Das Leiden einer Corona-Mutter

Stress mit dem Homeschooling, fehlende Bewegung und soziale Kontakte. Andrea Imholz erzählt von ihrem Gräueltag nach Ostern und einem langen Spaziergang, wo sie sich den ganzen Corona-Frust von der Seele gekotzt hat.

Andrea Imholz Corona

Am Mittwoch, den 18. März, sind wir super mit dem Homeschooling gestartet. Alles hat bestens geklappt und wir meisterten eine Woche nach der anderen bis zu den Osterferien. Und dann kam mein Gräueltag, der 14. April, Dienstag nach Ostern.

Meine Laune war im Keller, meine Motivation, mich mit den Kindern hinzusetzen und zu lernen, gleich null. Null Bock auf Schule und null Bock auf Mami hier und Mami da und null Bock, all die Blätter für die kommenden zwei Lernwochen durchzulesen.

Ich bin kein IT-Genie. Der Umgang mit de Computer bringt mich immer wieder zum Grübeln oder sogar zum Schimpfen. Das braucht Nerven, Geduld und Zeit. Auch der ganze Plunder, den wir im Moment zu Hause haben. Briefe über Briefe, Mails, die ich ausgedruckt habe, Bastelsachen, Schulmaterial usw. Bei uns sieht es aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Wo ist nur meine gewohnte Ordnung hin?

Akzeptieren, wie es ist

Im Moment muss ich einfach akzeptieren wie es ist. Es geht allen gleich, und das Wichtigste ist ja, dass wir gesund sind. Ich darf mich eigentlich nicht beklagen, denn die Lehrerinnen sind immer für uns da, falls wir irgendwo anstehen. Aber an diesem Dienstag war einfach alles zu viel, alles extrem doof, und ich kann und will ja auch nicht bei einer Lehrerin den ganzen Frust ablassen.

Mein Lichtblick war, dass ich am Abend mit einer Kollegin zum Laufen – selbstverständlich mit Abstand – verabredet war. Wir machten einen langen Spaziergang, und ich konnte mich so richtig auskotzen, mir alles von der Seele reden. Das tat unheimlich gut! Heute sieht mein Tag schon wieder besser aus.

Regelmässig eine kleine Auszeit

Mir fehlen meine sozialen Kontakte. Ich war vorher viel unterwegs, machte an meinen freien Morgen ab zum Laufen oder halt mal nur zum Kaffeeklatsch ab. Das war für mich unheimlich wichtig. Mein Ausgleich im Alltag. Klar kann ich jetzt telefonieren. Oder ich könnte auch skypen, aber das ist einfach nicht dasselbe.

Eine liebe Umarmung können weder der Computer noch das Telefon ersetzen.

Gott sei Dank hatten wir die letzten Wochen so tolles Wetter. Jeden Tag war ich draussen und machte meine Runde. Das war für mich meine kleine Auszeit, die ich dringend benötigte. Danach konnte ich mit frischem Elan wieder für meine Kinder da sein.

Immer wieder Bewegung einplanen

Auch meine Kinder haben nicht mehr die Bewegung die sie eigentlich dringend nötig hätten. Vorher hatten sie einen Schulweg von ca. 20 Minuten, den sie zwei bis vier Mal pro Tag machen mussten. Auch Fussball und Meitliriege fallen weg, also müssen wir zu Hause mehr Bewegung in unseren Alltag bringen. Nach zwei Stunden lernen am Morgen bauen wir nun regelmässig ein Workout ein, das wir dann alle drei über YouTube am Fernseher schauen und voller Elan mitmachen. Ich merke, dass es den Kindern und mir guttut. An den Nachmittagen müssen sie meistens raus zum Spielen, oder wir gehen eine Runde aufs Velo oder machen einen Spaziergang zusammen.

Ich weiss, ich jammere auf hohem Niveau, und mir ist bewusst, dass es uns super geht. Trotzdem herrscht nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Darum hoffen wir, dass schon bald wieder ein Stück Normalität in unseren Alltag einkehrt.

Lesen Sie auch:

Ohni Zmorge bin i niemert

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20.04.2020.

Kommentare sind geschlossen.