Die 5 cleversten Strategien gegen Einsamkeit

Einsamkeit ist zum Massenphänomen geworden, gefördert durch die sozialen Medien. Wer nichts dagegen unternimmt, wird krank und erleidet einen frühen Tod.

Einsamkeit Bild AdobeStock Urheber New Africa
Bild: AdobeStock, Urheber: New Africa

Jeder und jede Dritte in der Schweiz fühlt sich einsam, wie Zahlen des Bundes zeigen. Bei den 15- bis 24-Jährigen sind es fast die Hälfte. Von der Epidemie der Einsamkeit ist die Rede. Das Abgeschnittensein in modernen Gesellschaften ist zur Normalität geworden. Die Gründe sind offensichtlich. Immer mehr Singlehaushalte, soziale Interaktionen, die zunehmend nur noch im Netz stattfinden, sowie die weitgehende Säkularisierung.

Einsamkeit macht krank. Sie schwächt die Immunabwehr, erhöht das Risiko für hohen Blutdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Depressionen, chronische Schmerzen, Schlafstörungen und sogar für Demenz. Einsamkeit ist eng verbunden mit ungesunden Verhaltensweisen wie schlechter Ernährung, Bewegungsmangel und Missbrauch von Medikamenten und Alkohol. Sie kann das Leben ebenso stark verkürzen wie Rauchen oder starkes Übergewicht.

Besonders fatal wirkt sich die Kombination einsam, alt und arm aus. Bei sozial isolierten, einkommensschwachen Menschen kumulieren sich die gesundheitlichen Probleme gegenüber der Durchschnittsbevölkerung um das Fünffache. Ein kritisches Ereignis ist die Pensionierung, weil viele Kontakte auf einmal wegfallen. Verwitwung, Tod von Geschwistern und Freunden oder eine späte Scheidung lassen die sozialen Netze schrumpfen und bergen die Gefahr der Isolation.

Selbstentwertendes Denken ist grösstes Problem

Je länger die Einsamkeit dauert, desto schwieriger wird es, sie zu durchbrechen. Chronisch Einsame geraten in einen Teufelskreis und trauen sich keine Kontakte mehr zu. So zeigt eine Auswertung von fast zwei Dutzend Studien, dass es nicht in erster Linie ein grösseres Kontaktangebot braucht, um Einsamkeit zu überwinden, sondern eine andere Einstellung gegenüber sich und den Mitmenschen. Denn das grösste Problem ist das selbstentwertende Denken.

Gute Zuhörer werden geschätzt

Wer Freunde gewinnen will, muss an anderen Menschen Interesse zeigen und ihnen bewusst zuhören. Wer sein soziales Netzwerk vergrössern will, darf nicht die eigene Person in den Vordergrund stellen, sondern sein Gegenüber. Gute Zuhörer werden geschätzt. Sie fragen nach, haben häufig Blickkontakt und sind zurückhalten mit der Bewertung des Gehörten. „Einsam ist, wer für niemanden sorgt“, sagt ein Sprichwort.

Das sind die fünf cleversten Strategien gegen Einsamkeit:

1. Eine Aufgabe haben

Zu einem erfüllten Leben gehört eine Aufgabe oder Funktion. Jeder Mensch hat ein Bedürfnis nach Bedeutung. Zu wissen, dass es ihn gibt und dass er für jemand wichtig ist. Deshalb benötigen gerade Menschen mit viel freier Zeit einen Bedeutungszuwachs. Eine Art von Arbeit, an der sie wachsen können und Verantwortung spüren, auch jenseits des Bruttosozialproduktes. Besonders bereichernd sind alle Arten von Mehrgenerationenprojekten.

2. Dem Alltag eine Struktur geben

Um gut durch den Alltag zu kommen, braucht jeder Mensch einen klaren Tagesablauf und Rituale. Nichts ist schlimmer als ein Leben ohne Fixpunkte. Auch wer viel freie Zeit hat und nicht mehr zur Arbeit muss, sollte den Tag nicht verschlafen, sondern zu definierten Zeiten aufstehen. Unbedingt in den Tagesplan gehört auch regelmässige körperliche Aktivität.

3. Gedanken und Gefühle steuern

Alt werden bedeutet nicht zwingend Trauer und Isolation und allein sein nicht Einsamkeit. Wir können unsere Gedanken und Gefühle steuern und das Ruder über unser Leben selber in die Hand nehmen. Wer mit Menschen in Kontakt treten möchte, muss sich selber wertschätzen und sich sich Gutes tun. Also Schluss mit der selbsterfüllenden Prophezeiung nach dem Motto „Für mich interessiert sich sowieso keiner!“

4. Raus in die Natur

Einsamkeit lässt sich bekämpfen, indem man in die Natur geht, sogar allein. Was paradox klingt, haben Studien klar gezeigt. Das Erleben der Natur macht uns zu freundlicheren, hilfsbereiteren, offeneren und sozialeren Wesen als jede Grossstadt es kann.

5. Nach Unterstützung fragen

Scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es gibt in jeder Gemeinde eine Vielzahl von Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen. Für ältere Menschen hat Pro Senectute ein grosses Angebot an sozialen Aktivitäten bereit.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 06.02.2020.

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