Der Papst ist das bessere Vorbild als das Pflegepersonal

Alle Hoffnungen, die Pandemie zu beenden, ruhen auf der Impfung. Doch ausgerechnet dort, wo es sie am meisten braucht, wird sie massenweise verweigert. Wie kommt das?

Impfen ja nein Bild AdobeStock Urheber unbekannt
Bild: AdobeStock, Urheber: unbekannt

Selbst Papst Franziskus will sich gegen Covid-19 impfen lassen. Wer es nicht tue, spiele nicht nur mit seinem eigenen Leben, sondern auch mit dem Leben anderer, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Anders sieht es eine Mehrheit des Pflegepersonals, nicht nur in der Schweiz, sondern europaweit. In medizinischen Berufen ist die Impfquote bei der saisonalen Grippe seit Jahren tief. Noch viel grösser ist die Impfskepsis gegenüber der Corona-Impfung. Je nach Umfrage wollen sich nur zehn bis höchstens 30 Prozent der Mitarbeitenden in Heimen impfen lassen. In vielen Institutionen verweigern Pflegende gar reihenweise die Impfung.

Der einzige Ausweg aus dieser elenden Pandemie

Gemäss den neusten Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit verstarben in den vergangenen zwölf Wochen mehr Corona-Patienten in einem Alters- oder Pflegeheim als im Spital. Die Impfung als wirksames Mittel, um die Anzahl der schweren Krankheitsverläufe und Todesfälle zu reduzieren. So bewirbt der Bund die nationale Impfkampagne gegen das Coronavirus. Die Impfung ist die einzige Chance, aus dieser elenden Pandemie herauszukommen. Gelingt es nicht, die Risikogruppen besser abzuschirmen, können wir noch lange nicht zur Normalität zurückkehren.

Abstruse Gerüchte über Unfruchtbarkeit

Wie ist zu erklären, dass sich die ganze Welt monatelang nach einem Impfstoff gegen Corona sehnt, und kaum ist er da, verweigern sich diejenigen, die es am besten wissen sollten, weil sie erstens in medizinischen Fragen ausgebildet sind und weil sie es jeden Tag mit den Schwächsten der Gesellschaft zu tun haben? Wie kommt es, dass plötzlich Meldungen kursieren, wonach die Impfung unfruchtbar mache, wo doch sämtliche Arzneimittelbehörden die neuen Impfstoffe als sicher und verträglich beurteilt haben? Für was in aller Welt haben wir monatelang als ganze Gesellschaft unter den harten Massnahmen gelitten, welche die Menschen in die Verzweiflung, Einsamkeit und finanzielle Not getrieben haben? Nur mit dem einen Ziel, die Spitäler und Heime vor dem Kollaps zu schützen und die Mitarbeitenden zu entlasten? Und kaum ist mit dem Impfstoff endlich wirksame Entlastung da, verweigert man sich, und zwar genau dort, wo er am meisten nützen würde?

Das Virus hat Menschen zu Krüppeln gemacht

Eine Impflicht für das Pflegepersonal will niemand. Noch setzt man überall auf Aufklärung. Doch was ist, wenn alles nichts fruchtet? Kommt es zu Klagen und juristischen Prozessen, wenn Betagte in einem Heim nur deshalb sterben, weil das Pflegepersonal die Impfung verweigert hat? Wir sollten uns alle – und zwar ausnahmslos alle – daran erinnern, wieviel Leid die Kinderlähmung noch bis vor wenigen Jahrzehnten in viele Schweizer Familien gebracht hat. Dieses Virus hat hunderttausende Menschen zu Krüppeln gemacht. Wäre es angebracht gewesen, die Polio-Impfung zu verweigern? Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Nutzen der Corona-Impfung im Alltag rasch und überzeugend zeigt und die Impfbereitschaft unter jenen steigt, die genauso wie der Papst leuchtende Vorbilder sein müssten. 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 12.01.2021.

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