Das Ende von Corona und die Lehren

Corona Open Bild AdobeStock Urheber unbekannt Bild: AdobeStock, Urheber: unbekannt

Am 16. März 2020 rief der Bundesrat die ausserordentliche Lage aus und schickte das Land in den Lockdown. Alles, was für den täglichen Bedarf nicht nötig war, wurde geschlossen. Spitäler und Arztpraxen mussten auf nicht dringende Eingriffe und Therapien verzichten. Verteidigungsministerin Viola Amherd verkündete nicht ohne sichtlichen Stolz die grösste Mobilmachung der Schweizer Armee seit dem zweiten Weltkrieg. Von da an gab es im Land nur noch ein beherrschendes Thema. Es war auch die Stunde der Wissenschaft. Forscher, die zuvor niemand kannte, traten in das Scheinwerferlicht der Medien und der Öffentlichkeit.

Mobilmachung und Behandlungsstopp waren Überreaktion

Im Rückblick hat der Bundesrat gerade noch im denkbar letzten Moment reagiert, um grösseres Unheil von der Schweiz abzuwenden. Im Vergleich zum Ausland fielen die Restriktionen moderat aus. Ausgangssperren gab es bei uns nie. Die Mobilmachung der Armee in dieser Form erwies sich jedoch als Überreaktion, ebenso der medizinische Behandlungstopp. Er hat immense gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden angerichtet. Leidtragende waren auch die Kinder. Im letzten Frühling hat wegen der Schulschliessungen rund ein Drittel wenig bis gar nichts gelernt.

Bei der Maskenfrage lag das Bundesamt falsch

Sträflich verschlafen hat das Bundesamt für Gesundheit monatelang die Maskenfrage. Erst am 6. Juli verordnete der Bundesrat eine Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr. Die erste und zweite Welle wären viel milder verlaufen, hätte er sich früher zu diesem Entscheid durchgerungen. Es ist wie bei einem Fallschirmsprung aus dem Flugzeug. Hin und wieder muss man handeln, ohne Evidenz und belastbare Daten – wie es so schön heisst – aus randomisierten, kontrollierten Studien zu haben. Der gesunde Menschenverstand würde sagen, lieber zur Sicherheit eine Maske tragen, selbst wenn sie im schlimmsten Fall nichts nützt. Aus heutiger Sicht wissen wir, dass selbst gewöhnliche Hygienemasken Ansteckungen reduzieren.

Der Schweiz fehlt ein nationaler Krisenstab

Als nach der Öffnungseuphorie im letzten Sommer die Fallzahlen wieder kontinuierlich stiegen, verharrte der Bundesrat wochenlang in Lethargie, hielt bis zuletzt an Grossveranstaltungen fest und schob die Verantwortung den Kantonen zu. Das politische Hickhack führte zu einer zweiten Welle, welche das Gesundheitswesen an die Grenzen seiner Belastbarkeit brachte. Spätestens jetzt zeigte sich, dass der Schweiz ein nationaler Krisenstab fehlt, der auf der Höhe seiner Aufgabe ist. Eine wissenschaftliche Taskforce reicht da nicht. Mit ihren alarmistischen Modellen, ihrer einseitigen Datengläubigkeit und unablässigen Forderungen nach härteren Massnahmen statt einer Gesamtsicht hat sie einen enttäuschenden Beitrag zur Krisenbewältigung geleistet und einen tiefen Corona-Graben in der Gesellschaft aufgerissen.

Der Bundesrat behielt mehrheitlich das Augenmass

Viele Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Warum zum Beispiel verlaufen die Fallkurven in der Schweiz und in Deutschland in den letzten Wochen fast parallel, obwohl das Verhalten der beiden Länder völlig unterschiedlich ist? Sind wir Schweizer vorsichtiger? Ist unsere Regierung klüger? Behielt der Bundesrat im Grossen und Ganzen doch das richtige Augenmass? Vielleicht gibt es dazu ja mal belastbare Daten.

Hoffentlich wandelt sich die Wut in Einsicht

Einiges haben wir sicher schon jetzt gelernt. Wir sind verletzlich, als Gesellschaft und als Individuen. Es wäre gut, die Corona-Krise in einem grösseren Zusammenhang zu sehen und unsere verschwenderische Lebensweise zu überdenken. Sie hat die Pandemie zweifellos begünstigt. Es wäre gut, wenn sich die Wut, die sich in gehässigem Ton überall, nicht nur im Internet zeigt, in die Einsicht wandelt, dass es nach Corona nicht einfach so weitergehen kann wie vorher. Und dass daraus die Bereitschaft entsteht, etwas zu verändern, im kleinen und im grossen Rahmen. Vergessen wir nicht die Klimaerwärmung. Das Leid, das sie anrichten wird, können wir kaum erahnen. Die Rekordhitze in der Arktis mit Temperaturen von 38 Grad sollte uns Mahnung genug sein.