Auch die Muskeln kriegen ihr Fett weg

Ozempic semaglutide injection pen on a lounge chair at a resort with a female swimmer heading toward a pool in Queensland, Australia, April 2026 Bild: AdobeStock, Urheber: Cynthia

Die neuen Medikamente gegen Adipositas gelten als medizinischer Durchbruch. Die Wirkstoffe ermöglichen Gewichtsverluste, die noch vor wenigen Jahren kaum erreichbar erschienen. Viele Patientinnen und Patienten verlieren innerhalb eines Jahres 15 bis 25 Prozent ihres Körpergewichts. Doch mit dem Erfolg wächst ein Verdacht: Verlieren Betroffene nicht nur Fett, sondern auch wertvolle Muskulatur?

Tatsächlich mehren sich wissenschaftliche Hinweise darauf, dass unter der Therapie ein relevanter Anteil des Gewichtsverlusts aus fettfreier Masse besteht, also aus Muskulatur, Wasser, Bindegewebe und Organmasse. Besonders problematisch wird dies bei älteren Menschen, bei Bewegungsmangel oder bei zu schneller Gewichtsabnahme.

Aktuelle Studien zeigen, dass die neuen Wirkstoffe zwar effektiv die Fettmasse reduzieren, gleichzeitig aber auch zu einem messbaren Verlust fettfreier Masse führen. Etwa 25 Prozent des gesamten Gewichtsverlusts gehen auf dieses Konto. Höhere Dosierungen und längere Therapiedauer erhöhen das Risiko zusätzlich. Menschen mit Gelenk- oder Muskelschmerzen verlieren häufiger Muskulatur. Verminderte körperliche Aktivität während der Therapie ist ein besonders kritischer Faktor. 

Wie kommt es zu diesem Muskelabbau? Die neuen Medikamente bremsen den Appetit massiv. Viele Patienten essen deutlich weniger als zuvor, teilweise unter 1000 Kilokalorien täglich. Ohne ausreichende Eiweisszufuhr beginnt der Körper, körpereigene Strukturen abzubauen. Fehlende körperliche Aktivität verstärkt den Verlust fettfreier Masse erheblich. 

Regelmässiges Widerstandstraining

Mehrere Studien und praktische Erfahrungen zeigen, dass gezielte Gegenmassnahmen wirksam sein können. Die mit Abstand beste Schutzmassnahme ist regelmässiges Widerstandstraining. Bereits zwei bis drei Einheiten pro Woche können helfen, die Muskelmasse weitgehend zu erhalten. Wichtig sind zudem eine hohe Eiweisszufuhr und ein langsamer Gewichtsverlust. Achtung! Nicht nur die Waage zählt, sondern auch die Körperzusammensetzung.

Fazit: Die neuen Abnehmspritzen sind zwar hochwirksam, aber sie haben ihren Preis. Ein Teil des Gewichtsverlusts betrifft nicht nur Fett, sondern auch fettfreie Masse und teilweise Muskulatur. Besonders gefährdet sind ältere oder körperlich inaktive Menschen. Die entscheidende Botschaft lautet jedoch nicht, dass diese Medikamente gefährlich sind. Vielmehr zeigt sich, dass erfolgreiche Adipositastherapie mehr braucht als eine Spritze allein.