Corona-Wunderarznei – Schweizer Ärzte so leichtgläubig wie Donald Trump

Trotz Warnungen der FDA und weltweiten Todesfällen, der US-Präsident nimmt das umstrittene Malaria-Mittel Chloroquin als Corona-Prophylaxe. Auch Schweizer Ärzte horteten es massenhaft für sich selber und nahmen es Patienten weg, die es wirklich brauchen.

Trump Bild AdobeStock Urheber Sono Creative
Bild: AdobeStock, Urheber: Sono Creative

Es ist ein riskanter, vielfach tödlicher Selbstversuch. US-Präsident Trump, Brasiliens Staatsführer Bolsonaro, Tesla-Chef Musk. Sie alle schwärmen für das Malaria- und Rheuma-Mittel Chloroquin zur Covid-19-Prophylaxe. Es sei ein Geschenk Gottes, meinte Trump. Dabei ist dessen Wirksamkeit gar nicht bewiesen, im Gegenteil. Die US-Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde FDA warnt eindringlich davor, das angebliche Wundermittel online zu kaufen und ohne Rezept einzunehmen. Es gebe keine Belege für die Wirksamkeit, das Mittel erhöhe aber das Risiko lebensgefährlicher Herzrhythmusstörungen und Schäden am Herzmuskel. Ärzte vermuten, dass hunderte Brasilianer daheim starben, weil sie sich selbst ohne ärztliche Aufsicht mit Chloroquin behandelten.

Nach neusten Forschungsergebnissen ist das Malaria-Mittel nicht nur weitgehend wirkungslos bei der Bekämpfung des Coronavirus. Im direkten Vergleich liegt die Sterberate nach der Behandlung sogar deutlich höher. In Brasilien wurde eine Phase-II-Studie wegen plötzlicher Todesfälle umgehend abgebrochen.

Viele Ärzte und andere Medizinalpersonen auf der ganzen Welt nehmen das Medikament trotz allen Warnungen vorsorglich ein. Auch Schweizer Ärzte hamsterten das scheinbare Wundermittel. Die Anzahl der Bestellungen verdoppelte sich während der Pandemie, vorwiegend für den Eigenbedarf. So entstand ein Engpass, der ein paar Wochen lang anhielt. Patienten mit chronischen Krankheiten hatten das Nachsehen, bis schliesslich das Bundesamt für Gesundheit eingreifen musste.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 21.05.2020.

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