Arthrose und die sieben Irrtümer

Bei der Behandlung von Arthrose läuft immer noch einiges falsch. Das sind die sieben grössten Irrtümer.

Arthrose 08.11.18

Irrtum Nr. 1: Erst mal abwarten

Arthrose ist zwar ein langsamer Prozess, doch warten sollte man nicht. Lassen Sie einen Arthrose-Verdacht rasch vom Arzt abklären. Aus medizinischer Sicht ist man sich heute einig: Die Arthrose-Behandlung wirkt umso besser, je früher man damit beginnt. Erste Warnzeichen einer Arthrose sind Anlaufschmerzen im Gelenk am Morgen oder nach längerem Sitzen sowie Morgensteifigkeit, Schmerzen unter Belastung, Schwellungen und Rötungen des Gelenkes.

Irrtum Nr. 2: Das schmerzende Gelenk ruhigstellen.

Eigentlich sind Schmerzen ein Warnsignal. Auch Arthrose-Schmerzen. Sie zeigen an, dass der Knorpel im Gelenk defekt ist. Die Folge: Knochen trifft auf Knochen. Das tut weh – nicht der defekte Knorpel – vor allem in Bewegung und unter Belastung. Man kann dem Schmerz ausweichen, indem man das betreffende Gelenk ruhigstellt. Doch ruhigstellen ist bei Arthrose keine gute Idee. Da der Knorpel keine Blutbahnen und Nerven hat, ist ein Austausch von Nährstoffen und Abfallprodukten der Knorpelzellen nur passiv über die Gelenkflüssigkeit möglich. Das Gelenk muss dazu bewegt werden. Durch Bewegung wird der Knorpel abwechselnd wie ein Schwamm zusammengedrückt und wieder entlastet – Gelenkflüssigkeit wird ausgepresst und wieder aufgesaugt. Nur so gelangen die Nährstoffe zu den Knorpelzellen. Ohne Bewegung kommt es zu einer Unterversorgung. Der Knorpel degeneriert dann noch schneller.

Irrtum Nr. 3: Gegen Arthrose ist man machtlos.

Arthrose kann man zwar nicht rückgängig machen, Arthrose kann man aber aufhalten oder ihr Fortschreiten verlangsamen. Zu den Massnahmen gehören die Reduktion von Übergewicht, die Stärkung der Muskulatur zur Entlastung des Gelenkes und die Einnahme von Chondroitinsulfat. Studien an Patienten mit Kniegelenk-Arthrose haben gezeigt, dass sich unter Chondroitinsulfat die Abnahme des Knorpelvolumens verlangsamt und auch die Schmerzen abnehmen. Nachgewiesen ist die Wirkung nur für Medikamente. Nahrungsergänzungsmittel sind unterdosiert und wurden bisher nicht untersucht.

Irrtum Nr. 4: Arthrose-Schmerzen mit ­Paracetamol bekämpfen.

Neue Studien zeigen, dass die Wirkung von Paracetamol in Dosen von drei Gramm und weniger pro Tag ungenügend ist. Nimmt man hingegen mehr als drei Gramm, können gravierende Nebenwirkungen im Magen oder auch im Herz-Kreislauf-System auftreten. Bei starken Schmerzen greift man also mit Vorteil zu Entzündungshemmern. Die haben zwar auch Nebenwirkungen, sind aber wirksamer gegen Schmerzen und Entzündungen.

Irrtum Nr. 5: Tabletten sind besser als Salben.

Bei Finger- und Kniegelenk-Arthrose – das Hüftgelenk liegt zu weit unter der Haut – wirken lokal angewendete Entzündungshemmer wie Gels, Cremes und Pflaster genauso gut wie oral eingenommene, zumindest in den ersten vier Wochen nach Therapiebeginn. Sie sind zudem viel besser verträglich und haben keine potenziell lebensgefährlichen Nebenwirkungen. Genau wegen dieser Nebenwirkungen sollten die oralen Entzündungshemmer immer in der tiefsten noch wirksamen Dosis und nur so lange wie nötig genommen werden.

Irrtum Nr. 6: Nur Ältere sind betroffen.

Die Häufigkeit von Arthrosen nimmt mit dem Alter zwar zu, eine Alterserscheinung im eigentlichen Sinn ist Arthrose aber nicht. Vererbung spielt hingegen eine Rolle, insbesondere bei der Fingergelenk-Arthrose und in geringerem Ausmass bei der Kniegelenk-Arthrose.

Irrtum Nr. 7: Vorsorge ist nicht möglich.

Die Regel besagt: Gelenke benutzen und belasten, aber nicht überlasten. Wer Arthrose-Schäden vorbeugen möchte, soll auf Freeclimbing und – wegen wiederholter Höchstbelastungen – auf alle Stop-and-go-Sportarten wie Fussball, Tennis oder Squash verzichten, denn sie tun den Gelenken mittel- bis langfristig nicht gut. Zu empfehlen sind hingegen Spazieren, Nordic Walking, Velofahren, Schwimmen, Yoga, leichte Gymnastik oder Tai Chi.

Was ist Arthrose?

Arthrose bezeichnet einen langsam fortschreitenden Abbau von Gelenkknorpel. Arthrose kann Gelenkschmerzen verursachen und die Beweglichkeit stark einschränken. Am häufigsten betroffen sind Kniegelenk, Hüftgelenk und Fingergelenke. Arthrose ist die weltweit häufigste Gelenkerkrankung. 600 000 Schweizerinnen und Schweizer leiden unter Arthrose-Schmerzen, Tendenz steigend. Kniegelenk-Arthrose hat bereits jeder Zweite über 60. Viele Arthrosen sind Spätfolgen einer in früheren Jahren nicht richtig auskurierten Verletzung. Verletzungen müssen deshalb in jedem Alter vollständig ausheilen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 08.11.2018. Setzte ein Lesezeichen permalink.

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