Der verkannte Rückenschmerz

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Rund drei Viertel der Bevölkerung haben irgendwann im Leben Rückenschmerzen im unteren Lendenbereich. Besonders betroffen sind ältere Menschen. In vielen Fällen sind die Beschwerden harmlos und gehen von selber wieder vorbei oder sprechen auf einfache Schmerzmittel oder Wärme gut an. Schwierig wird es, wenn die Schmerzen chronischer Natur sind. Dann kann sich die Suche nach einer Ursache über Wochen, Monate oder gar Jahre hinziehen, oft ohne fassbares Ergebnis. Oft sind viele Spezialisten involviert, bevor die Diagnose gestellt wird.

Sogar Ärzte tappen im Dunkeln

«Eine der am häufigsten übersehenen Ursachen von tieflumbalen Rückenschmerzen ist die Arthropathie des Iliosakralgelenks, das heisst des Kreuzdarmbeingelenks», sagt Prof. ­Clément Werner von der etzelclinic in Pfäffikon. Weil das Beschwerdebild sehr unterschiedlich sein kann und die Anatomie dieses Gelenks sehr komplex ist, bleibe das zugrunde liegende Problem sehr oft unerkannt. Kommt dazu, dass sich für dieses vernachlässigte Gelenk kaum ein Facharzt zuständig fühlt. «Wir sprechen von einem klassischen ‹No Man’s Land›.»

Typischerweise berichten die Patienten über seitliche Schmerzen am Übergang der Lendenwirbelsäule zum Steissbein, in der Hüftgegend und am Bein. Das Knie bleibt dabei schmerzfrei. Ebenso bezeichnend sind unruhiges Sitzen und häufige Positionswechsel.

Ein manueller Test bestätigt den Verdacht

Bei Verdacht auf eine Arthropathie des Iliosakralgelenks braucht es erfahrene Hände. «Es gibt einen guten manuellen Test. Er erlaubt eine zuverlässige und schnelle Verdachtsdiagnose», erklärt Prof. Werner. Danach ist eine spezielle Bildgebung hilfreich.

Um die Diagnose zu sichern, macht man eine Infiltration mit einem Lokalanästhetikum direkt in das betroffene Gelenk. Bessern sich die Beschwerden deutlich, ist der Befund klar. Allerdings ist die fehlerfreie Infiltration aus anatomischen und technischen Gründen eine grosse Herausforderung und setzt viel Erfahrung voraus. Prof. Werner: «Um die Treffsicherheit zu erhöhen, sollte man den Eingriff immer mithilfe von bildgebenden Verfahren machen.»

Infiltrationen helfen meistens

Die Behandlung erfolgt beim akuten Schmerz fast ausschliesslich konservativ, nämlich mit Infiltrationen im und aus­serhalb des Gelenkes (wo die Schmerzfasern verlaufen). Hilft das nicht weiter, kommen chirurgische Interventionen infrage. Möglichkeiten sind die sogenannte Denerva­tion und eine minimalinvasive Fusion des Gelenks. Prof. Werner: «Bei der Denervation wird mithilfe der Radiofrequenz-Ablation versucht, die um das Iliosakralgelenk liegenden Nervenbahnen zu veröden. Zur Fusion und Stabilisierung des Gelenks gibt es neuer­dings ein spezielles Implantatsystem. Die bisherigen Ergebnisse sind bei ­richtiger Selektion der Pa­tienten sehr ermutigend.»

Der Check

Folgende Beschwerden können auf eine Arthropathie des Iliosakral­gelenks hinweisen.­ Treffen drei oder mehr Kriterien auf Sie zu, sollten Sie sich mit Ihrem Hausarzt besprechen, sich gegebenenfalls an einen Facharzt überweisen lassen oder sich direkt bei der etzelclinic (Tel. 055 415 80 20 / [email protected]) melden.

  • Tiefsitzende Rückenschmerzen, die vom Gesäss zum Oberschenkel oder sogar bis zur Wade ziehen können.
  • Wechselseitige Schmerzen im ­Gesäss.
  • Morgensteifigkeit, die länger als 30 Minuten anhält.
  • Linderung der Schmerzen durch ­Bewegung, aber nicht in Ruhe.
  • Unruhiges Sitzen und häufige Positions­wechsel.
  • Nächtliches Aufwachen in der zweiten­ Nachthälfte wegen der ­Rückenschmerzen.
  • Wadenkrämpfe, die nicht auf ­Magnesium reagieren.

Prof. Dr. med. Clément Werner, leitender Arzt der Wirbelsäulen- und Beckenchirurgie.

Kontakt und Terminbuchung

etzelclinic
Churerstrasse 43, 8808 Pfäffikon
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