Deutliche Verbesserung der Refluxsymptome

Absetzen der Medikamente, keine Schluckstörung, keine Probleme beim Aufstossen. Prof. Christian A. Gutschow über die Behandlung von ­saurem Aufstossen mit einem Stimulator.

Reflux Aufmacher

Wie viele Menschen mit Reflux werden mehr schlecht als recht behandelt?

Etwa 30 bis 40 Prozent der erwachsenen Schweizer – Männer wie Frauen –  leiden unter Sodbrennen. In den meisten Fällen reichen bereits einfache Änderungen des Lebensstils oder säurehemmende Medikamente. Dennoch weiss man, dass etwa ein Drittel der Patien­ten mit diesen Massnahmen nicht vollständig zufrieden ist. Hinzu kommen die bekannten möglichen Nebenwirkungen einer medikamentösen Langzeittherapie wie Osteoporose und Knochenbrüche, Atemwegsinfekte, Vitaminmangelzustände, Magenschleimhautentzündungen oder sogar Demenz.

Woran liegt das?

Ein wesentlicher Grund ist, dass die klassischen chirurgischen Verfahren, besonders die Fundoplikatio, bei welcher der obere Teil des Magens wie eine Manschette um die untere Speiseröhre gelegt wird, ebenfalls Nebenwirkungen haben können. Vor allem die Unfähigkeit aufzustossen mit der Folge eines geblähten Bauches – das sogenannte Gas-Bloat-Syndrom –, macht den Patienten zu schaffen. Diese Nebenwirkungen können auch bei einer chirurgisch perfekt durchgeführten Fundoplikatio auftreten. Die Symptome sind möglicherweise aber auch auf technische Fehler bei der Operation zurückzuführen, weshalb wir grundsätzlich empfehlen, solche Eingriffe nur in einem entsprechenden Zentrum durchführen zu lassen.

Wann ist es Zeit, oder besser gefragt, wann ist der Leidensdruck so gross, dass man bei saurem Aufstossen an die Implantation eines Mini-Stimulators denken sollte, um den Schliessmuskel um die Speiseröhre zu stärken?

Bei etwa 10 Prozent der Betroffenen sind die Refluxsymptome so stark ausgeprägt, dass über eine operative Korrektur nachgedacht werden sollte. Das ist insbesondere der Fall, wenn die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend wirkt, wenn viel Flüssigkeit aus dem Magen in die Speiseröhre oder gar bis in den Mund zurückfliesst oder wenn die Medikamente nicht vertragen werden.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dieser verhältnismässig neuen Methode gemacht?

Der wesentliche Punkt bei der Stimulator-Implantation ist, dass die normale Anatomie von Speiseröhre und Magen nicht verändert wird. Zudem kann das System bei Bedarf wieder entfernt werden, so dass der Eingriff reversibel ist. Bei den Patienten, die wir mit einem Stimulator versorgt haben, hat sich eine deutliche Verbesserung der Refluxsymptome gezeigt, so dass meistens auch die Medikamente abgesetzt werden konnten. Ein besonderer Vorteil ist, dass die sonst typischen Nebenwirkungen fehlen: Keiner der Patienten hatte nach der OP eine Schluckstörung oder Probleme beim Aufstossen. Einschränkend muss man aber sagen, dass das Verfahren leider nicht für alle Fälle geeignet ist. Patienten mit besonders schwerer Refluxkrankheit werden in unserer Abteilung daher immer noch mit den klassischen Operationsverfahren behandelt.

Manche Patienten mit schweren Refluxsymptomen können kaum ein normales Leben führen. Bessert sich das nach der Implantation eines Mini-Stimulators wirklich?

Die bisher zum Stimulator veröffentlichten Studien zeigen eine gute Wirksamkeit bei sehr günstigem Nebenwirkungsspektrum. Diese Erfahrung haben wir auch bei unseren Patienten gemacht.

Weshalb ist Reflux in unserer Bevölkerung ­eigentlich so stark verbreitet? Essen wir falsch oder zu viel? Oder hängt das mit dem Über­gewicht zusammen?

Die Refluxkrankheit hat vielfältige Ursachen und sicherlich spielt auch der typisch westliche Lebensstil mit viel Stress, ungesunder, fettreicher Ernährung und Übergewicht eine wichtige Rolle. Viele Patienten haben jedoch auch Refluxprobleme, obwohl sie sich gesund ernähren und nicht übergewichtig sind. In diesen Fällen sollte durch geeignete Untersuchungen – Magenspiegelung, Röntgen, Druckmessungen – geprüft werden, ob nicht eine Fehlfunktion des natürlichen Ventil­mechanismus zwischen Speiseröhre und Magen vorliegt. Diese kann dann nötigenfalls durch die Operation korrigiert werden.

Prof. Dr. med. Christian Alexander Gutschow, Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie, UniversitätsSpital Zürich

 

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 14.08.2018. Setzte ein Lesezeichen permalink.

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