Warum ist der Graue Star überhaupt grau?
Es geht um die Lichtdurchlässigkeit der Linse im Auge. Sie wird mit zunehmendem Alter starr und trüb. So sehr, dass der Augenarzt im weit fortgeschrittenen Stadium hinter der Pupille eine graue Färbung erkennt. Im Fachjargon spricht man von einer Katarakt.
Was sind die ersten Symptome?
Meistens merken die Patienten nur, dass sie schlechter sehen. Beim Lesen oder beim Autofahren in der Dunkelheit zum Beispiel. Typisch ist ein blendender Streueffekt beim Blick in die Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge.
Dann reibt man sich die Augen und schon ist es wieder gut?
Im ersten Moment glaubt man das vielleicht. Aber die Katarakt kann man nicht wegreiben. Sie hat ja auch nichts mit der Tränenflüssigkeit zu tun, sondern ist eine Trübung im Auge selber. Ganz häufig wird sie bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Betroffene sind dann ganz überrascht.
Obwohl sie immer schlechter sehen?
Ja, sie sehen immer schlechter, merken es aber nicht. Die Linse trübt ja nicht von einem auf den anderen Tag ein. Es ist ein schleichender Prozess, der sich oft über viele Jahre hinzieht. In dieser Zeit gewöhnt man sich an den Sehverlust und merkt erst spät, dass man nicht mehr gut sieht. Nicht selten haben wir Patienten, die nur noch 30 Prozent sehen und keinen Verdacht hegen.
Wie schnell muss man regieren, wenn eine Katarakt entdeckt wird?
Falls die Sehschärfe noch nicht stark reduziert ist, ist es keine Notfallsituation, man hat genügend Zeit. Auch Zeit, sich die Klinik seines Vertrauens auszusuchen.
Kann man eine Katarakt mit Medikamenten behandeln?
Nein. Es gibt Studien mit Augentropfen, aber die Ergebnisse sind nicht gut. Stand heute hilft nur die Operation, also der Ersatz der trüben Linse.
Bei den Kunstlinsen gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Genau. Die Zufriedenheit des Patienten hängt ganz besonders von der Art der Linse ab. Wenn die trübe Linse ohnehin ersetzt werden muss, können wir auch gleich eine bestehende Fehlsichtigkeit korrigieren. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Nicht jeder Patient eignet sich für jede Art der Linse, sodass eine individuelle Entscheidung gemeinsam mit dem Patienten getroffen wird.
Welche Möglichkeiten gibt es?
Die einfachsten Intraokularlinsen sind die Monofokallinsen, sie haben nur einen Brennpunkt. Dann gibt es Kunstlinsen mit Sonderfunktion, zum Beispiel mit erweiterter Tiefenschärfe. Sie ermöglichen das Sehen in die Ferne und im mittleren Bereich. Etwas komplexer sind bifokale bzw. trifokale Linsen. Mit ihnen können wir gleichzeitig zwei bzw. drei Brennpunkte abbilden.
Verträgt das jeder Patient?
Ich muss im Gespräch herausfinden, welche Erwartungen die Patientin oder der Patient hat, ob sie oder er mit der einen oder anderen Kunstlinse besser klarkommt und ob mögliche Nebenwirkungen akzeptiert werden können. Ich habe in 30 Jahren rund 50 000 Katarakte operiert und betrachte immer noch jeden Patienten als einzigartig und versuche, die Behandlung entsprechend zu gestalten. Manchmal muss ich aus Erfahrung von der Wunschlinse abraten.
Welche Rolle spielt KI bei der Wahl der richtigen Kunstlinse?
Die künstliche Intelligenz kann rein technisch helfen, aber sie kann die Persönlichkeit des Patienten nicht erfassen. Sie kann auch nicht zwischen den Zeilen lesen bzw. nicht den Tonfall des Betroffenen wahrnehmen. Der Augenarzt bleibt der wichtigste Faktor. Es braucht neben präzisen Messungen und Fachkompetenz auch sein Gefühl und seine Intuition. Gerade wenn es um die Intraokularlinsen mit Sonderfunktion geht.
Wie läuft eine Katarakt-Operation ab?
Sie beginnt mit der Anästhesie. Wir gehen durch einen kleinen chirurgischen Schnitt ins Auge hinein und öffnen die Linsenkapsel vorne manuell mit einer Pinzette oder wahlweise mit dem Femtosekundenlaser. Die trübe und hart gewordene Linse wird zerkleinert und abgesaugt. Anschliessend bringen wir die neue, faltbare Linse durch einen kleinen, selbstabdichtenden Schnitt ins Auge. Nach dem Eingriff kann man gleich nach Hause gehen.
Weitere Infos zur Operation Grauer Star
Wie schnell erholt man sich?
Meistens sieht man schon am nächsten Tag deutlich besser. Das Fremdkörpergefühl im Auge lässt in wenigen Tagen nach.
Soll man beide Augen gleichzeitig operieren lassen?
Wir raten davon ab und machen es nur in seltenen Fällen.
Wem empfehlen Sie einen Augen-Check?
Jedem ab 50. Dabei habe ich nicht nur den Grauen Star, sondern den Augendruck im Visier. Ein zu hoher Augendruck beschädigt den Sehnerv irreparabel. Das nennt sich dann Grüner Star. Es gibt nur einen einzigen Fall, bei dem auch der Graue Star gefährlich werden kann, nämlich wenn er überreif ist. Die Linse kann platzen und das Auge erblinden. Übrigens, nach einer Katarakt-Operation sinkt der Augendruck – ein positiver Nebeneffekt.
Kontakt und Termin Augen-Check:
Pallas Kliniken AG
Dr. med. Tamer Tandogan
www.pallas-kliniken.ch,
Telefon 058 335 00 00
Die Pallas Kliniken gibt es 17 Mal in der Schweiz.
