10 Dinge, die alle über Herzinsuffizienz wissen müssen

Jede vierte Person leidet früher oder später an einem schwachen Herz. Handelt man zu spät, sind die Aussichten schlecht. PD Dr. Andreas Flammer, Leiter des Bereiches Herzinsuffizienz, Klinik für Kardiologie, Universitäts­spital Zürich, sagt, was am wichtigsten ist.

Herzinsuffizienz Bild AdobeStock Urheber appledesign
Bild: AdobeStock, Urheber: appledesign

1. Mangelversorgung

Herzinsuffizienz liegt vor, wenn das Herz nicht mehr in der Lage ist, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Den Organen mangelt es dadurch an Sauerstoff und Nährstoffen. Auch kommt es zu einem Rückstau von Blut. Der ganze Körper wird in Mitleidenschaft gezogen.

2. Atemnot

Menschen mit Herzinsuffizienz leiden an Kurzatmigkeit und fühlen sich schneller körperlich erschöpft. Die Symptome beginnen oft schleichend und sind zunächst wenig alarmierend. Schreitet die Krankheit fort, treten die Symptome schon in Ruhe auf. Für die Herzinsuffizienz ist typisch, dass die Atemnot sich im Liegen verschlimmert, oft begleitet von Reizhusten. Dazu kommt häufiges Wasserlassen in der Nacht.

3. Ödeme

Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz klagen über generelle Müdigkeit und Abgeschlagenheit. In den Füssen, an den Knöcheln und am Schienbein, aber auch im Bauch können Wassereinlagerungen auftreten. Dies führt zu einer typischen Gewichtszunahme trotz Appetitlosigkeit.

4. Risikofaktoren

Grundsätzlich kann jeder Herzinsuffizienz bekommen. Im Schnitt trifft es jede vierte Person. Die grössten Risiken sind Bluthochdruck, vor allem, wenn er gar nicht oder schlecht behandelt wird, die koronare Herzerkrankung, erhöhtes Cholesterin sowie Rauchen.

5. Häufigkeit

In der Schweiz leiden circa 200 000 Menschen an Herzinsuffizienz. Jedes Jahr sterben 10 000 an den Folgen. Die Häufigkeit und die Schwere der Erkrankung werden unterschätzt.

6. Prognose

Herzinsuffizienz ist alles andere als harmlos. Sie ist auch keine unvermeidbare Alterserscheinung. Sie hat eine schlechtere Prognose als die meisten Krebserkrankungen. Das Risiko, innerhalb von fünf Jahren daran zu sterben, beträgt immer noch gegen 50 Prozent.

7. Therapie

Leider werden die Symptome oft fehlgedeutet. Dabei ist eine fachgerechte Therapie unabdingbar. Die Herzinsuffizienz verzeiht keine Behandlungsfehler. Bei Herzschwäche muss die Therapie so früh wie möglich begonnen und angepasst werden, idealerweise bevor ein grösserer Schaden entstanden ist. Sonst sind die Aussichten ungünstig.

8. Fortschritte

In den letzten Jahren gab es grosse Fortschritte in der Behandlung, sei das mit Medikamenten, Schrittmachern oder Kunstherzen, die das Überleben verlängern. Besonders in den letzten Monaten und Jahren sind weitere Medikamente verfügbar geworden, welche die Lebensqualität verbessern und die Sterblichkeit in einem Ausmass senken, wie das bisher nicht möglich war.

9. Sport

Viel Bewegung ist nicht nur zur Vorbeugung entscheidend, sondern auch zur Behandlung. Menschen mit Herzinsuffizienz, die regelmässig körperlich trainieren, leben nicht nur länger, sondern vor allem auch besser.

10. Selbstkontrolle

Wichtig bei Herzinsuffizienz ist die Selbstüberwachung durch tägliches Wiegen. Jeder Gewichtsanstieg ist verdächtig auf eine sich verschlechternde Herzfunktion und muss dem Arzt gemeldet werden. Unterbleibt dies, droht eine unter Umständen lebensgefährliche Entgleisung mit Spitaleinweisung.

Herz Dr Andreas Flammer
PD Dr. Andreas Flammer, Leiter des Bereiches Herzinsuffizienz, Klinik für Kardiologie, Universitäts­spital Zürich
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30.03.2020.

Kommentare sind geschlossen.