Alle Jahre wieder – oh du mühselige Weihnachtszeit!

Ausgerechnet in der Weihnachtszeit haben viele Paare Streit. Henri Guttmann, Paartherapeut Winterthur, über zu hohe Erwartungen an das Fest der Liebe und die besten Vorkehrungen für friedliche Feststage.

Weihnachten Streit

Es soll das Fest der Liebe und der Zeit der Besinnlichkeit und Harmonie sein. Doch die Weihnachtszeit ist eine gefühlsintensive Zeit, in der die Emotionen höher oder tiefer fliegen als sonst. Nicht selten erlebe ich, dass Menschen in dieser Jahreszeit wegen scheinbar kleinsten Alltäglichkeiten in Tränen ausbrechen. In der Vorweihnachtszeit vollzieht sich ja schon vom christlichen Hintergrund her eine Art Spannungsaufbau. Diese Zeit ist mit Erwartungen ans glücklich sein komplett überladen. Insbesondere weil erwartet wird, dass wir andere glücklich machen. Und auch wir selber wollen Glückseligkeit erfahren im harmonischen Zusammensein mit unseren Liebsten.

In der Weihnachtszeit haben Paartherapeuten Hochsaison. Aber warum wird eigentlich zur Weihnachtszeit so viel mehr gestritten als im restlichen Jahr?  Weil übersteigerte Wunschvorstellungen vom harmonischen Familienleben auf eine enttäuschende Wirklichkeit treffen – und das gepaart mit Geschenke- und Kochstress. Während im Alltag sich Nähe und Distanz einigermassen im Gleichgewicht befinden, sind die Feiertage oft überladen mit zu viel endlosem „gemütlichem Zusammensein“, oft verbunden mit reichlichem Alkoholgenuss.  Dadurch entsteht auch bedeutend mehr Zeit zum Streiten. Auf einer Stress-Skala, welche die häufigsten stressauslösenden Ereignisse auflistet, rangiert Weihnachten auf Platz 12, vergleichbar mit dem Stress, die eine Gerichtsverhandlung wegen einer Übertretung im Strassenverkehr auslöst.

Die häufigsten Streitthemen bei Paaren sind:

  • Das Verhalten von Verwandten
  • Wo und mit wem die Feiertage verbracht werden sollen
  • Geschenkauswahl für Freunde und Patenkinder
  • Koordination der Besuchstermine
  • Wer die Geschenke einkauft und einpackt
  • Unterschiedliche Vorstellungen weihnächtlicher Familientraditionen
  • Darüber, dass sich einer der Partner zu wenig in die Vorbereitungen einbringt
  • Grösse/Preis und Gestaltung des Tannenbaums

Absolut verhindern lässt sich Streit an Weihnachten selten. Ein paar Tipps können Ihnen aber helfen, das Streitpotential zu minimieren.

Henri Guttmann

Keine Perfektion bitte

Gut ist besser als perfekt – es genügt durchaus, ein ausreichend guter Gastgeber zu sein.  Besprechen Sie möglichst frühzeitig und sachlich mit dem Partner und einigen Sie sich auf einen fairen Kompromiss, wer was übernehmen soll beim Einkaufen, Kochen und Tischdecken usw. Etwas Einfaches kochen schafft Zeit fürs Zusammensein und entspannt.

Lernen Sie nein sagen

Wenn wir in der Weihnachtszeit entschleunigen möchten, müssen wir in diesen Tagen mehr denn je nein sagen können. Sagen Sie einfach mal nein, wenn Sie merken, dass Ihnen ein Besuch bei entfernten Bekannten oder Verwandten zu viel ist. Vereinbaren Sie mit Ihrem Partner Zeiten, in denen sich jeder zurückziehen darf. Fühlen Sich nicht verpflichtet, nur der Tradition zu liebe Dinge zu tun, die Sie gar nicht (mehr) möchten. Nein sagen befreit ungemein und alle lieben Sie trotzdem. Denn zu wenig Freiraum an den Feiertagen ist oft Gift für die Liebe.

Kompromisse erleichtern die Weihnachtszeit

Seien Sie kompromissbereit. Er bekommt dieses Jahr seine geliebten roten Weihnachtskugeln, dafür dürfen Sie mit ihrem geliebten Fondue Chinoise die Gäste verwöhnen. Im kommenden Jahr werden die Karten wieder neu gemischt. Denken Sie daran, verhandelnde Paare lieben länger.

Stopp – Gelbe Karte

Keine aussichtslosen Grundsatzdiskussionen! Auch wenn Alkohol und viel Zeit es begünstigen: Halten Sie sich zurück und vermeiden Sie heisse Diskussionsthemen, die aus Erfahrung ganz sicher zu Streit führen. Wieso vor der Schwiegermutter über den Papst lästern, wieso mit Onkel Hans über die zu teure Privatschule der Tochter diskutieren, wenn schon vorher klar ist, dass dieses Gespräch mit einem Riesenkrach endet. Hier hat sich das Modell „Stopp, gelbe Karte!“ bestens bewährt. Alle Anwesenden dürfen „Stopp, gelbe Karte!“ sagen. Und dann soll das Gesprächsthema gewechselt werden.

Endlich Freizeit und trotzdem kein Sex

Nehmen Sie sich die Zeit, wenn die Gäste wieder auf dem Heimweg sind, um einander präsent und nah zu sein. Wenn die Liebe auf körperlicher Ebene ein wenig eingeschlafen ist, geniessen Sie mit Ihrem/Ihrer Liebsten Nähe – auch ohne Sex. Schenken Sie sich gegenseitig liebevoll eine angenehme Fussmassage und reden und hören Sie sich zu, machen Sie zusammen Ferienpläne. Wenn Sie Ihre Intimität leben, entsteht Nähe, und die Lust auf die Lust kommt wie von selbst.

www.henri-guttmann.ch

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30.12.2017. Setzte ein Lesezeichen permalink.

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