Fehler. Der Unfallchirurg vergleicht den menschlichen Körper mit einem Hochhaus. «Liegt der Fehler im Keller, pflanzt er sich mit der Zeit Stockwerk für Stockwerk nach oben fort, macht Schäden, führt zu Instabilität. Bis irgendwann das ganze Gebäude in Mitleidenschaft gezogen wird. Wie auch beim Schiefen Turm von Pisa. Auf den Menschen übertragen: Wenn die Füsse schräg stehen, stimmt die Statik des Körpers nicht mehr. Dieser versucht zwar die Fehlbelastungen auszugleichen, doch genau das führt über die Jahre hinweg zu schmerzhaften Verkrampfungen an der Muskulatur, ohne dass spätere Schäden an Knochen und Knorpeln verhindert werden können.»

Mit Patient reden, seine Geschichte kennenlernen

Warum entdecken viele Ärzte die Ursachen solcher Fehlbelastungen nicht? Dr. Rodriguez Miralles: «Weil sie sich im Normalfall viel zu wenig Zeit nehmen für die Anamnese. Eine saubere Anamnese ist nicht in fünf Minuten aufgrund eines Röntgenbildes, einer MRI- oder CT-Untersuchung gemacht. Ich plädiere dafür, Menschen zu behandeln und keine Röntgenbilder. Auf einem Bild sieht der Arzt nur eine Ebene. Selbst wenn eine 3-D-Rekonstruktion der Bilder angefertigt wird: Viel wichtiger ist, dass der Arzt mit dem Patienten redet und seine Geschichte kennenlernt, denn eine korrekte Befragung zur Art der Beschwerden oder zum Unfallereignis liefert viele Informationen darüber, mit welcher Mechanik und unter welcher Kräfteeinwirkung der betroffene Körperteil verletzt wurde. Er muss ihn auch genau anschauen und abtasten, denn wo Rauch ist, ist irgendwo ein Feuer. Wenn der Patient zum Beispiel unter einer Hyperpronation der Füsse leidet – also einer Biegung der Füs­se nach innen – müssen die Ursachen im Fuss behoben werden. Es genügt nicht, die Symptome von Knie- und Rückenschmerzen zu behandeln. Stehen die Füsse falsch, verdreht sich mit der Zeit der ganze Körper. Die Folge sind Muskelverspannungen und einseitige Überbelastungen. Von der Lendenwirbelsäule bis in die Schulter- und Halsgegend hinauf. Sie können über eine Kettenreaktion sogar das Iliosakralgelenk angreifen, ja selbst Meniskusverletzungen haben ihren Ursprung nicht selten in einer Fehlstellung der Füsse.»

Dr. med. Sergio Rodriguez Miralles

Füsse ausmessen

Was wäre zu tun? «Die einfachste Lösung ist ein Rezept für Physiotherapie. Doch das führt in diesem Fall nicht zum Ziel. Der Arzt könnte auch ein Rezept für Schuheinlagen schreiben. Aber Vorsicht! Das ist nicht so einfach wie es klingt. Was glauben Sie, wie viele Patienten mit falschen Einlagen irgendwann zu mir kommen? 90 Prozent der Einlagen werden aufgrund ungenügender Messungen produziert. Solche Einlagen machen die Fehlstellung und die Schmerzen eher noch schlimmer. Darum sage ich: Der Arzt selber muss die Füsse ausmessen. Es braucht je eine Messung des Vorfusses und des Rückfusses, und zwar in verschiedenen Ebenen.»

Könnten hier auch chirurgische Eingriffe helfen? Dr. Rodriguez: «Selbst wenn ich gerne operiere: Chirurgie ist für mich immer nur die letzte Variante. Deswegen ist es umso wichtiger, nicht nur herauszufinden, was der Patient genau hat, sondern auch, welche Behandlung die besten Resultate bringt. Der Arzt muss erkennen, wie die Kräfte beim Patienten in verschiedenen Positionen und Lagen wirken. Das ist ein Zusammenspiel von Anatomie, Physik und Geometrie. Wenn er es richtig macht, kann er den Patienten von seinen Schmerzen an Rücken, Knie und Hüfte befreien, ohne irgendwelche Versteifungen zu machen oder Prothesen einsetzen zu müssen.»

Knie-, Hüft- und Rückenschmerzen haben ihre Ursache häufig in schräg stehenden Füssen. Jeder Schritt führt dann zu Schmerzen und Verspannungen.

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Dr. med. Sergio Rodriguez Miralles,
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