Der Trick mit der Einkaufsliste

Frau mit grauen langen Haaren fässt sich mit Finger an die Stirn Bild: AdobeStock, Urhber: deagreez

Fast täglich ein Sudoku muss sein. Die Kreuzworträtsel versucht Anna* ohne Hilfe zu lösen. «Manchmal muss ich schon auch googeln», erzählt die 65-Jährige. Der definitive Test, dass ihr Gedächtnis noch fit ist, zeigt der Wocheneinkauf. «Ich schreibe mir zwar alle Lebensmittel auf, die ich brauche, schaue mir die Liste aber im Laden nicht an. Erst zu Hause kontrolliere ich anhand des Zettels, ob ich nichts vergessen habe», sagt die ehemalige Lehrerin. Gefordert wird sie auch von den Enkelkindern, die sie oft betreut.

Symptome ernst nehmen und abklären lassen

Anna gehört nicht zu den 20 Prozent, die bei unserer Umfrage angaben, im Alltag durch Gedächtnisstörungen oder Konzentra­tionsmangel eingeschränkt zu sein. Mehr als die Hälfte der 3473 Teilnehmerinnen und Teilnehmer meinten, ihre Fähigkeit, sich neue Dinge zu merken, habe nachgelassen. Zwei Drittel der Befragten waren zwischen 65 und 85 Jahre alt, 32 Prozent zwischen 46 und 65. Gedächtnisstörungen sind noch immer ein Tabuthema. Es ist aber wichtig, die Symptome ernst zu nehmen, sie nicht zu verdrängen, sondern die Ursache so früh wie möglich abzuklären und zu behandeln. Hinter Vergesslichkeit und Konzentrations­schwierigkeiten können viele Ursachen stecken. Von Stress über Schlafmangel, körperlichen Krankheiten, altersbedingtem kognitiven Abbau bis hin zu Nebenwirkungen von Medikamenten.

Verschweigen hilft nicht

Gedächtnisstörungen sind ein Risiko für Demenz. Deshalb ist es wichtig, darüber zu sprechen und Klarheit zu schaffen. Das bietet die Chance, frühzeitig Hilfe und Unterstützung zu finden. Wer über mehrere Monate zunehmende Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen bemerkt, sollte seinen Hausarzt oder seine Hausärztin aufsuchen. Sie sind die ideale Anlaufstelle für ein erstes Gespräch. Ist die Ursache bekannt, ist in vielen Fällen eine Behandlung möglich. Oft helfen schon nicht-medikamentöse Therapie­methoden, manchmal ist es auch sinnvoll, Medikamente einzusetzen, die zum Beispiel die Durchblutung im Gehirn verbessern können.

Es braucht individuelle Therapien

Dazu Dr. Stefanie Becker, Direktorin Alzheimer Schweiz: «Noch gibt es kein heilendes Medikament, eine Vielzahl von Behandlungen trägt dazu bei, die kognitiven Fähigkeiten so lange wie möglich zu erhalten und die Lebensqualität zu fördern. Wichtig ist, sich frühzeitig Hilfe zu holen und die Behandlung individuell zu gestalten.» Die 21 Sektionen von Alzheimer Schweiz bieten Beratung und zahlreiche Freizeit- und Entlastungsmöglichkeiten an.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält fest, dass die Diagnose häufig erst gestellt wird, wenn Gedächtnisprobleme oder andere Symptome auftreten. Zu diesem Zeitpunkt könnte die Krankheit schon seit Jahren fortgeschritten sein. Das heisst, wenn die Diagnose gestellt wird, ist es oft zu spät, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Nach Angaben der WHO leben derzeit weltweit mehr als 55 Millionen Menschen mit Demenz. Forscher haben herausgefunden, dass ein gesunder Lebensstil und eine gute Ernährung das Gedächtnis im Alter schützen können. Menschen, die enthusiastisch und fröhlich sind, haben das, was Psychologen «einen positiven Affekt» nennen. Dieser kann das Nachlassen der Gedächtnisleistung und das Fortschreiten der Demenzentwicklung im Alter verzögern.

* Name geändert

Checken Sie Ihr Gedächtnis

Ist Ihr Gedächtnis noch fit? Sind Sie vergesslich? Machen Sie den einfachen Online-Test und finden Sie heraus, wie es um Ihr Gedächtnis bestellt ist. Dieser kurz Test liefert Ihnen Informationen und Anregungen über Ihre kognitive Gesundheit.

Hier geht’s zum Test

Trainieren Sie Ihr Gehirn

Unterschiede finden, Gegenstände merken und Texte richtig verstehen. Es gibt viele Übungen, um möglichst lange geistig fit zu bleiben. Eine Auswahl an Gedächtnisübungen zum Ausdrucken finden Sie kostenlos auf
www.check-dein-gedaechtnis.ch

Erste Ansprechperson für kognitive Störungen

Dr. med. Michael Wagener, Allgemeine Innere Medizin FMH in Binningen BL, sagt, wie er zur Diagnose Gedächtnisstörung kommt.

Bei welchen Anzeichen sollte man zum Arzt gehen? 

Wenn man das Gefühl hat, dass man mehr als üblich vergisst, zum Beispiel Namen oder Routineaufgaben im Alltag. Aber auch wenn man meint, dass das Gehör nachlasse oder man nach Worten suchen muss. Auch bei Lustlosigkeit und Antriebsmangel sollte man zum Hausarzt gehen.

Welche Perspektiven kann der Hausarzt bieten?

Es ist wichtig, dass man darüber spricht. Der Hausarzt sollte seinen Patien­ten oder seine Patientin fragen, wie der Alltag läuft, ob er oder sie etwas Neues macht oder unternimmt. Wichtig sind auch Schlaf- und Essverhalten beziehungsweise Gewohnheiten, soziale Kontakte und wie schon oben gesagt das Hörvermögen, weil das Gehirn weniger Geräusche zur Verarbeitung bekommt, was die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.

Wie kann man das Gedächtnis trainieren?

Etwas Neues lernen wie Sprachen, ein neues Instrument erlernen, soziale Kontakte pflegen, sich ausreichend bewegen, seine Sinne fordern mit Kochen, Schmecken, Riechen oder Musik.

Dr. med. Michael Wagener, Allgemeine Innere Medizin FMH
Neuraltherapie SANTH
Schmerzspezialist SPS
Pharmazeutische Medizin FMH
Allergologie (D)
Orthomolekulare Medizin AOM,
in Binningen BL

www.praxis-wagener.ch