Corona-Krise – Wer spielt, verliert immer

Die Schweiz steht still, doch Online-Casinos haben Hochkonjunktur. Der Lockdown lässt ihre Umsätze explodieren. Suchtfachleute warnen.

Spielsucht Bild AdobeStock Urheber georgejmclittle
Bild: AdobeStock, Urheber: georgejmclittle

Die Betreiber schiessen aus allen Rohren. Online-Spiele werden aggressiv beworben. An den Bahnhöfen, im Internet, im TV und neuerdings sogar in personalisierten Newslettern. Dort wird damit gelockt, dass trotz Krise niemand auf Glücksspiele verzichten muss. Der Zugang von zu Hause aus ist via Computer oder Smartphone jederzeit möglich. Die Werbung der Online-Casinos nutzt genau jenes Spielverhalten aus, das zu schneller Abhängigkeit führt. Suchtfachleute fürchten, dass wegen der eingeschränkten Bewegungsfreiheit noch mehr Menschen zum Online-Geldspiel verleitet werden. Während die ausländischen Anbieter mit einer Netzsperre belegt wurden, rühren die Schweizer Online-Casinos umso mehr die Werbetrommel. Selbst Swiss Los mischt munter mit.

Hohe Abhängigkeit

Laut Studien haben Online-Casinospiele und Live-Sportwetten das höchste Gefährdungs- und Abhängigkeitspotential. Weil die soziale Kontrolle und der Bezug zum realen Geld fehlen, ist die Risikobereitschaft im Internet höher. Ganz perfid: Wenn Kreditkarten aufgebraucht sind, bieten die Portale Paysafe-Karten an, mit denen einfach weitergespielt werden kann. Forschungsresultate aus dem Ausland belegen, dass online deutlich mehr Geld und Zeit aufgewendet wird als in herkömmlichen Casinos. Die Eidgenössische Spielbankenkommission als Aufsichtsorgan der Schweizer Casinos hat erkannt, dass der Anteil an risikoreich und krankhaft Spielenden im Onlinebereich besonders hoch ist.

Spielende verlieren immer

Unter dem Strich verlieren Spielende immer. Ein Grossteil des Umsatzes wird durch einige wenige generiert. Es sind jene Spieler, die ein problematisches Spielverhalten zeigen oder gar abhängig sind. «Eine Geldspielsucht kann zu ernstzunehmenden psychischen, sozialen und körperlichen Folgebeschwerden, bis hin zu Suizid und grosser Verschuldung führen», warnt Livia Staub vom interkantonalen Projekt «Spielen ohne Sucht». In der Schweiz zählen gemäss aktuellster Studie rund drei Prozent der Bevölkerung zu den risikoreichen oder krankhaften Spielern. Das sind 192’200 Personen.

Direkte Hilfe für Spielsüchtige

Spielen ohne Sucht, Programmleitung Ostschweiz, Livia Staub, 071 626 02 41

Zentrum für Spielsucht und andere Verhaltenssüchte, RADIX Zürich, Christian Ingold, 044 360 41 07

Sucht Schweiz, Monique Portner-Helfer, 021 321 29 74

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 26.03.2020.

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