Angst nach einer Herz-OP ist normal

PD Dr. phil. Mary Princip, www.praxis-maryprincip.ch

Warum kommen Herzpatienten zu ­Ihnen in die Sprechstunde?

Viele meiner Patientinnen und Patienten kommen zu mir, weil die Herzerkrankung ihr Leben stark verändert hat. Oft nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Viele berichten von Stress, Ängsten oder depressiven Verstimmungen, die sich nach einem Herzereignis verstärkt haben oder erst dadurch entstanden sind. Manche leiden an Schlafstörungen, fühlen sich dünnhäutig, überfordert oder haben Schwierigkeiten, im Beruf oder in der Familie wieder ihren Platz zu finden.

Was hilft gegen Ängste nach einer Erkrankung?

Es geht vor allem darum, die Krankheit in die eigene Identität einbetten zu können und so einen Umgang mit Ängsten und Sorgen zu finden. Der Körper hat ein ernstes Ereignis erlebt, und viele Betroffene spüren zunächst Unsicherheit: «Hält mein Herz das aus?» oder «Was, wenn es wieder passiert?» Diese Angst ist verständlich und in gewissem Mass sogar hilfreich. Sie erinnert uns daran, achtsam und selbstfürsorglich mit uns umzugehen. Problematisch wird sie erst, wenn sie überhandnimmt und das Leben einschränkt. Dann heisst es, wieder Schritt für Schritt Vertrauen in den eigenen Körper aufzubauen.

Wie macht man das?

Bewegung spielt dabei eine grosse Rolle. Zuerst innerhalb der Rehabilita­tion, und dann schrittweise auch zu Hause­ oder in einer Herzgruppe. Wer etwa beim Spazierengehen merkt, dass das Herz ruhig und stabil schlägt, gewinnt langsam wieder Sicherheit.

Verraten Sie uns eine einfache Übung?

Gerne. Zur Beruhigung in akuten Angstmomenten kann die 5-4-3-2-1-Stabilisierungsübung sehr hilfreich sein. Dabei richtet man die Aufmerksamkeit bewusst auf die Gegenwart: Man nennt 5 Dinge, die man sieht, 5 Dinge, die man hört und 5 Dinge, die man auf der Haut spürt, etwa die Brille auf der Nase, den Boden unter den Füssen oder die Uhr am Handgelenk. Danach wiederholt man das mit 4, dann 3, 2 und schliesslich mit einer Wahrnehmung. Diese einfache Übung hilft, sich aus der Angstspirale zu lösen, den Körper zu spüren und im Hier und Jetzt wieder Sicherheit zu finden. Auch Entspannungsübungen wie die Progressive Muskelrelaxation empfehle ich gerne.

Unser Tipp: Gratis-Broschüre „Herz und Psyche“ hier runterladen

Von Betroffenen für ­Betroffene

Sie haben eine Herz-Kreislauf-Krankheit, stehen vor einem operativen Eingriff oder hatten einen Hirnschlag und möchten sich ­gerne mit jemandem austauschen, der Gleiches oder Ähnliches
erlebt hat?

Auf der Peer-Plattform www.peer.swissheart.ch können Sie mit Betroffenen oder Angehörigen Kontakt aufnehmen. Unsere Peers wissen, was es heisst, mit einer Herzerkrankung zu leben, vor einer Operation zu stehen oder nach einem Hirnschlag wieder zurück in den Alltag zu finden. Sie kennen Ungewissheiten, Fragen oder Sorgen aus eigener Erfahrung, wissen aber auch, wie sie wieder zu Kräften gekommen sind oder Krisen überwunden haben. Sie sind gerne bereit, sich mit Ihnen darüber zu unterhalten, zuzuhören und Tipps zu geben.

Weitere Infos

Schweizerische Herzstiftung
www.swissheart.ch
[email protected]

PD Dr. phil. Mary Princip
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