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Wieder zum Abheben bereit

Vom Spitzenruderer und Olympiateilnehmer zum Herzpatienten. Franz Rentsch schildert, wie schwerwiegend sich Herzinsuffizienz auswirkt und was die Wende brachte.

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Er war Spitzenruderer, unzählige Mal Schweizer Meister, nahm zweimal an Olympischen Spielen teil, erreichte die phänomenalen Ränge vier und sieben – und bezahlte dafür mit seinem Herzen. «Wir waren zwar immer Amateure, trainierten jedoch wie die Wilden, bis zu 40 Stunden pro Woche», erzählt der 73-jährige Maschineningenieur ETH Franz Rentsch. Er ist stattliche 196 Zentimeter gross und 96 Kilo schwer. «Ein grosses Herz und eine grosse Lunge habe ich schon immer gehabt, doch Probleme machte mir das bis zu meiner Pensionierung nie.»

Am Tiefpunkt angelangt

Anstatt in den Ruhestand zügelte er in den Kanton Thurgau, baute ein Bauernhaus um, bewirtschaftete Jahre lang eine Alp im Glarnerland, war in Alaska zum Blockhausbauen und Kanufahren und unternahm viele Bergtouren im In- und Ausland. Dann kam eine schmerzhafte Zäsur. «2006 begann mein Herz zu stottern, ich bekam Vorhofflimmern. Es nahm mir alle Energie. Sport konnte ich nicht mehr treiben. Überhaupt war ich körperlich sehr stark limitiert. Obwohl ich diverse Herzmedikamente bekam, hatte ich 2013 kurz vor Weihnachten einen kompletten Zusammenbruch: An diesem Tiefpunkt angelangt, schaffte ich nicht einmal mehr drei Treppenstufen hochzugehen. Wochen und Monate konnte ich nicht mehr schlafen. Das ging so weit, dass ich kurz vor Weihnachten als Notfall in die Klinik Hirslanden eingeliefert werden musste.» Prof. Georg Noll von der Heart Clinic Zurich behielt ihn gleich stationär, so schlecht stand es um seinen Patienten. «Die letzten Jahre waren so miserabel, dass ich meiner Frau öfter mal sagte, am besten wäre es, am nächsten Morgen gar nicht mehr aufzuwachen.»

Medikament und Katheterablation brachten Wende

Die Wende kam mit der zweimaligen Katheterablation 2014 und vor allem mit einem neuen Herzmedikament mit einem dualen Wirkprinzip. «Es ging mir von einem Moment auf den anderen schlagartig besser», erinnert sich Franz Rentsch. «Ich fühle mich inzwischen wieder so gut auf den Beinen, dass ich einen alten Traum verwirklichen kann, nämlich das Flugzeug fertig zu bauen, das seinen Projektstart in den 90er-Jahren hatte. Nein, kein Modellflugzeug, sondern einen richtig schnellen Zweisitzer mit 200 PS und Einziehfahrwerk. Im nächsten Frühjahr werden wir damit in die Luft gehen. Überhaupt kann ich mich wieder am Leben erfreuen. Das Essen schmeckt mir wieder, der Schlaf ist erholsam, die unerklärlichen, lästigen Schmerzen sind weg. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich, wenn ich bedenke, was ich mit meinem Herzen alles erlebt habe.»

Ein schwerwiegendes Leiden

Prof. Georg Noll

Eingeschränkte Lebenserwartung, schwere körperliche und psychische Symptome. Prof. Georg Noll von der Heart Clinic Zurich über Auswirkungen und Behandlung der Herzinsuffizienz.

Was war bei Franz Rentsch der Grund für die schwere Herzinsuffizienz?

Sein Vorhofflimmern führte zu einer massiven Verschlechterung der Pumpleistung der linken Herzkammer. Deshalb fühlte er sich körperlich und seelisch so schlecht. Eine massive Einbusse an Lebensqualität ist für Herzschwäche typisch. Die betroffenen Patienten leiden von morgens bis abends und haben oft überhaupt keine Energie mehr.

Wie ist der Zusammenhang mit dem Sportlerherz?

Unser Patient hat nach dem jahrzehntelangen Hochleistungssport ganz klar ein grosses Sportlerherz. Vorhofflimmern sehen wir in diesem Zusammenhang häufig. Neben einer Verschlechterung der Pumpfunktion mit all den beschriebenen Symptomen geht Vorhofflimmern immer auch mit einem massiv erhöhten Risiko für Hirnschlag einher. Deshalb benötigen die Patienten unbedingt eine wirksame Blutverdünnung.

Was sind die häufigsten Gründe für Herzinsuffizienz?

Durchgemachte Herzinfarkte, koronare Herzkrankheit, Herzklappen-Fehler, schlecht eingestellter Bluthochdruck und das Alter als solches.

Wie viele Menschen sind von Herzschwäche betroffen?

In der Schweiz leiden rund 200 000 Menschen an Herzinsuffizienz. Jedes Jahr sterben 10 000 an deren Folgen. Jeder fünfte Einwohner bekommt im Laufe seines Lebens einmal Herzinsuffizienz.

Was ist das für eine Therapie, die bei Franz Rentsch eine schlagartige Besserung brachte?

Es handelt sich um einen Zweifachwirkstoff, der das Herz in einem Ausmass entlastet, wie wir das bisher noch nie gesehen haben. Er führt zu einer massiven Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität der Betroffenen, erhöht zudem die Überlebenschance und senkt die Notwendigkeit von Klinikeinweisungen. Es handelt sich um den grössten Fortschritt der letzten zehn Jahre bei der Behandlung von Herzinsuffizienz.

Welche Bedeutung hat Sport in der Therapie von Herzinsuffizienz?

Menschen mit Herzschwäche sollten sich so oft wie möglich und so gut wie möglich bewegen. Richtig Sport können die wenigsten noch machen, aber im Alltag sollten sie unbedingt körperlich aktiv sein. Sonst bilden sich die Muskeln zurück, was die Situation und die Symptome nur noch mehr verschlechtert.