Das Rezept gegen Einsamkeit

solo_papierschiff_im_wasser Bild: AdobeStock, Urheber: Marco Martins

Warum haben Sie dieses Buch geschrieben? 
Zwei Jahre nach dem Tod meines Mannes wollte ich herausfinden, ob und wie ich auch als Solistin entspannt und glücklich werden kann. Es ging mir damals nicht so gut und ich musste einen Weg aus meiner Leere finden. Dazu tauchte ich tief in die Forschungsliteratur ein. Ich sprach oft mit anderen Betroffenen und experimentierte, übte und reflektierte. Bald einmal realisierte ich, wie es mir besser und besser ging. Nach zwei intensiven Jahren kam dann die Idee mit dem Buch. 

Was haben Sie alles versucht?
Das Sololeben war für mich zunächst, wie für viele Menschen, eine Herausforderung. Das emotionale Bödeli war weg und ich musste das Alleinsein ganz neu lernen. Zu Beginn sah ich es überhaupt nicht als Chance, im Gegenteil: Ich war mutlos und spürte eine Tendenz zum Rückzug. Dem wollte ich entgegenwirken. Neben der Recherche begann ich, Dinge, die mein Mann und ich in der Freizeit unternommen hatten, auch allein zu probieren.

Dr. Verena Steiner ist durch ihre Bestseller «Exploratives Lernen», «Energiekompetenz» und «Lernpower» bekannt geworden. Die promovierte Biochemikerin und passionierte Lernerin hat 1998 an der ETH Zürich den Lehrgang «Lernen mit Lust!» aufgebaut und auch an der BOKU in Wien gelehrt.

Bild Rownak Bose



Warum nicht zusammen mit Freunden?
Natürlich unternehme ich gerne Dinge mit anderen, aber in meinem Umfeld gibt es zu wenig Menschen, die für grosse Bergwanderungen und Velotouren zu haben sind. Es brauchte Mut, allein unterwegs zu sein. Ich spürte jedoch von Mal zu Mal, wie ich an neuer Energie gewann und wie ich mutiger und stärker wurde. Es fiel mir unterwegs auch immer leichter, mit Fremden ins Gespräch zu kommen. Auch dazu musste ich mich zunächst überwinden und es üben.

Solo ist vielleicht Ihr persönlichstes Buch, Sie binden aber nicht nur Ihre eigenen Erfahrungen ein, sondern auch die von anderen Menschen. Warum?
Weil jeder und jede die Situation des Alleinseins wieder anders empfindet. Was für die einen eine Erleichterung ist, ist für andere eine gewaltige Herausforderung. Was die einen motiviert, macht anderen eher Angst, und was die einen an Effort übertrieben finden, möchten andere stärker hervorgehoben haben. Umso wichtiger ist es mir, dass die Leserinnen und Leser diejenigen Dinge im Buch für sich herauspicken, die sie für sich gebrauchen können. Und auch, dass sie sich bei grösseren Schwierigkeiten an Fachleute wenden. Mein Buch ist als Werkzeugkiste für den normalen Alltag gedacht.

Erschienen im Aris-Verlag

Kann es auch Menschen helfen, die in einer Partnerschaft sind und nie gelernt haben, allein zu sein?Wer mein Buch aus eigenem Interesse liest und wirklich etwas verändern will, das heisst, wer emotional ein Stück weit unabhängiger und innerlich stärker werden will, wird fündig werden. Wir lernen aber nur dann etwas dazu, wenn wir uns ein kleines Stück weit aus der Komfortzone hinauswagen, wenn wir ein Unbehagen spüren oder wenn etwas anstrengend ist. Genau dann lernen wir auch uns selbst und unsere eigenen Stärken und Schwächen besser kennen. Darauf können wir aufbauen. 

Was möchten Sie den Leser und Leserinnen mitgeben?
Natürlich möchte ich sie inspirieren, ihnen frische Ideen oder gar eine neue Perspektive geben. Durch die Lektüre allein, lernt man aber noch nicht allzu viel. Der Knackpunkt ist die Umsetzung. Das Buch soll wie ein Baugerüst sein, das den Leserinnen und Lesern leichteren Zugang zu denjenigen Stellen verschafft, an denen sie arbeiten wollen. Eine Art Roadmap, die den individuellen Weg aufzeigt und die sie immer wieder mal zur Hand nehmen, um sich erneut zu orientieren.