Wundinfektionen gehören zu den häufigsten und folgenreichsten Komplikationen nach Operationen. Sie sind nicht nur für die Patientinnen und Patienten eine erhebliche Belastung, sondern führen auch zu verlängerten Spitalaufenthalten, zusätzlichen Operationen, höheren Gesundheitskosten und – im schlimmsten Fall – zu lebensbedrohlichen Verläufen. In der Schweiz sind chirurgische Wundinfektionen die häufigsten Spitalinfektionen überhaupt. Besonders bei Wirbelsäulenoperationen, bei denen oft Implantate wie Schrauben und Stäbe eingesetzt werden, ist das Risiko für tiefe Infektionen besonders ernst zu nehmen.
Ein grosser Teil dieser Infektionen ist heutzutage vermeidbar. Durch gezielte, evidenzbasierte Präventionsmassnahmen und durch die enge Zusammenarbeit von erfahrenen Spezialistinnen und Spezialisten lässt sich das Risiko relevant senken. Das Ziel, Infektionen vollständig zu vermeiden, klingt ehrgeizig. Doch die Erfahrung zeigt: Mit klaren Standards, gelebter Teamarbeit und konsequenter Prävention ist Zero Wundinfektionen kein unerreichbares Ideal, sondern eine anzustrebende Vision.
Die richtige Indikation: Der erste Schritt zur Sicherheit
Jede Operation beginnt mit einer Entscheidung, und diese will gut überlegt sein. An der Hirslanden Klinik St. Anna steht deshalb die sorgfältige Indikationsstellung im Zentrum. Erst wenn konservative Therapien ausgeschöpft sind und ein eindeutiges klinisch-radiologisches Korrelat besteht, wird operiert. Gerade bei komplexen oder wiederholten Eingriffen ist die interdisziplinäre Beurteilung entscheidend. Neurochirurgie, Orthopädie, Radiologie, Anästhesie und Infektiologie sowie die zuweisenden Hausärztinnen und Hausärzte arbeiten eng zusammen, um für jede Patientin und jeden Patienten die individuell beste Entscheidung zu treffen.
Spezialisierung, die Sicherheit schafft
Ein spezialisiertes Zentrum bietet mehr als modernste Technik. Es lebt von klaren Abläufen, definierten Standards und einem hohen Mass an Routine. In der Wirbelsäulenchirurgie an der Klinik St. Anna sind diese Strukturen gelebte Praxis: von der präzisen Operationsplanung mit intraoperativer Neuronavigation über die interdisziplinäre Begleitung bis hin zur standardisierten Nachsorge. Ein Schlüssel zum Erfolg liegt auch in der engen Zusammenarbeit zwischen Wirbelsäulenchirurgie und Infektionsprävention – zwei Disziplinen, die Hand in Hand arbeiten, um postoperative Komplikationen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Prävention beginnt Wochen vor dem Eingriff
Ein konsequentes Infektionspräventionskonzept umfasst weit mehr als den Operationssaal. Schon in der Vorbereitung tragen Patientinnen und Patienten entscheidend zum Erfolg bei:
- Präoperative Dekolonisation der Haut und Nase des wichtigen Erregers Staphylococcus aureus senkt das Risiko für Wundinfektionen messbar.
- Rauchstopp sechs Wochen vor der Operation und stabile Blutzuckerwerte über die Operation hinweg sorgen für eine optimale Wundheilung und verringern Komplikationen.
- Allergieabklärungen – insbesondere Ausschluss von vermeintlichen Penicillinallergien – ermöglichen die optimale Antibiotikaprophylaxe.
So wird Prävention zur gemeinsamen Aufgabe vom Medizinteam und Patientinnen und Patienten – lange bevor der erste Schnitt gesetzt wird.
Präzision im Operationssaal
Während der Operation zählt jedes Detail. Antibiotika werden exakt getimt, die Haut mehrfach desinfiziert, Instrumente und Materialien streng kontrolliert. In bestimmten Fällen wird zusätzlich lokales Antibiotikapulver auf Implantate aufgebracht. Diese Sorgfalt schützt nicht nur vor Infektionen, sie ist Ausdruck einer Haltung, die keinen Kompromiss bei der Sicherheit zulässt.
Wachsamkeit in der Nachsorge
Auch nach der Operation bleibt Aufmerksamkeit entscheidend. Standardisierte Wundkontrollen und ein klar strukturierter Informationsfluss zwischen Operationsteam, Hausärztin und Hausarzt und Infektiologie sorgen dafür, dass Auffälligkeiten früh erkannt werden. So können Infektionen im Entstehen gestoppt werden, bevor sie noch mehr Schaden anrichten.
Lernen, messen, verbessern
Erfolgreiche Prävention ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines lernenden Systems. Module wie die SSI-Intervention von Swissnoso (das Surgical-Site-Infection [SSI]-Interventionsmodul von Swissnoso ist ein nationales Programm, das Spitäler dabei unterstützt, Infektionen an Operationswunden zu verhindern, durch bessere Hygienemassnachmen, Schulungen und Qualitätskontrollen) zeigen, wie wertvoll strukturierte Überwachung und systematisches Feedback sind. In unserer Klinik werden die gewonnenen Daten genutzt, um Abläufe stetig zu optimieren – von der Vorbereitung bis zur Nachsorge.
Das Ziel: Zero Wundinfektionen
An der Hirslanden Klinik St. Anna sind prä-, peri- und postoperative Standards zur Infektionsprävention fest etabliert – getragen von interdisziplinärer Erfahrung, modernster Technik und echter Teamarbeit. Unser Ziel ist klar: Zero vermeidbare Wundinfektionen. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das Sicherheit und die Gewissheit, in erfahrenen und professionellen Händen zu sein.

Weitere Informationen
www.neurozentrum-zentralschweiz.ch
Telefon 041 208 34 50