Brauche ich wegen meiner Depression mehr Eisen?

Keine Gefühle mehr, dafür Angstzustände und Schlaflosigkeit. Eine Leserin leidet unter einer schweren Depression und fragt, ob ihre tiefen Eisenwerte schuld sind.

Eisenmangel Depression

„Ich bin 39 Jahre alt und habe eine Depression mit völliger Gefühlslosigkeit, innerer Leere und Angstzuständen. Ich empfinde weder Freude und Liebe noch Wut und Trauer. Es ist schlimm, jeden Tag so zu leben. Ich bin innerlich leer und tot. Ich zittere, bin antriebslos und erschöpft und kann auch nicht mehr richtig schlafen und habe Augenringe.

Ich mache mir grosse Sorgen, dass das nie mehr aufhört und ich nie mehr normal leben kann. Kürzlich habe ich mein Ferritin messen lassen. Obwohl der Wert mit 20 sehr tief ist, meinte mein Arzt, das reiche für mich, mit Antidepressiva würde es schon wieder gut kommen. Aber das will ich nicht. Können Sie mir sagen, was ich machen soll, ob dieser Ferritin-Wert wirklich in Ordnung ist oder ob ich vielleicht doch Eisen brauche?“

Das sagt Dr. Jürg Zollikofer, Allgemeinarzt und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft der Vertrauens- und Versicherungsärzte:

Im vorliegenden Fall fehlt noch eine wichtige Angabe, nämlich das Hämoglobin. Ist dieser Wert auch erniedrigt, müsste zunächst die Ursache abgeklärt werden. Ich würde es dann wahrscheinlich mit Eisen-Infusionen versuchen, da die orale Therapie bei einem so tiefen Ferritin wegen der häufigen Nebenwirkungen wenig erfolgversprechend und eher mühsam ist. So oder so müssten auch Antidepressiva in Betracht gezogen werden. Weshalb die Patientin dies nicht will, führt sie nicht weiter aus. Sie leidet nun doch schon seit bald einem Jahr unter diesen bedrückenden Gefühlen. Wahrscheinlich braucht sie eben beides: Eisen und ein Antidepressivum. Zudem würde ich eine fokussierte Psychotherapie empfehlen.

 

Dr. Jürg Zollikofer

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10.01.2019. Setzte ein Lesezeichen permalink.

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